JoomCategories for JoomGallery

JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1453
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Rezis nach Kategorien

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

Oktober 2014 November 2014 Dezember 2014
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden

Partnerlinks





 



 

Home Rezensionen

von Jons Marek Schiemann Sonntag, 03. Februar 2013

Cover Schritte ins Licht 1 Dieser Comic hatte schon in Frankreich eine lange Odyssee hinter sich, bis es zu einer Veröffentlichung kam. In all der Zeit hatte sich Autor und Zeichner Bruno Marchand anderen Serien zugewendet (so etwa Dallas Barr), aber nie die mögliche Veröffentlichung dieses seines liebsten Kindes aus den Augen verloren. Schließlich erschien die Serie und kommt nun bei dem noch neuen All Verlag auf Deutsch heraus. Liegt hier ein verkanntes Meisterwerk vor, welches viele Verleger nicht als solches erkannt haben?

Leider nein. Man kann im Gegenteil sogar recht gut verstehen, warum viele nichts mit dem Band anfangen konnten. Mir ging es nämlich ebenso. Bei fast jedem Panel und jeder Szene macht man sich unwillkürlich Gedanken darüber, wie man es anders hätte lesen wollen und was man daraus hätte machen können. Der Stoff hätte eine wundervolle Spionagegeschichte ergeben können. Oder ein Drama. Oder beides, wenn die Heldin ein Notizbuch ihres verstorbenen Vaters sucht und immer mehr über ihn erfährt.

Die junge Marianne lebt in Paris und hängt so ihren Gedanken über Zyklen und kosmischen Verbindungen nach. An Zufälle glaubt sie nicht, aber durch solch einen Zufall lernt sie Peter Banning, einen alten Kriegskameraden ihres verstorbenen Vaters, kennen. Dieser erzählt ihr von einem Notizbuch, welches ihr Vater geführt und einem anderen Soldaten anvertraut hatte, bevor er in Kriegsgefangenschaft geriet und dann dort starb. Marianne ist es wichtig, das Notizbuch zu erhalten, da ihr Vater als Verräter gilt. Sie hofft, ihn dadurch entweder zu rehabilitieren oder zumindest ihn zu verstehen. Peter Banning erklärt sich bereit, ihr zu helfen. Beide ahnen noch nichts von der breiten Ablehnung des Vorhabens und wohin sie ihre Reise führen wird.

Seite aus Schritte ins Licht 1 In der Aufdeckung von Familiengeheimnissen liegt genügend dramatisches Potential, und im Verbund mit Spionage und Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges hat das durchaus was – erst recht in Verbindung mit Reisen an entfernte und exotische Orte in bester Abenteuermanier. Schritte ins Licht könnte also ein Mix aus Spionage, Abenteuer, Action und Drama sein. Aber leider geht Marchand nicht diesen Weg – als ob er sich krampfhaft jeder Genrearbeit verweigern wollte und so ein Album vorlegt, das nichts ist. Stattdessen ist es sehr geschwätzig und ziemlich esoterisch verbrämt, was man mögen muss, um sich mit diesem Stoff auseinanderzusetzen. Anstatt die Handlung voran zu treiben, werden Überlegungen über das Wesen des Zufalls und Lebenszyklen angestellt. Marchand geht dennoch nicht so weit, Paranormales einzubauen, um einen Mysterythriller zu erschaffen. Zu befürchten ist eher esoterischer Kitsch, wenn es offenbar in späteren Bänden nach Indien und Tibet geht und der dortige Spiritismus in hippiemäßiger Anwandlung eingebaut werden könnte.

ANZEIGE

Der Stoff ist eigentlich gut für eine breit angelegte Story geeignet. Umso erstaunlicher ist es, dass sie hier erstaunlich mager daherkommt. Denn auf der eigentlichen Handlungsebene passiert nicht viel (Marianne fährt durch Paris, lernt Peter kennen, sie unterhalten sich, sie trifft ihre Freundin und ihren Opa, sie unterhalten sich, sich unterhält sich mit Peter, sie fahren nach London, um verschiedene Personen zu treffen, um sich mit ihnen, man ahnt es schon, zu unterhalten), was nur mühselig durch die vielen Dialoge und einen ausufernden Off-Kommentar kaschiert wird. Auch die Nebenhandlungen tragen nicht sonderlich dazu bei, die Geschichte weiter zu bringen. Inhaltlich hat sich Marchand ziemlich verzettelt und seinen Stoff anscheinend nicht im Griff. Graphisch hingegen ist der Band angenehm klassisch und passt zur geschilderten Epoche. Ganz im typischen klassisch-frankobelgischen Stil gehalten, erinnert das sehr an Edgar P. Jacobs (Blake und Mortimer) mit klaren Linien, aber detailliert ausgestalteten Settings. Retten kann das den Band leider nicht, da er den Leser einfach nicht zu packen vermag.

 

Wertung: 3 von 10 Punkten

Graphisch angenehm altmodischer Comic, der sich darin verzettelt, tunlichst keine Genrearbeit, sondern esoterisch verbrämte Entwicklungen abzuliefern.

 

Schritte ins Licht 1 - Die Geometrie des Zufalls
All Verlag, Dezember 2012

Text und Zeichnungen: Bruno Marchand
Übersetzung: Saskia Funke
48 Seiten, farbig, Hardcove
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-926970-18-3
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: All Verlag



Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Der Boxer. Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

    Reinhard Kleist schreibt und zeichnet für Carlsen die Lebensgeschichte eines Holocaust-Überlebenden als Graphic Novel. Ich hoffe, der Mann hat im Brotkorb noch genug Platz für einen weiteren Max-und-Moritz-Preis.

    Basierend auf der von dessen Sohn verfassten Biographie, stellt Kleist das Leben von Hertzko Haft vor, einem polnischen Juden, der Auschwitz überlebte, indem er Boxkämpfe gegen andere Internierte gewann, auf deren Ausgang die Wachen wetteten, und der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die USA emigrierte, sich dort als Preisboxer betätigte und sogar gegen den großen Rocky Marciano antrat.

    - 03.08.2012
  • The Warlord 2 & 3

    In Teil 2 und 3 der chronologischen Gesamtausgabe von Mike Grells The Warlord spinnt der Autor die Abenteuer des US-Airforce-Piloten Travis Morgan weiter, der sich nach einem Manöver in der Arktis im fantastischen Reich Skartaris wieder findet. Als sagenumwobener Warlord schwingt sich Morgan zum ultimativen Freiheitskämpfer der sich im Inneren der Erde befindlichen Welt auf. Sein Antagonist: der despotische Herrscher Deimos.

    - 01.05.2011
  • Quästor 1 - Ménage à Troja

    Mit Quästor startet eine neue frankobelgische Serie, die auf den ersten Blick wie ein weiterer typische Historiencomic aussieht. Denn meist wird darin im historischen Gewand ein Krimi erzählt. Was wenig verwundert, denn Krimis und Thriller sind, im besten Falle, dazu geeignet, ein Psychogramm der Gesellschaft zu entwerfen und viel Lokalkolorit aufzubauen. Im historischen Genre kommen natürlich noch die geschichtlichen Umstände dazu.

    - 04.09.2012
  • Himmel in Trümmern 1 - Über den Wolken

    Nach einem gelungenen Einstand mit dem Zweiteiler Touna Mara legt der noch junge All Verlag nun den Auftaktband seiner zweiten Serie vor. Himmel in Trümmern macht zunächst den Eindruck eines typischen Fliegercomics, wie man ihn etwa von den Klassikern Buck Danny oder Tanguy und Laverdure kennt. Und doch ist diese Reihe in mancherlei Hinsicht anders: Zum einen kommen genrefremde Elemente zum Einsatz, zum anderen sind die Helden am Anfang recht dubios.

    - 24.10.2012
  • War and Dreams
     Treffen sich ein Franzose, ein Brite, ein Amerikaner und ein Deutscher … Was sich anhört wie der Anfang eines billigen Witzes, ist in knapper Zusammenfassung das Konzept von War and Dreams, dem neuen Comic vom Kreativteam Maryse und Jean François Charles, die u.a auch für India Dreams und Die Pioniere der neuen Welt verantwortlich zeichnen. Wobei die Handlung sich korrekterweise vielmehr genau darauf bezieht, dass die vier unterschiedlichen Landsmänner im gehobenen Alter eigentlich gar nicht direkt aufeinandertreffen. - 01.07.2010