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von Benjamin Vogt Donnerstag, 16. September 2010


 Der Mangawestern war ja bislang ein eher unerforschtes Gebiet. Mangaka Jiro Taniguchi, von jeher ein Bewunderer frankobelgischer Westerncomics (z.B Jean Girauds Blueberry), erfüllte sich mit seinem Buch Sky Hawk einen lange gehegten Traum: Er versetzt zwei Samuraikrieger mitten in den Konflikt zwischen Indianern und US-Armee.

Hikosaburo und Manzo, so die Namen der beiden Hauptfiguren, siedelten im Jahr 1869 nach Amerika über. Als Teil einer 40-köpfigen Gruppe sind sie die ersten japanischen Auswanderer. Taniguchis Werk nimmt diesen historischen Fakt als Ausgangspunkt für eine faszinierende Verquickung von japanischer und indianischer Kultur, Kampfkunst und Freundschaft.

Die Begegnung mit Crazy Horse, dem Häuptling der Oglala, lässt die beiden Hauptfiguren schließlich zu Stämmesbrüdern werden, aus Hikosaburo und Manzo werden Sky Hawk und Winds Wolf. Während sie die Lebensweise der Sioux schätzen lernen, lehren sie Bogenschießen und Ju-jitsu. In der Verteidigung der heiligen Black Hills vor den skrupellosen Weißen sind die Japaner gar eine tatkräftige Hilfe.

 Eigentlich ist Sky Hawk sehr durchdacht proportioniert worden. Man merkt, dass es Taniguchi nicht einfach darum ging, zwei Samurai mit Schwertern auf den amerikanischen Westen loszulassen Nein, er pflegt seine Figuren behutsam in den historischen Kontext ein. Das verleiht seiner Geschichte ein Stück weit Komplexität und lässt sie lebensechter erscheinen. Seine Geschichte ist der Widerstand der Sioux gegenüber der vorrückenden US-Armee, der in der Schlacht der Sioux gegen Leutnant George Custers Divison am Little Bighorn gipfelt. Als Randfiguren machen Hikosaburo und Manzo diesen Konflikt für uns Leser erst richtig nahbar. Ihre Perspektive ist allerdings bedauerlicherweise nicht die eines Außenstehenden, spätestens dann nicht mehr, als sie völlig in die Gemeinde der Oglala integriert sind.

Die hervorgehobene Bedeutung der beiden Japaner auf den Verlauf der Zeitgeschichte lässt Sky Hawk nicht immer gänzlich plausibel erscheinen. Zu sehr lässt Taniguchi auch seine persönliche Meinung durchsickern. Seine Figuren reflektieren ihre Erlebnisse dann in vermeintlich tiefgründigen Gesprächen oder referieren in pathetischer Weise über den Schrecken der Indianervertreibung und dass es, wenn es soweit komme, wohl keine Gerechtigkeit mehr gäbe.

Der sonst so kluge und ruhige Erzähler (der er hier größtenteils auch unbestritten ist) verlässt also ein Stück weit seine neutrale Position, was aus meiner subjektiven Sicht den wirklich guten Gesamteindruck trübt. Damit möchte ich das Leid, das den amerikanischen Ureinwohnern zu jener Zeit widerfahren ist, sicherlich nicht relativieren (das Ausbeuten der Goldvorkommen und die Vertragsbrüche der Amerikaner werden im Comic ja recht gut umrissen), aber diese Einteilung in simple Gut-Böse-Kategorien, wie es in Sky Hawk phasenweise betrieben wird, will mir irgendwie nicht behagen. Zumal mal man, völlig ungewohnt für den Autor, auf Missstände quasi mit der Nase gestoßen wird.

 Western und Manga, passt das also wirklich zusammen? Nach der Lektüre diese Bandes muss man schlichtweg trotz aller Kritik mit ja antworten. Sicher, Taniguchis Ausflug in dieses Mixgenre weist hier und da Schwächen auf, dennoch ist dessen Experimentierfreudigkeit zu begrüßen. Keines seiner Bücher war wohl von einer solchen Anzahl expliziter Gewaltszenen geprägt und keines war vermutlich von solch historischer Relevanz.

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Das Ergebnis ist kein herausragender, aber immer noch ein überdurchschnittlicher Comic, der gewohnt grandios gezeichnet ist und auf seinen beinahe 300 Seiten in umgekehrter Leserichtung bestens unterhält. Bezeichnenderweise hat Sky Hawk mich emotional auch nicht annähernd so berührt, wie einige andere Taniguchi-Mangas. Ein Indiz dafür, dass die Akzente hier anders gesetzt wurden.

 

Sky Hawk
Shodoku bei Schreiber & Leser, August 2010
Text und Zeichnungen: Jiro Taniguchi
288 Seiten, schwarz-weiß, Softcover, 16,95 Euro
ISBN: 978-3-941239-36-4

Gut

Spannender, semi-authentischer  Samurai-Western mit Schwächen in der erzählerischen Struktur

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Abbildungen: © Schreiber & Leser




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