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von Jons Marek Schiemann Donnerstag, 08. Dezember 2011
Auch im zweiten, abschließenden Band bleibt Smoke City eine klassische Heist-Story. Der Coup, eine wertvolle Mumie aus einem Museum zu rauben, war im ersten Band zwar geglückt, jedoch sorgte aber der Verrat eines Bandenmitglieds dafür, dass die Gang gefasst wurde. Doch die Polizei ist viel mehr an deren Auftraggeber interessiert und bietet den Gangstern einen Deal an. Der Gegner aber ist nicht zu unterschätzen und die gestohlene Mumie spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Andeutungsweise sollten hier die Bahnen des klassischen Krimis in Richtung Mystery verlassen werden. Vor allem das Ende des ersten Bandes machte dies deutlich: Darin erwacht im letzten Panel die Mumie zum Leben. Es tut der Serie aber nun recht gut, dass sie das Genre nicht komplett wechselt. Obwohl einige Mystery- bis Horrorelemente nun eine Rolle spielen, bleibt der inhaltliche Schwerpunkt doch überwiegend der Krimi. Somit wird das Angedeutete nur intensiviert und es erfolgt kein sehr großer Bruch. Weiterhin gibt es viele falsche Fährten und Intrigen, wobei das Autorengespann Carré und Mariolle die Spannung eher durch viele Twists als durch Action erzeugt. Diese Twists entstehen auch dadurch, dass verschiedene Personen kurzfristig näher beleuchtet werden und so subjektive Erzählperspektiven entstehen, die nicht zwangsläufig mit dem Geschehen übereinstimmen müssen. Wenn jemand anderen etwas berichtet, so schildert er auch immer seine persönliche Sichtweise. Der Nachteil des Bandes besteht dann auch darin, dass ein Übergewicht auf den Dialogen liegt. Die wechselnden Perspektiven lassen die Story in ihre Einzelteile zerfasern. Und Krimipuristen dürften außerdem durch die übernatürlichen Elemente verschreckt werden.
Benjamin Carrés Zeichnungen passen sehr gut zur düsteren Story, sind teilweise aber immer noch sehr flächig geraten. Durch die Mischung aus Detailreichtum, Flächigkeit und nicht einzuordnenden Gegenständen (wie die merkwürdig aussehenden Computer im Polizeirevier) schaffen sie aber eine gewisse Undefinierbarkeit, die gleich auf mehreren Ebenen greift. Zum einen ist da natürlich das Genre, welches zwischen Krimi und Horror wechselt, zum anderen die Motive und das Gut-Böse-Schema der Figuren, aber auch die offen gehaltene Zeitebene. Man kann nicht genau sagen, wann die Story spielt. Innendekors erinnern bisweilen an Art Deco, Kleidung und Uniformen an die 1930er Jahre und wieder anderes mutet futuristisch an. Das Moderne und das Bekannte wirken gleichzeitig und binden so zum einen den Leser und schaffen gleichzeitig auch Distanz. Die Farbgebung ist sehr gelungen und schafft es, die Neo-Noir-Story mit einer adäquaten Stimmung zu versehen. Das Minenspiel der Protagonisten ist leider wenig ausgeprägt, wird aber durch eine gute Körpersprache etwas ausgeglichen. Seine stärksten Momente hat Smoke City 2 in den dramatischen Szenen, etwa wenn gleich in mehreren Panels ein Fenstersturz gezeigt wird oder ein Ertrinkender in einem großen Unterwasser-Panel scheinbar verloren wirkt. In dieser Hinsicht ist dieser Band sogar besser als der erste.
Wertung: ![]()
Düstere Neo-Noir-Story die nun auch genrefremde Elemente einbezieht, aber leider durch wechselnde Erzählschwerpunkte etwas zerfasert.
Smoke City 2
Splitter Verlag, November 2011
Text: Benjamin Carré, Mathieu Mariolle
Zeichnungen: Benjamin Carré
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-290-7
Leseprobe
Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Rezensionen




Auf zwei Bände angelegt, erzählt der erste Band von Smoke City eine klassische Heist-Story: Eine Bande von Kriminellen, deren Mitglieder sich zur Ruhe gesetzt haben, wird reaktiviert, um aus einem Museum eine Mumie zu stehlen. Die eine Hälfte des Albums dreht sich ganz genregerecht um die Vorstellung der Figuren und die Animositäten innerhalb der Gruppe. In der zweiten Hälfte geht es dann, wieder ganz genregerecht, um den Coup an sich, der zunächst natürlich alles andere als planmäßig verläuft, da ansonsten ja auch keine Spannung aufkommen würde. Verrat und Liebe spielen selbstverständlich auch eine Rolle.
Es gehört schon ein gewisser Mut dazu, eine neue Westernserie zu starten. Der Western gehört in der Unterhaltungskultur zu einem der beliebtesten und langlebigsten Genres. So war der allererste Spielfilm, wenn man eine zusammenhängende Story und eine Dramaturgie als Kriterium nimmt, ein Western: The Great Train Robbery von 1903. Angesichts des Alters und der unübersehbaren Vielzahl von Vertretern des Genres, stellt sich natürlich die Frage, was eine weitere Serie denn so Neues bieten kann. Denn die Stoffe sind mittlerweile sehr rar gesät und andere Western nehmen mittlerweile viele Anleihen bei anderen Genres. Der große Klassiker Comanche zum Beispiel ist manchmal eher ein Krimi im Westerngewand.
Die Serie Schmetterlingsnetzwerk von Eric Corbeyran (Metronom, Der Gesang der Strygen, Assassin's Creed) und Cecil (Holmes, Piccolo) machte schon einmal einen Anlauf in Deutschland. Die ersten beiden Bände erschienen 2001 und 2003 bei Arboris. Zu einer Veröffentlichung des finalen dritten Bandes kam es dann gar nicht mehr. Hoffentlich bekommt die Serie bei ihrem zweiten Anlauf im Splitter-Verlag mehr Aufmerksamkeit als damals. Verdient hätte sie es.
- 20.07.2011
Eben erst von einer seiner großen Expeditionen zurückgekehrt, genießt der draufgängerische Forscher Richard Drake
die Vorzüge, die London zu Ende des 19. Jahrhunderts für die vornehmere
Gesellschaft bereithält. Ob in noblen Zigarrenclubs, beim elitären
Fechttraining oder in pompösen Ballsälen, Drake ist der unternehmerische
Antiheld der viktorianischen Dekadenz.
- 28.08.2010
