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(Vortrag/Diskussion)
von Thomas Kögel Freitag, 12. September 2008
In The King geht es um einen geheimnisvollen Sänger, der sich The King nennt und im Jahr 2005 in Las Vegas vor ausverkauftem Haus als wieder auferstandener Elvis Presley gefeiert und als "Gott des Gesangs" quasi-religiös verehrt wird. Die Hauptfigur des Comics ist jedoch Paul Erfurt, ein Zeitungsreporter auf dem absteigenden Ast. In den Siebzigern und Achtzigern hatte er für ein Revolverblatt süffige Geschichten zum Thema "Elvis lebt" geschrieben, inzwischen will er ein seriöser Journalist sein. Jetzt ist er nach Las Vegas gekommen, um sich dem selbsternannten King zu widmen. Er will herausfinden, wer sich hinter dem Sänger, der mit einer Maske auftritt, verbirgt. Könnte es sich tatsächlich um Elvis Aaron Presley handeln?
Elvis Presley ist ja, vor allem in Amerika, weit mehr als nur ein Popstar von früher, er ist eine Legende, eine Ikone. Rich Koslowski erzählt, welche Art von Beziehungen verschiedene Menschen zu solchen Ikonen aufbauen. In The King geschieht das, indem wir an Erfurts Recherchen teilhaben. Er interviewt nicht nur den King (dessen Aussagen stets sehr nebulös bleiben), sondern vor allem die Mitglieder seiner Entourage: Leibwächter, Bedienstete, Groupies. Sie erzählen dem Reporter ihre Lebensgeschichten, und so wird The King eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen funktioniert: Ähnlich wie in einem Krimi begleiten wir den Reporter beim Lösen eines Puzzles, es geht aber auch um Mythos und Glauben in der Popkultur und darum, wie diese Mythen leben retten oder zerstören können.
Und nicht zuletzt ist The King eine Charakterstudie, die von Menschen und ihrem Kampf mit dem Alltag erzählt. Da gibt es melancholische und bittere Momente und einen hochdramatischen Höhepunkt, auf den die Geschichte zusteuert, es gibt aber auch etliche warmherzige und humorvolle Szenen, die dafür sorgen, dass der Stoff nicht allzu schwer wird. Auf seiner Homepage bezeichnet sich Rich Koslowski augenzwinkernd als "Comic Book Legend" sowie als "Writer, Artist, Genius". Das muss man so nicht unterschreiben - in jedem Fall ist Koslowski ein sehr talentierter Erzähler mit einem guten Gespür für Dramaturgie und Timing, der es versteht, verschiedenste Typen glaubwürdig zum Leben zu erwecken. Dabei hilft ihm sein markanter Zeichenstil (in schwarz-weiß mit Blautönen als zusätzliches Schattierungselement), der jeder Figur einen ganz eigenen Wiedererkennungswert gibt.
Die deutsche Ausgabe bei Edition 52 erscheint in einem kleinformatigen, dicken Taschenbuch, guter Übersetzung und einem kleinen Anhang mit Skizzen und Anmerkungen. Ein Bestseller wird sie wohl nicht werden - Koslowskis Thema ist schon sehr in der amerikanischen Gesellschaft verhaftet. Man muss aber auf keinen Fall Elvis-Fan sein, um The King genießen zu können. Es reicht völlig aus, wenn man gerne gut erzählte Geschichten abseits der gängigen Genre-Konventionen liest.
The King
Edition 52, Mai 2008
Text und Zeichnungen: Rich Koslowski
226 Seiten; 17,- Euro
ISBN: 978-3935229593

The King © Rich Koslowski, der dt. Ausgabe 2008: Edition 52
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Woche für Woche fährt ein kauziger älterer Seemann mit einem kleinen Boot raus aufs Meer, stellt zwei Kisten vor dem Felsen eines anonymen Leuchtturms ab und fährt wieder zurück. Der Grund dafür liegt in einem Versprechen begründet, das der Seemann vor langer Zeit den ehemaligen Wärtern des Leuchtturms gab: Nach deren Tod solle er für die Versorgung ihres Sohnes sorgen, der seitdem allein dort lebt.
In Hemingway führt Jason mit viel Humor durch ein recht pragmatisches Paris der Zwanziger Jahre. Der Comic bleibt trotz der fabulierten Geschichte und gerade wegen der kauzigen Charaktere bis zum Ende spannend.
Will Eisner – kann man ihn unvoreingenommen lesen, ohne gleich von seinem vorauseilenden Ruf in der Comicszene erschlagen zu werden? Dürfte man sich als Comicrezensent überhaupt herausnehmen, diesen „wichtigsten Zeichner Amerikas" (F.A.Z.) zu kritisieren? Ich habe versucht, den ersten Band der „Will Eisner Bibliothek" im Carlsen Verlag, Ein Vertrag mit Gott – Mietshausgeschichten so zu lesen, wie es ein unbescholtener Textbücher-Leser tun würde, dem plötzlich dieser voluminöse Band in die Hände fällt – und war schlichtweg begeistert!
- 25.10.2010
Um es gleich vorweg zu sagen: Eine erstklassige Graphic Novel! Emmanuel
Lepage hat nicht nur ein außergewöhnliches Thema aufgegriffen, sondern
auch eine fantastische Erzählweise gefunden. Muchacho erzählt
die Geschichte des jungen angehenden Priesters Gabriel im
revolutionären Nicaragua von 1976, kurz vor dem Umsturz der Diktatur
des Familienclans der Somozas und dem Sieg der Sandinisten 1979.
Gabriel de la Serna stammt selber aus einer der Familien, die dem
Somoza-Regime nahe stehen. In ein Dorf geschickt, um in der dortigen
Kirche ein Wandbild zu malen, wird er mit dem prallen Leben der
einfachen Menschen konfrontiert: verführerische Frauen, Träume und
Hoffnungen der Dorfbewohner, Repression durch die Guardia Somozas und
die heimliche Organisation des gewaltsamen Widerstands.
- 08.11.2008
26 Jahre ist der Franzose Bastien Vivès erst alt, hat aber bereits
etliche eigene Comics veröffentlicht. Einer davon, Le Goût du chlore,
bekam 2009 beim Festival von Angoulême den Prix Révélation als bestes
Werk eines Nachwuchskünstlers. Bei Reprodukt erscheint mit diesem Buch
nun erstmals ein Comic von Vivès auf Deutsch. Sehr viel
Übersetzungsarbeit musste der Verlag hier nicht investieren, denn mit
Dialogen hält sich der Künstler sehr zurück.
- 09.09.2010