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von Jons Marek Schiemann Mittwoch, 24. Februar 2010
Zunächst wird der Leser in das antike Ägypten geführt, wo er Zeuge der Konfrontation einer Priesterin mit einem Hohepriester wird. Der Sinn dieser Szene bleibt unklar (abgesehen von dem Tenor "Mann gegen Frau"), denn schon zwei Seiten später befinden wir uns mit der Titelheldin Camilla im Paris des Jahres 1794. Camilla, Mitglied der Sekte "Die Töchter Liliths", denkt an zwei real existierende Frauen, die für ihre Zeit außergewöhnlich waren: Olympe de Gouges und Manon Roland. Diese beiden Frauen gab es wirklich: Olympe de Gouges, 1748 geboren, kämpfte für die Rechte der Frauen, die ironischerweise auch nach der Revolution keine Bürgerrechte hatten. Die Ex-Kurtisane verfasste 1791 eine "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin", die der Erklärung der Menschenrechte nachempfunden war. Dieses Pamphlet war eine Pioniertat des Feminismus, aber auch Anstoß für die Verhaftung ihrer Autorin. Sie wurde auf Befehl Robespierres 1793 geköpft. Manon Roland war die Ehefrau des damaligen Innenministers und führte einen Salon, in dem sich führende Revolutionäre trafen. Als sie ihren Mann veranlasste, eine flammende Rede gegen Danton zu halten, wurde sie verhaftet und 1793 hingerichtet.
Die Sympathien des Autors sind dabei unklar. Einerseits ist der Comic pro-feministisch, da die porträtierten Frauen gegen das Patriarchat und die christlich tradierte Frauenfeindlichkeit angehen. Andererseits unterstützt der Frauenorden die Tyrannei der Jakobiner, um anti-christliche Ziele zu verwirklichen, und gleichzeitig betreibt er den Sturz Robespierres. Das Motiv dafür hätte Autor Thomas Mosdi deutlicher herausarbeiten müssen. Dass die Frauen später auf der Seite Napoleon stehen wollen, kann ich mir auch nur mit dem späteren "Code Napoleon" erklären, der gleiches Recht für alle gelten ließ (und heute zum größten Teil als Strafgesetzbuch immer noch gilt).
Die Eule ist nicht nur ein Vogel der Weisheit, sondern auch ein sexuelles Symbol. Sie steht für die Leidenschaft, die mit dem Geist der Menschen kämpft. Insofern ist sie ein sehr treffendes Symbol für den Orden der Lilith und seinen Kampf gegen die Rationalität der Männer. Der Comic scheint sich dem anzuschließen, denn der Rezensent verbleibt ziemlich ratlos. Aber nochmal zum Thema Leidenschaft: Laurent Paturaud versteht es mit seinen wirklich schönen Zeichnungen, vor allem die Frauen sehr verführerisch und erotisch darzustellen. Sie wirken zwar austauschbar - die Haarfarbe ist das eindeutigste Unterscheidungsmerkmal -, machen aber die sehr schwache Handlung zumindest ansehnlich.
Sukkubus 1 - Camilla
Splitter, Dezember 2009
Text: Thomas Mosdi
Zeichnungen: Laurent Paturaud
Hardcover, 48 Seiten, farbig; 13,80 Euro
ISBN: 978-3868690866

Ein schön gezeichnetes Album mit einer Handlung, die einen ratlos zurücklässt.
Abbildungen © Laurent Paturaud und Splitter Verlag
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Den meisten Lesern dürfte Prometheus, der Titan, der den Menschen laut Sage das Feuer brachte und deswegen von Zeus bestraft wurde, ein Begriff sein. Weshalb Christophe Bec seine dreiteilige Serie nach diesem benannt hat, bleibt nach dem ersten Band noch unklar. Lediglich die Legende von Prometheus wird auf wenigen Seiten thematisiert, lässt dabei aber jeden Bezug zur eigentlichen Handlung vermissen.
Mit dem 288 Seiten stolzen Gemeinschaftswerk von Fane und Jim erweitert der Splitter Verlag sein bisher eher von fantastischer und abenteuerlicher Genrekost geprägtes Programm um ein realistisches Personendrama. Fünf Männer und Frauen in ihren Dreißigern – einer von ihnen mit seinem neunzehnjährigen Internetdate im Schlepptau – kommen in einem abgelegenen Landhaus in Südfrankreich zusammen, um sich eine Sonnenfinsternis anzusehen und ihre Freundschaft aufleben zu lassen. Auch für die beiden Künstler bedeutet dieser Band weitgehend erzählerisches Neuland, machten sie doch bisher - unabhängig voneinander - eher mit anderer Art von Comickost auf sich aufmerksam.