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von Christopher Bünte Samstag, 14. März 2009

The Boys 3: StreicheleinheitenGarth Ennis galt noch nie als intellektueller Schöngeist. Seine Comics sind gewöhnlich derb und bissig. So auch The Boys, die Serie, die DC nicht wollte, vermutlich, weil sie den hauseigenen Superhelden zu sehr zugesetzt hätte. Streicheleinheiten ist nun Ennis' dritter Streich gegen die fliegenden Strumpfhosenträger.

Es ist mir ein bisschen unangenehm. Ich lese The Boys, diese Serie, die von Wildstorm eingestampft wurde und dann bei Dynamite neues Licht der Welt erblickte. Das soll jetzt kein cool-pubertäres Bekenntnis werden im Sinne von »Woa! Seht her, wie krass ich bin! Dass ich diese fiese Serie lese!« Pfft! Ich bin doch keine Vierzehn mehr! Es ist eher ein peinliches Eingestehen gegenüber mir selbst, dem ich irgendwie noch nicht ganz trauen möchte. Doch allmählich verdichtet sich die Vermutung zu einem Fakt. Ich sehe es ein: Das dritte Trade ist raus, ich bin noch immer dabei – ich muss das Zeug wohl mögen.

Garth Ennis ist so eine Art Meister des derben Humors. Eine Kostprobe gefällig? Im neuen Band sehen wir: Abgehackte Köpfe von Soldaten, die auf ihren Gewehren aufgepflanzt sind. Menstruationsblut im Gesicht von Hughie. Einen Superhelden, der seine eigene Scheiße frisst. Ich meine: Wie komme ich bloß dazu, eine Story mit solchen Elementen unterhaltsam zu finden?!

Wie schon früher bei The Preacher scheut Ennis keine Extreme. Obwohl der dritte Band etwas ruhiger ausfällt als die beiden ersten, bewegt er sich noch immer am Boden des guten Geschmacks. Ein Großteil wird der entflammenden Liebesgeschichte zwischen Hughie und Starlight gewidmet. Er ist der Neue bei The Boys, der Anti-Superhelden-Spezialeinheit, geleitet von Billy Oberarsch Butcher. Sie ist die Neue bei den Seven, dem mächtigsten Superhelden-Team der Welt, angeführt von dem egozentrischen Superman-Verschnitt Homelander. Konflikte sind da vorprogrammiert. Ein weiterer Teil des neuen Trades beschäftigt sich mit der Vergangenheit der Superhelden, ihrer Entstehung, ihren Untaten und ihrer Verflechtung mit der US-Rüstungsindustrie. Wie schon bei seiner Serie War Story zeigt Ennis, dass er viel von Waffen, Militärflugzeugen und solchen Dingen versteht. Gepaart wirt das Ganze dann noch mit einer herrlich verdrehten Nacherzählung der US-Politik seit dem Zweiten Weltkrieg und der Begabung, Figuren erschaffen zu können, die sich so sehr über eine Sache auskotzen, dass einem beim Lesen glatt selber übel wird.

Ob ich die Serie weiterlese, weiß ich nicht. Wahrscheinlich. Wenn ich schon bis zum dritten Band gekommen bin… Garth Ennis' Erzählweise ist nicht schlecht, im Gegenteil, sie funktioniert ganz gut und ist nicht total blöd, auch wenn das im Lichte der erwähnten Details den Anschein haben mag. Hinzu kommt, dass Ennis für beide dargestellten Seiten keine großen Sympathien hegt, weder für die Superhelden, noch für The Boys. Sympathien entwickelt man für Hughie und seine Flamme Starlight, die in ihrem rauen Umfeld nach kleinem, privatem Glück suchen und eigentlich keiner Seele etwas zu Leide tun möchten. Und irgendwie ist The Boys auch ein verdammt bissiger Kommentar zur US-Politik der letzten Jahre. Und zum Superhelden-Geschäft der großen Comic-Verlage. In der Summe betrachtet ist das eigentlich eine ganze Menge für einen Comic, dem ich eine gewisse Abscheu entgegenbringe. Der ehemalige Titanic-Chefredakteur Thomas Gsella hat einmal gesagt: »Satire muss weh tun!« Vielleicht ist das des Pudels Kern. Aber vielleicht kümmere ich mich zur Sicherheit doch besser um einen Psychiater…


The Boys 3: Streicheleinheiten

Panini Comics, Februar 2009
Text: Garth Ennis
Zeichnungen: Darick Robertson
Übersetzung: Bernd Kronsbein
196 Seiten; Softcover; vierfarbig; 19,95 Euro


Derbe Unterhaltung mit einem Schuss Satire

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