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von Jons Marek Schiemann Donnerstag, 22. Dezember 2011

Cover Steam Noir 1 Manchen Lesern und Fans dürfte dieser Comic nicht gänzlich unbekannt sein, da er schon vorab in Fortsetzungen im Magazin Comix erschien. Nur hat man hier nun den kompletten Band in einer sehr viel schöneren Aufmachung vorliegen. Qualitativ ist an den Cross-Cult-Veröffentlichungen kaum etwas auszusetzen, was Papier, Bindung und Zusatzmaterial betrifft. Hier sind einige Anhänge zu den Storyhintergründen und eine kleine Galerie angefügt.

Der Serientitel trifft Inhalt und Ton ganz gut: „Steam Noir“. Da hätten wir zum einen den Steampunk (Futuristik in einem Ambiente, das vorzugsweise viktorianisch geprägt ist) und die Noir-Stimmung, die vor allem das amerikanische Kino der vierziger und fünfziger Jahre prägte. Dieses war vorzugsweise düster gehalten und schilderte die Ausweglosigkeit von Protagonisten, die ihrem Schicksal trotz aller Bemühungen kaum entkommen konnten. Der erste Band der neuen Reihe der jungen Deutschen Schreuder und Mertikat bietet denn auch von vielem etwas.

In einer Zukunftswelt nach den sogenannten „Blinden Tagen“ gibt es eine Behörde, die sich ungewöhnlicher Fälle annimmt. Architektur, Kleidung und Gesellschaftsstruktur könnten in dieser Welt aus dem viktorianischen Zeitalter stammen. So ist ein Mitglied des dreiköpfigen Ermittlerteams eine Suffragette (eine frühe Feministin) und Tatortermittlerin im Sinne einer Temperance Brennan (Bones). Der Held, Heinrich Lerchenwald, ist ein sogenannter Bizarromant, dessen Aufgabe unter anderem darin besteht, flüchtige Seelen von der Toteninsel einzufangen, die für alle und jeden gefährlich werden können. Der dritte im Bunde ist ein beseelter Maschinenmensch und durchwegs logisch agierender Kriminalist. Das Team wird zu einem Mordfall gerufen, wobei eine Seele den Körper eines Kindes entwendet hat. Dieses schien ein begehrtes künstliches Herz gehabt zu haben. Das führt das Team nicht nur zu einem Wunderheiler, sondern auch mehrfach in Gefahr.

Seite aus Steam Noir 1 Man hat also Science-Fiction, Krimi und Historisches mit einem leichten Hauch von Horror. Und das hat durchaus etwas Faszinierendes, da es sich scheinbar mühelos ineinanderfügt. Zu Beginn ist die Steampunkwelt etwas irritierend. Aber gerade das ist reizvoll und der Leser versinkt in dieser Welt und hat Gefallen daran, diese zu erkunden. Vor allem da Schreuder und Mertikat, den meisten wohlbekannt durch ihren preisgekrönten Comic Jakob, kaum etwas erklären und somit zu einer Exploration einladen. Da man sich als Leser noch nicht so recht zurechtfindet, ist die Handlung dementsprechend spannend, da mit jedem Ermittlungsschritt auch mehr von der Welt enthüllt wird. Leider ist das aber nicht richtig mitreißend, der letztendliche Kick fehlt etwas. So gerät die Handlung mehr und mehr aus dem Blick, während man sich auf den Spuren des Settings etwas verliert. Die Anmerkungen im Anhang sind da ganz hilfreich, hätten aber durchaus im Laufe der Handlung eingebettet werden können. Allles bleibt ein bisschen unklar, auch der Kriminalfall selbst – und obwohl sich gegen Ende der Lektüre leichte Enttäuschung und Ratlosigkeit breit machen, hat man zum Schluss durchaus Lust auf mehr.

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Seite aus Steam Noir 1 Felix Mertikats Zeichnungen sind sehr stimmungsvoll, bisweilen sehr flächig und in großen Panels gehalten. Die vielen guten Ideen – gerade in den Details – machen Steam Noir zu einem optischen Genuss. Aber mit dem Artwork verhält es sich wie mit der Story: Bislang ist es nicht wirklich herausragend und erinnert bisweilen an FreakAngels. In jeder Hinsicht ist noch Luft nach oben und angesichts der kreativ gestalteten Welt ist man neugierig. Nur sollte die Fortsetzung mehr Blick auf die Story legen, denn mit der Umgebung ist man dann ja schon recht vertraut.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Faszinierende Hintergrund-Welt und gute Zeichnungen, die Handlung hat jedoch noch einige Luft nach oben.


Steam Noir - Das Kupferherz 1
Cross Cult, Oktober 2011
Text: Benjamin Schreuder
Zeichnungen: Felix Mertikat
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 16,80 Euro
ISBN: 978-3-942649-27-8
Leseprobe

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Abbildungen: © Felix Mertikat/Benjamin Schreuder/Cross Cult



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Kommentare (1)Add Comment
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geschrieben von duchamp, am 30. Dezember 2011 um 22.34 Uhr
Ich sehe es mal so: Der Autor - neben Zeichner Mertikat - ist ebenfalls Film-Akademie-Absolvent. Die Reihe ist auf 4 Bände angelegt, demnach hätten wir hier nichts anderes als die Exposition, wenn man mal eine "klassische" 3-Akt-Struktur ansetzt. Insofern war ich überhaupt nicht enttäuscht, sondern eben genau die "Luft nach oben" ist, was eine Exposition braucht! Ich freue mich auf Band 2, wenn es straight aufwärts Richtung zentrale Konfrontation geht ...! Und grafisch finde ich das Ganze schon ziemlich auf den Punkt. Man merkt dem Werk die "Welt dahinter" an, auch wenn von "Opus Anima" nur ein Bruchteil übernommen wurde. Will mehr!

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