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von Benjamin Vogt Montag, 02. Januar 2012

Cover Schnecksnyder 1 Mit Schnecksnyder und Mechaniko bringt der noch junge Independent-Verlag Skydog gleich zwei unterschiedliche Serien parallel an den Start. Die Comics stammen hauptverantwortlich aus der Feder des geborenen Franzosen Yves Ker Ambrun (YKA), der in Sachen Comics kein unbeschriebenes Blatt ist. Nach Stationen in den USA und Kanada zeichnete er in den 90ern als Chefzeichner für Disney in Deutschland verantwortlich. Seit einigen Jahren lebt er nun in Darmstadt und hat nach seiner Disney-Zeit das Skydog-Studio ins Leben gerufen, aus welchem schließlich der gleichnamige Verlag resultiert.

Schnecksnyder ist ein verstörender Stilmix, ein Funnytitel mit realen Winkelzügen, ein Erzählfluss, als würde man eine Donald-Duck-Geschichte in ein Spirou-Setting versetzen, das Ganze vielleicht noch garniert mit einem Schuss Wahnsinn. Man merkt Yves Ker Ambrun seine Herkunft, seine Einflüsse an, auch zeichnerisch. Mit dicken, schwarzen Tuschelinien umrandet, wirken die Personen in diesem Comic wie überdrehte Cartoonfiguren mit oftmals überzeichneter Mimik. Dem gegenüber setzt Ambrun eine Handlung, die aufgrund ihrer eigentümlichen Verschrobenheit und phasenweise beachtlichen Tiefe so gar nicht in das Schema eines Funnytitels passen will:

Seite aus Schnecksnyder 1 Wolfgang Schnecksnyder, ein schnauzbärtiger, nadelstreifenanzugtragender Journalist, leidet unter einer Schreibblockade. Um diese zu lösen und damit die nächste Deadline einhalten zu können, begibt er sich in die Hände des Psychiaters Aloysius Tarr. Doch als er anfängt, Dr.Tarr von seinen Alpträumen zu berichten (es geht um das große Leid und die Ungerechtigkeit in der Welt), zerbricht dieser kurzerhand am verdichtet übermittelten Weltschmerz. Als Tarr unzurechnungsfähig in der Stadt Amok läuft, erklärt sich Schnecksnyder spontan bereit, dessen Platz einzunehmen. Doch die ersten Patienten, darunter die kleine Alice (ein Mädchen mit verblüffender Ähnlichkeit zu Carrolls Alice im Wunderland), machen es dem Schreiberling nicht gerade leicht. Und dann gilt es ja auch noch, Dr. Tarr wieder irgendwie hinzukriegen.

Man fragt sich schon, warum ein Journalist gedenkt, sich therapieren zu können, indem er mal eben selbst zum Therapeuten mutiert. Letztlich spielt das keine Rolle, Wolfgang Schnecksnyder ist Dreh-und Angelpunkt dieses Comics, ein sympathisch-verrückter Allrounder, der unplanmäßig in skurrile Situationen geworfen wird. Dieser Anarcho-Charakter des Erzählens zeigt sich unterdies auch in den beiden ebenfalls in diesem Album enthaltenen Kurzgeschichten, die nicht minder absurd sind.

Cover Mechaniko 1 Ein Stück weit geradliniger ist da schon das zweite Projekt Mechaniko geraten, ein Sci-Fi-Comic, der ebenfalls von Yves Ker Ambrun gezeichnet wurde. Das kann an gleich mehreren Tatsache liegen: Erstens ist hier nicht Ambrun selbst, sondern die Literatin Antonia Pont für die Dialoge zuständig, was keinen qualitativen Unterschied erkennbar macht, aber die Texte etwas erdiger erscheinen lässt.

Zum anderen kommt Mechaniko, anders als Schnecksnyder, mit seiner ersten Ausgabe gerade mal auf 22 Comicseiten; beinahe wie ein klassisches amerikanisches Superheldenheft. Und tatsächlich wirkt die Erzählung um einen fliegenden Roboter, der von einem Wissenschaftler im Kundenauftrag gebaut wurde, wie eine typische Origin-Story mit Cliffhanger am Ende. Mechaniko fühlt sich an wie die Geburtsstunde eines frankobelgischen Iron Man. Im Vergleich zu Marvels Kreationen wird hier allerdings deutlich mehr Gewicht auf Funnyelemente gelegt.

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Wertung: 6 von 10 Punkten

Zwei gefällige Serien, von denen ich in Zukunft noch gerne mehr lesen würde

 

Schnecksnyder 1: Es darf doch nicht wahr sein
Skydog, Juni 2011
Text und Zeichnungen: Yves Ker Ambrun
80 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 13,95 Euro
ISBN-13: 978-3-00-034513-5
Leseprobe

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Mechaniko 1: Mechaniko wird erschaffen
Skydog, Juni 2011
Text: Antonia Pont
Zeichnungen: Yves Ker Ambrun
24 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 6,95 Euro
Leseprobe
--> direkt bestellen bei skydog-comics.de

Abbildungen: © Yves Ker Ambrun


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