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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 16. September 2010
Hikosaburo und Manzo, so die Namen der beiden Hauptfiguren, siedelten im Jahr 1869 nach Amerika über. Als Teil einer 40-köpfigen Gruppe sind sie die ersten japanischen Auswanderer. Taniguchis Werk nimmt diesen historischen Fakt als Ausgangspunkt für eine faszinierende Verquickung von japanischer und indianischer Kultur, Kampfkunst und Freundschaft.
Die Begegnung mit Crazy Horse, dem Häuptling der Oglala, lässt die beiden Hauptfiguren schließlich zu Stämmesbrüdern werden, aus Hikosaburo und Manzo werden Sky Hawk und Winds Wolf. Während sie die Lebensweise der Sioux schätzen lernen, lehren sie Bogenschießen und Ju-jitsu. In der Verteidigung der heiligen Black Hills vor den skrupellosen Weißen sind die Japaner gar eine tatkräftige Hilfe.
Eigentlich ist Sky Hawk
sehr
durchdacht proportioniert worden. Man merkt, dass es Taniguchi nicht
einfach
darum ging, zwei Samurai mit Schwertern auf den amerikanischen Westen
loszulassen Nein, er pflegt seine Figuren behutsam in den historischen
Kontext
ein. Das verleiht seiner Geschichte ein Stück weit Komplexität und lässt
sie
lebensechter erscheinen. Seine Geschichte ist der Widerstand der Sioux
gegenüber der vorrückenden US-Armee, der in der Schlacht der Sioux gegen
Leutnant George Custers Divison am Little Bighorn gipfelt. Als
Randfiguren
machen Hikosaburo und Manzo diesen Konflikt für uns Leser erst richtig
nahbar.
Ihre Perspektive ist allerdings bedauerlicherweise nicht die eines
Außenstehenden, spätestens dann nicht mehr, als sie völlig in die
Gemeinde der Oglala integriert sind.
Die hervorgehobene Bedeutung der beiden Japaner auf den Verlauf der Zeitgeschichte lässt Sky Hawk nicht immer gänzlich plausibel erscheinen. Zu sehr lässt Taniguchi auch seine persönliche Meinung durchsickern. Seine Figuren reflektieren ihre Erlebnisse dann in vermeintlich tiefgründigen Gesprächen oder referieren in pathetischer Weise über den Schrecken der Indianervertreibung und dass es, wenn es soweit komme, wohl keine Gerechtigkeit mehr gäbe.
Der sonst so kluge und ruhige Erzähler (der er hier größtenteils auch unbestritten ist) verlässt also ein Stück weit seine neutrale Position, was aus meiner subjektiven Sicht den wirklich guten Gesamteindruck trübt. Damit möchte ich das Leid, das den amerikanischen Ureinwohnern zu jener Zeit widerfahren ist, sicherlich nicht relativieren (das Ausbeuten der Goldvorkommen und die Vertragsbrüche der Amerikaner werden im Comic ja recht gut umrissen), aber diese Einteilung in simple Gut-Böse-Kategorien, wie es in Sky Hawk phasenweise betrieben wird, will mir irgendwie nicht behagen. Zumal mal man, völlig ungewohnt für den Autor, auf Missstände quasi mit der Nase gestoßen wird.
Western und Manga, passt das also
wirklich zusammen? Nach der Lektüre diese Bandes muss man schlichtweg trotz
aller Kritik mit ja antworten. Sicher, Taniguchis Ausflug in dieses Mixgenre
weist hier und da Schwächen auf, dennoch ist dessen Experimentierfreudigkeit zu
begrüßen. Keines seiner Bücher war wohl von einer solchen Anzahl expliziter
Gewaltszenen geprägt und keines war vermutlich von solch historischer Relevanz.
Das Ergebnis ist kein herausragender, aber immer noch ein überdurchschnittlicher Comic, der gewohnt grandios gezeichnet ist und auf seinen beinahe 300 Seiten in umgekehrter Leserichtung bestens unterhält. Bezeichnenderweise hat Sky Hawk mich emotional auch nicht annähernd so berührt, wie einige andere Taniguchi-Mangas. Ein Indiz dafür, dass die Akzente hier anders gesetzt wurden.
Sky Hawk
Shodoku bei Schreiber & Leser, August
2010
Text und Zeichnungen: Jiro Taniguchi
288 Seiten, schwarz-weiß, Softcover, 16,95
Euro
ISBN: 978-3-941239-36-4
Spannender, semi-authentischer Samurai-Western mit Schwächen in der
erzählerischen Struktur
Abbildungen: © Schreiber & Leser















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Rezensionen

Der Western ist im frankobelgischen Raum tief verwurzelt. Setzen die
Amerikaner ihre ureigene Geschichte erstaunlich selten in Comics um,
machen es ihre Kollegen in Frankreich und Belgien umso öfter. Und mit
Erfolg. Wenn sich auf der einen Seite John Wayne als Übervater
präsentiert, ist das Äquivalent zu ihm Leutnant Blueberry (auch wenn er
Jean-Paul Belmondo nachempfunden ist). Sucht Clint Eastwood seinen
Gegenpart, so ist das der Bouncer (mal abgesehen von Yves Swolfs'
Protagonist "Durango" aus der gleichnamigen Comicserie, der nicht nur
äußerlich an Eastwood erinnert, sondern auch dessen Italowesternzeit
repräsentiert). Äußerliche Ähnlichkeiten sind zwar nicht vorhanden,
aber beide schießen dem Gegner auch in den Rücken.
- 11.03.2010
Ein Verkehrsunfall zwischen einem Lieferwagen und einem Motorrad. Beide Fahrer landen schwer verletzt im Krankenhaus. Der Fahrer des Lieferwagens, ein Mann um die 40, stirbt an den Unfallfolgen. Der Motorradfahrer, erst 17 Jahre alt, überlebt. Doch als er aus dem Koma erwacht, stellt sich heraus: Er weiß nicht mehr, wer er ist. Seine Erinnerungen sind die des Unfallgegners.
Aus dem Blätterwald tönen die Stimmen und warnen vor den Gefahren der digitalen Welt. Es heißt, die sozialen Netzwerke seien gar nicht so sozial und hätten es nur auf unsere Daten abgesehen. Während die digital Zugezogenen aus dem Feuilleton erst allmählich damit beginnen, sich über das Internet Gedanken zu machen, ist die Fiktion schon mehrere Schritte weiter. In dem Anime Summer Wars (2009) von Mamoru Hosoda drängt die virtuelle Welt OZ ihre Schwester, die reale Welt, bis an den Abgrund. Carlsen hat die dreibändige Manga-Adaption des japanischen Erfolgsanime auf den deutschen Markt gebracht.
Nach einer Geschäftsreise steigt Hiroshi Nakahara versehentlich in
einen falschen Zug. Dieser bringt den Familienvater zufälligerweise in
seine Geburtsstadt Kurayoshi. Beim Besuch des Grabes seiner Mutter
verliert er das Bewusstsein und wacht schließlich als sein eigenes
14-jähriges Ich wieder auf.
- 04.10.2007
"Schon wieder ein Indianer-Sezessionskrieg-Comic!" könnte man denken,
wenn man an die jüngsten Publikationen aus dem Hause Splitter denkt.
Neben dem Splitter Book Canoe Bay sind zusammen mit dem ersten Band der Serie Bravesland erst
vor kurzem zwei Comics erschienen, die sich mit dem
England-Frankreich-Indianer-Sezessionskrieg in der Kolonialwelt
Nordamerikas auseinandergesetzt haben. Mit Der letzte Mohikaner
liegt nun nicht nur ein weiteres Buch in der Splitter-Books-Reihe vor,
sondern ebenfalls eine weitere Arbeit, die sich diesem historischen
Thema widmet.
- 21.09.2010