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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Thomas Kögel Donnerstag, 11. März 2010
Tamara Drewe arbeitet als Klatschkolumnistin in London und bezieht nun ein ehemaliges Bauernhaus in Stonefield, in dem bis vor kurzem ihre verstorbene Mutter gelebt hatte. Sie ist jung, charmant und sexy, so dass Stonefields männliche Bewohner sofort in ihren Bann gezogen werden. Die Ruhe des Dorfes möchte Tamara nutzen, um einen Roman zu schreiben. Dies tun dort auch mehrere andere Autoren, die sich im Cottage von Beth Hardiman eingemietet haben, einem "Arbeitsrefugium für Schriftsteller". Beth führt diese Autorenresidenz als patente Managerin, während ihr Ehemann Nicholas ebenfalls schreibt. Er ist Autor einer Bestseller-Krimiserie und damit ein ziemlich prominenter Schriftsteller. Weitere Figuren, die wir kennenlernen, sind der hemdsärmelige Gärtner Andy und die beiden Teenager-Mädchen Casey und Jody.
Die Geschichte basiert lose auf dem Roman Far from the Madding Crowd (Am grünen Rand der Welt) von Thomas Hardy, der 1874 erschien, zunächst als Fortsetzungsgeschichte, genau wie Tamara Drewe. Auch dort geht es um eine junge Frau, die in ein ländliches Idyll kommt, wo mehrere Verehrer mit teils verhängnisvollen Folgen um sie buhlen. Trotz dieses Rückgriffs auf ein klassisches Werk ist Posy Simmonds Comic ganz und gar gegenwärtig. Die Autorin erzählt nicht nur eine vordergründige Handlung (in der auch E-Mails und SMS eine wichtige Rolle spielen) sondern beschreibt auch ein ganz bestimmtes Milieu, das eindeutig in der Jetztzeit angesiedelt ist: die eitlen, selbstverliebten Schriftsteller, die Londoner Bohèmes, denen das Dorf als Rückzugsort dient, aber auch die gelangweilten Teenager, denen das Leben in ihrem kleinen Kuhkaff zum Hals heraushängt. Sie alle porträtiert Posy Simmonds sehr einfühlsam und mit einer Prise sanftem Spott, der sich über die Figuren amüsiert, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Man könnte sagen, Tamara Drewe ist ein bisschen wie eine britische Variante von Desperate Housewives (was gar nicht so negativ gemeint ist, wie es vielleicht klingt).
Posy Simmonds' Zeichnungen sind, ähnlich wie ihr Erzählstil, auf angenehme Weise unspektakulär. Sie schildert die Vorgänge realistisch, ohne Effekthascherei, in matten Farben und feinen Linien. Die Spannung, die nach und nach aufkommt, entwickelt sich eher beiläufig, so dass beim Leser unmerklich ein Sog entsteht, der ihn mehr und mehr in die Handlung und das beschriebene Milieu hineinzieht. Am Ende angekommen, hat man die Protagonisten über ein knappes Jahr Erzählzeit begleitet und hat tatsächlich das Gefühl, sie kennengelernt zu haben. Wenn Literatur so etwas erreicht, ist sie gelungen.
Tamara Drewe
Reprodukt, Januar 2010
Text und Zeichnungen: Posy Simmonds
Softcover mit Klappenbroschur, farbig; 136 Seiten, 20 Euro
ISBN; 978-3-941099-31-9

Feine Mischung aus Milieustudie und Drama
Abbildungen: © Reprodukt
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Die sechs Schüsse von Philadelphia ist der fünfte Band der
Kollektion Levitation, die im Avant-Verlag erscheint. Und man muss sich positiv
wundern, dort einen deutschen Comicschaffenden vorzufinden, ist doch diese
wunderbare Reihe bislang den beiden internationale Ausnahmekünstlern Joann Sfar
(Pascin, Klezmer, Die kleine Welt des Golem) und Gipi (5 Songs) vorbehalten
gewesen. Nicht minder überrascht es, dass man mit Ulrich Scheel einen
hierzulande kaum bekannten Zeichner antrifft. Scheel hat zwar in Frankreich
bereits einige seiner Comics veröffentlicht, aber Die sechs Schüsse von
Philadelphia stellt sein Deutschlanddebut dar - umso bemerkenswerter, dass er
dabei gleich ein 240 Seiten dickes Buch vorlegt.
Wer kennt sie nicht, die unerwünschten E-Mails, die
man Tag für Tag in seinem Spam-Ordner (oder, schlimmer, direkt im Posteingang)
findet. Meistens sind sie nur lästig, manchmal bergen sie aber auch unfreiwilligen Humor in sich. Nicolas Mahler schafft es wie kein
zweiter, das Absurde und Komische an Spam-Mails herauszuschälen und
legt mit SPAM ein Buch vor, das aus realen Betreffzeilen und
realen Absendernamen kleine Miniaturen macht, die umwerfend komisch
sind. Und ganz nebenbei gelingt ihm eine tragische Geschichte vom
Abenteuer Penisvergrößerung.
- 24.03.2009
Serienmörder und ihre Taten üben eine eigenartige Faszination auf uns
aus. Verbrechen, die Jahrzehnte, manchmal gar Jahrhunderte zurückliegen,
werden nicht vergessen und zu den Akten gelegt, sondern immer wieder
thematisiert - und durch die Verarbeitung in Kino, Fernsehen oder
Kriminalroman auch zu einem Stück Popkultur. Dass sich historische
Serienmorde auch als Thema für Comics eignen, will der Autor Peer Meter
beweisen, indem er gleich drei solche Stoffe zur Graphic Novels
verarbeitet. Der erste davon erschien kürzlich bei Reprodukt: In Gift
geht es um eine Frau namens Gesche Gottfried, die in den 1920er Jahren
in Bremen insgesamt 15 Menschen vergiftet hatte und 1831 hingerichtet
wurde.
- 26.07.2010
In Prototyp präsentierte Ralf König seine Version der Schöpfungsgeschichte. Nun gibt es die Fortsetzung: Archetyp
dreht sich um Noah und sein berühmtes Schiff, das er baut, um der
Sintflut zu entgehen. Der Comic erschien zunächst als täglicher Strip
in der Frankfurter Allgemeinen, die Buchausgabe im Rowohlt
Verlag ist jedoch mehr als ein bloßer Nachdruck des Zeitungscomics. Für
das Hardcover entwarf König neue Seitenlayouts, überarbeitete manche
Panels und nicht zuletzt ist diese Ausgabe (fast) durchgehend farbig
statt schwarz-weiß.
- 25.11.2009
