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von Andreas Völlinger Sonntag, 21. März 2010
Ein weiterer, viel versprechender Aspekt von Secret Invasion bestand darin, dass es nicht wie so viele andere Comic-Großereignisse völlig abrupt aus dem Ideenhut gezogen, sondern auch in der realen Welt von langer Hand vorbereitet wurde. Über drei Jahre platzierte der notorische Vielschreiber Brian Michael Bendis Hinweise und Verdachtsmomente in den zahlreichen von ihm betreuten Serien, schrieb regelmäßig auftretende Figuren mit dem Wissen, dass es sich bei ihnen bereits um Skrullagenten handelt und bahnte somit der Invasion auch erzähltechnisch den Weg.
Auf dieser Grundlage wurde dann, begleitet von der großen "Who do you trust?"-Kampagne, fleißig Paranoia im Marveluniversum verbreitet und die Spannung gekonnt aufgebaut. Jeder konnte ein außerirdischer Schläferagent sein − von Wolverine bis Tante May. Ebenfalls ein interessanter Ansatz war die Wandlung der Skrulls von den typischen machthungrigen Alieneroberern zu religiösen Fanatikern, die nach Vernichtung ihrer Thronwelt Zuflucht im Glauben suchen und die Erde als in ihren Prophezeiungen verheißene Welt besiedeln wollen.
Der vorliegende Sammelband enthält mit der achtteiligen Miniserie Secret Invasion die komplette Haupthandlung, die man zwar für sich allein lesen kann, jedoch in Sachen Klarheit dazu gewinnt, wenn man auch die eng verknüpften Begleitgeschichten in Die Ruhmreichen Rächer sowie Spider-Man & Die Neuen Rächer kennt.
Ja, der Auftakt ist recht vielversprechend und macht neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Denn eine derart perfide Invasion können die von gegenseitigem Misstrauen gelähmten Helden mal nicht einfach mittels einer großen Massenklopperei in New York stoppen.
Reingefallen! Natürlich können sie.
Allen ausgeklügelten Strategien zum Trotz läuft letztendlich alles darauf hinaus, dass die beeindruckende Superskrull-Armee der Möchtegerninvasoren von den vereinten Helden, zweckverbündeten Schurken und Howard the Duck(!) ordentlich vermöbelt wird. Im New Yorker Central Park. Und als Zugabe wird dann auch noch die Invasionsflotte von den flugfähigen Helden sozusagen per Hand aus dem Erdorbit geprügelt − kein Witz! Um ganz fair zu sein: Die Auflösung beinhaltet neben dem Gewalteinsatz der Metawesenallianz auch noch eine Erfindung, die Mr. Deus-ex-Machina, äh, Mr. Fantastic auf der holprigen Flucht aus seiner Folterhaft im All mal flugs zusammenbastelt. Aber das macht es nun nicht wirklich besser.
Sich als Leser von Superheldencomics generell über Derartiges zu beschweren, wäre natürlich etwas albern. Doch im Fall von Secret Invasion klaffen die als unglaublich clever verkaufte Storyprämisse und die platte Auflösung so weit auseinander, dass man sich zu Recht etwas verarscht fühlen darf.
Wie in manchem anderen Fall hätten die Zeichnungen hier wahrscheinlich einiges herausreißen können. Wenn die Bilder begeistern, verzeiht man ja schon mal eine eher maue Geschichte. Was Leinil Francis Yu hier abliefert, ist mit Sicherheit nicht übel, jedoch nicht genug, um Secret Invasion zu retten. Trotz des gelungenen Panellayouts und einiger schöner Einzelbilder will Yus Arbeit nicht so wirklich überzeugen. Große Heldenversammlungen scheinen einfach nicht seine Stärke zu sein, zu oft geraten die Gesichter zu holzschnittartig und maskenhaft, sind seine Figuren von einer merkwürdig leblosen Qualität und scheinen gar nicht wirklich aufeinander zu reagieren, wenn sie dasselbe Panel bevölkern. Und die ganz- oder doppelseitigen Schlachtenpanels wirken eher uninspiriert überfüllt denn beeindruckend. Man kann hier nur fantasieren, was ein auf derlei Comicszenarien abonnierter Zeichner wie George Perez oder Alan Davis wohl alles aus dem Material herausgeholt hätte. Immerhin hat man Yu mit Mark Morales einen sehr fähigen Inker zur Seite gestellt, dessen klare Linien einiges gutmachen. Auch Laura Martins gedeckte, stimmige Farben sind bis auf ein paar winzige Kolorierungsfehler ein Plus.
Was für den Zeichner von Secret Invasion gilt, gilt auch für den Autor: Es gibt, wie von Bendis gewohnt, ein paar wirklich gelungene Momente und toll geschriebene Szenen für einzelne Figuren. Aber das reicht nicht für eine Geschichte dieser Größenordnung, die so viel mehr Potenzial hat, als genutzt wird. Seine Qualitäten hat Brian Michael Bendis unzählige Male bewiesen, doch es waren immer seine kleinen, charakterisierungsstarken Geschichten, die begeisterten. Hätten er und Yu statt Secret Invasion ihre kreativen Energien für einen schmutzigen Großstadtkrimi oder eine einfühlsame Coming-of-Age-Story genutzt, ich hätte sie wahrscheinlich über den grünen Klee hinaus gelobt. Hier jedoch überwiegt die Enttäuschung.
Secret Invasion
Panini Comics, Januar 2010
Text: Brian Michael Bendis, Zeichnungen: Leinil Francis Yu
Softcover, farbig, 244 Seiten; 19,95 Euro
ISBN: 978-3866079878

Verdammt viel Lärm um fast nichts
Abbildungen aus der US-Version © Marvel Comics
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Wir kennen das alle. Kaum ist man zu Hause, prompt wird in den
Nachrichten gesagt, dass es nun Weltfrieden gibt, jeder in Saus und
Braus lebt und der Hunger in der Welt de facto gegessen ist.
Schließlich wacht man doch auf und merkt, dass man wieder einen
dieser hyperrealistischen "Was wäre, wenn"-Träume hatte, die die Welt
auf den Kopf stellen.
- 28.05.2006
Deadpool, ein Mutant mit ähnlichen Selbstheilungskräften wie Wolverine, tauchte erstmals 1991 im Marvel-Universum auf und turnt seitdem regelmäßig durch diverse Serien, sowohl als Gaststar als auch in eigenen Titeln. Vor allem in den letzten beiden Jahren warf Marvel eine kaum noch überschaubare Zahl von fortlaufenden Serien, Mini- und Nebenserien rund um den "merc with a mouth", den "Söldner mit der großen Klappe" auf den Markt. Aus der großen Menge des verfügbaren Materials hat Panini zunächst ein paar Paperback-Sammelbände auf Deutsch veröffentlicht, nun startet man zusätzlich noch eine Heftserie, die alle zwei Monate erscheinen soll.
Manara und die X-Women - ob das mal gut geht? Panini Comics hat die Zusammenarbeit von Erotikcomicaltmeister Milo Manara und Marvel-Dauerautor Chris Claremont ins Deutsche übertragen. Im angehängten Interview des Hardcoverbandes offenbart der italienische Zeichner, dass er mit Superheldencomics eigentlich nicht viel anfangen kann. Dennoch kann die europäisch-amerikanische Kollaboration im Comicbereich fast schon auf eine Tradition zurückblicken. Man denke nur an Stan Lee und Moebius, die sich in ihrem legendären Silver Surfer (Splitter) vereint haben oder an etwas jüngere Arbeiten wie Ich bin Legion (Cross Cult) von Fabien Nury und John Cassaday.
- 17.10.2010

Das erste Heft hatte mich damals überrascht, denn es war in der Tat besser als alles, was Bendis vorher mit seinen Avengers-Comics gemacht hatte.
Danach kam dann aber gar nichts mehr. Die Handlung stockt ein halbes Jahr lang komplett, der große Kampf im letzten Heft kommt aus dem Nichts, wirkt starr, liederlich und lustlos inszeniert. Das paranoide Unbehagen, welches nicht zu erkennende Invasoren auslösen, die jede beliebige Gestalt annehmen können, wird leichtfertig gegen große, langweilige Kombinationsmonster eingetauscht, die sich plump durch die Gegend kloppen. Die angesprochene religiöse Komponente bleibt in der Handlung völlig außen vor.
Uninspirierter und handwerklich schlechter kann man sowas kaum realisieren - SECRET INVASION war für alle Beteiligten ein Armutszeugnis.