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von Benjamin Vogt Mittwoch, 31. August 2011

Cover Sokrates der Halbhund 1 Herakles, die sagenumwobene griechische Heldenfigur, ist der Sohn des Zeus und damit ein echter Halbgott. Sein getreuer Begleiter und bester Freund Sokrates ist nach eigenem Bekunden ein Halbhund: halb Hund, halb Philosoph. Dass dieser dabei den Namen eines berühmten philosophischen Vorbildes trägt, ist natürlich ein deutlicher Hinweis auf die Rolle des sprechenden Kläffers in der neuen Serie von Joann Sfar und Christophe Blain.

Das Konzept trägt schon auf den ersten Blick die Handschrift Sfars, genauer gesagt könnte man Sokrates der Halbhund als historisches Äquivalent zu Die Katze des Rabbiners (Avant-Verlag) bezeichnen. Statt einer mitteilsamen Katze, setzt Sfar dem Leser nunmehr einen gesprächigen Hund vor.

Seite aus Sokrates der Halbhund 2 Allerdings gibt es entscheidende Unterschiede zwischen beiden Werken: Als erstes wäre hier das zeitgeschichtliche Setting zu nennen. Der Autor bereitet in Sokrates der Halbhund die griechische Antike auf, taucht tief ein in deren Mythologie und schlägt allgemein einen wesentlich raueren, wenn auch zwangsweise oberflächlicheren Ton an als es bei den Geschichten um den Rabbiner und seine Katze der Fall ist. Erzählt werden Herakles' Abenteuer, seine Kämpfe gegen Monster, seine Frauengeschichten. Innerhalb dieses fantasievollen Rahmens nimmt sich Joann Sfar auch mal Freiheiten fernab von tiefschürfenden Dialogen. Letztlich ist das auch der Pluspunkt: Sokrates der Halbhund liest sich trotz aller Ähnlichkeiten überhaupt nicht wie Die Katze des Rabbiners, aber eben immer noch wie ein Sfar-Comic. Im gleichen Zug tragen auch Christophe Blains expressionistische Zeichnungen zu einem flüssigen und farbenreichen Gesamtbild bei. Auch hier unterscheidet sich diese Comicreihe von der gewohnten aquarelligen Arbeitsweise des Szenaristen.

Der wesentliche Knackpunkt ist jedoch die Konstellation zwischen dem titelgebenden Tier und seinem Herrchen. Sokrates, dem klugen und eloquenten Halbphilosophen, mangelt es an niveauvollen Gesprächspartnern. Sein Herr, der plumpe, sexgierige Analphabet Herakles, ist wenig kommunikativ. Im Gegensatz zur Katze des Rabbiners, die in ähnlicher Weise die Rolle des Erzählers für den Leser übernahm, ist der Hund Sokrates eher Kommentator der Handlungen von Herakles. Durch das andauernde Monologisieren, gerade in Band 1, schafft es die Serie nicht, an die textliche Tiefe heranzukommen, die man sonst von Sfar gewohnt ist.

Cover Sokrates der Halbhund 2 Im zweiten Band, als Herakles mit seinem Hund nach Ithaka reist und auf Odysseus und den Zyklopen trifft, nimmt die Serie eine dynamischere Struktur an, die Figuren interagieren auf komplexere Weise und werden differenzierter dargestellt. Überhaupt darf man darauf gespannt sein, wie es nach dem Geschehen der ersten beiden Alben mit dieser Reihe weitergeht. Denn so wie Sfar und Blain in ihrem zweiten Comic Fahrt aufgenommen haben, darf man sicherlich noch einige Überraschungen erwarten.

 

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Wertung: 8 von 10 Punkten

Nicht so anspruchsvoll wie Die Katze des Rabbiners, dafür flüssiger erzählt und unterhaltsamer

 

Sokrates der Halbhund
Reprodukt
Text: Joann Sfar

Zeichnungen: Christophe Blain
je 48 Seiten, farbig, Softcover
Preis: je 12 Euro

Band 1: Herakles
März 2011
ISBN: 978-3-941099-81-4
Leseprobe

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Band 2: Odysseus
Juni 2011
ISBN: 978-3-941099-82-1
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt



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