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von Benjamin Vogt Montag, 04. Januar 2010

 Mit dem jetzt vorliegenden vierten Band ist die Wildstorm-Serie Sleeper vom Kreativteam Ed Brubaker und Sean Phillips auch in Deutschland an ihr Ende gelangt. Insgesamt 24 Kapitel umfasst das Werk, aufgeteilt in zwei Volumes. Nebenbei bemerkt gibt Brubaker in dem von ihm verfassten Nachwort am Ende des vierten Teils eine kurze Erläuterung, wie die eigentliche Konzeption für den Titel aussah und mit welcher Intention Sleeper um zwölf weitere US-Hefte (= Vol. 2) aufgestockt wurde. Aber kann der Abschluss dieser zu Recht viel gelobten Reihe halten, was die bisherigen Bände versprachen?

Aus meiner Sicht nicht ausnahmslos. Aber dazu muss die Handlung erstmal knapp rekapituliert werden: Sleeper erzählt die Geschichte des Agenten Holden Carver, der undercover das Verbrechersyndikat des genialen Schurken Tao infiltriert, aber dann, als sein einziger Kontaktmann John Lynch im Koma liegt, in seiner Rolle feststeckt. Carver wird zwischen den beiden Mächtigen, Lynch und Tao, und ihrem tödlichen Spiel zunehmend aufgerieben, was dazu führt, dass man als Leser dem von beiden Seiten benutzten Agenten schließlich alles zutraut. Wechselte er bereits die Seiten, fand er Gefallen am Verbrechertum? Ist er gegenüber seinem ursprünglichen Auftraggeber doch noch loyal? Oder verfolgt er gar seine eigenen Ziele und spielt beide Parteien gegeneinander aus? Das sind Fragen, die Brubaker in aller Spannung sehr lange aufrechterhält erhält, bilden sie doch den roten Faden dieser düsteren Krimiserie.

 Umso bedauerlicher ist, dass das Ende etwas zu simpel wirkt. Nicht für einen normalen Comic, für einen auf so hohem Niveau wie hier allerdings schon. Grifter taucht wieder auf, was zwar ganz nett ist, da er ja seit Point Blank, dem inoffiziellen Vorgänger zu Sleeper, in die Verwicklungen zwischen Lynch, Tao und Carver involviert ist, aber man wird das Gefühl nicht los, dass er einfach nur für etwas Action sorgen soll.

Das endgültige Schicksal des psychisch angeknacksten Carver wird rasch abgehandelt, was aufgrund des Twists am Ende verständlich ist. Mehr Zeit bzw. mehr Tiefe  hätte man sich bei der finalen Konfrontation der Hauptakteure gewünscht. Da wirken die Geschehnisse im letzten Kapitel für meine Begriffe zu überhastet. Das trübt den hervorragenden Gesamteindruck der Serie ein wenig, alles in allem erreicht aber auch der vierte Band größtenteils die gewohnte Qualität.

 Brubaker und Phillips sind erwiesenermaßen ein eingespieltes Duo, das perfekt zusammen passt. Selten sind düstere, harte Crime-Stories so überzeugend wie bei der Zusammenarbeit dieser beiden. Wer auf Comics mit Agenten, gebrochenen Helden und einer Prise Superschurken  steht, der kommt an Sleeper auf lange Sicht jedenfalls nicht vorbei.

 

Sleeper 4: Das lange Erwachen
Cross Cult, Dezember 2009
Text: Ed Brubaker
Zeichnungen: Sean Phillips
144 Seiten, farbig, HC, 19,80 Euro
ISBN 978-3-936480-74-0

schwächeres Ende, insgesamt aber bemerkenswert gut

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Abbildungen: © Cross Cult

 



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