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von Thomas Kögel Dienstag, 16. Dezember 2008

 Es beginnt mit einem Arschloch. Gleich im allerersten Panel dieses Manhwas bekommen wir den Hinterausgang eines Pferdes zu sehen sowie das, was dort rauskommt. Ein bezeichnender Auftakt, denn Kwan Gaya schert sich einen Dreck um Konventionen. Sein Epos Sonne und Mond, das in drei Teilen bei Shodoku, dem Asien-Label von Schreiber & Leser, erschienen ist, passt in keine Schublade. Es verwendet zwar reichlich Klischees und Versatzstücke aus diversen Genres, setzt diese aber so dreist zusammen, dass etwas völlig Eigenständiges entsteht.

Die Hauptfigur von Sonne und Mond ist Baik Il Hong, ein bescheidener Fischerjunge, der eigentlich gar nicht zum Helden taugt. Völlig passiv tapert er durch die Gegend, will einfach nur in Ruhe gelassen werden und schläft auch mal zwischendurch ein, selbst wenn um ihn herum gerade gefürchtete Kopfgeldjäger mit dem gegenseitigen Abschlachten beschäftigt sind.

Sonne und Mond spielt in einem mittelalterlichen Asien, in einer Welt, in der drei rivalisierende Kriegerclans um die Vormachtstellung kämpfen. Einer der gefürchtetsten Krieger, Baik Bi, ist gestorben, und wie wir bald erfahren, ist unsere schluffige Hauptfigur Baik Il Hong dessen Sohn. Dank der guten Gene hat er die Gabe, sämtliche Krieger, die ihm ans Leder wollen, mit Leichtigkeit zu besiegen. Er selbst bekommt davon nur wenig mit, denn er hat nur Augen für Nang Lang, seine große Liebe. Nachdem Nang Lang bei einem Kampf tödlich verwundet wird, stellt Il Hong sein normales Leben ein: Still trauernd harrt er neben seiner toten Freundin aus, isst nichts, wäscht sich nicht. Stattdessen sinniert er über Leben und Tod, über Gott und die Welt und über das geistige Erbe seines Vaters. Und währenddessen tobt um ihn herum weiter der Kampf zwischen den verschiedenen Brüderschaften.

Seite aus Band 1 Was Kwan Gaya hier vorlegt, ist eine wilde Mischung. Im Vordergrund steht zunächst mal Action: Der erste Band strotzt vor Kampfszenen, eine Action-Einlage jagt die nächste, die Speedlines peitschen nur so über die Seiten. Aufgelockert wird die Action mit einem kruden Humor, der gerne mal auf Pipi- und Kacka-Ebene stattfindet. Nur selten gibt es auch ruhige Momente: Wortlose Panels, in denen geschwiegen und einfach nur eine Stimmung vermittelt wird.

Man kann jeden Leser verstehen, der nach dem ersten Band keine Lust mehr auf eine Fortsetzung verspürt, zumal die Story durch ständige Szenen- und Perspektivwechsel auch noch schwer zu verfolgen ist. Wer jedoch dranbleibt und zum zweiten Band greift, wird belohnt: Die Geschichte gewinnt deutlich an Tiefe, Il Hongs unglückliche Liebesbeziehung spielt eine tragende Rolle. Vermehrt gibt es philosophische Betrachtungen über den Sinn des Lebens, die durch stimmungsvolle Bilder begleitet werden. Und trotzdem gibt es weiterhin absurden Humor und reichlich Martial-Arts-Action. Der Autor fährt dabei ein großes (manchmal auch verwirrendes) Arsenal von Charakteren auf, die alle an typische Genrefiguren erinnern. Und doch hat jede Figur ihren eigenen Charme, ihren besonderen Touch, ihren speziellen Sprung in der Schüssel.

 Action, Philosophie und Humor: Zu einer homogenen Einheit wollen diese Elemente am Ende nicht recht zusammenfinden, und trotzdem ist man als Leser mit der Zeit fasziniert von Kwan Gayas eigenwilliger Mixtur. Sonne und Mond macht Spaß, wenn man sich darauf einlässt. Und wenn man damit leben kann, dass man bei manchen Szenen einfach nur "Hä?" sagen kann. Wer im unübersichtlichen Angebot an Comics aus Fernost nach außergewöhnlicher Kost sucht, sollte hier zugreifen. Diese Serie war eine der ersten, die Schreiber & Leser unter dem Shodoku-Label gestartet hat, und man muss den Verlag loben, dass er die Reihe komplett veröffentlicht hat, auch wenn die Verkaufszahlen zunächst nicht so sonnig aussahen. Das kleine Detail, dass jeder der drei Bände auf einer anderen Papiersorte gedruckt ist, kann man getrost verschmerzen.

Sonne und Mond, Band 1 bis 3
Shodoku/Schreiber & Leser
Text und Zeichnungen: Kwan Gaya
Softcover; schwarz-weiß; jeweils ca. 300 Seiten;
14,95 Euro

 

Höchst eigenwilliger Genre-Mix

Band 1: ISBN 978-3-937102-47-4

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Band 2: ISBN 978-3-937102-56-6

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Band 3: ISBN 978-3-937102-78-8

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Bildquelle: schreiberundleser.de



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