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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Jons Marek Schiemann Montag, 31. Oktober 2011
Man erinnere sich: Am Ende des ersten Bandes lagen unsere drei Helden Eustache, Mücke und Zibeline mehr tot als lebendig da. Nun lecken sie ihre Wunden und müssen erkennen, dass alle ihre Aktionen ihnen nichts gebracht haben. Zu Geld sind sie immer noch nicht gekommen und auch der Schatz von Eustaches ehemaligem Boss ist noch nicht gehoben. Doch es kommt schlimmer: Der Baron Harcourd hat überlebt und setzt alle Hebel in Bewegung, die drei zu finden und zu töten.
Eine der größten Stärken des Bandes ist ironischerweise auch eine seiner größten Schwächen. Die schlechte Nachricht zuerst: Die Handlung ist ziemlich entschleunigt und es braucht seine Zeit, bis sich die Protagonisten zu ihren nächsten Schritten entschließen. Dann ist man aber am Ende versöhnt, wenn die Story ein hohes Tempo anschlägt, Dramatik entwickelt und die Figuren noch tiefer ins Elend reißt.
Der Grund für die Entschleunigung sind die Folgen aus dem ersten Band. Wer sich schon immer gefragt hatte, wie es fiktiven Figuren nach ihren Abenteuern geht, der bekommt hier nämlich die Antwort: schlecht. Eustache, Mücke und Zibeline haben nicht nur körperliche Schäden davongetragen, die mit der Zeit, wenn sie diese hätten, verheilen würden, sondern auch psychische. Und so sind sie depressiv, eingeschüchtert, verzweifelt und fragen sich nach dem Sinn ihres Handelns. Mücke erinnert sich an seine Vergangenheit und wir lernen ihn näher kennen. „Herr Mond“ ist nicht nur der Titel des Bandes, sondern auch Mückes ehemaliger Künstlername. Eustache versucht alle im Elan zu halten, gerät damit aber in Konflikt mit Mücke, der Zibeline misstraut und sie nicht in seiner Nähe haben will. Am ärgsten geht es Zibeline. Vergewaltigt, geschunden, fast getötet worden, erträgt sie keine Berührungen mehr und ist vollkommen depressiv. Eustache kann damit nicht umgehen.
Dieser inhaltliche Aspekt ist eine große Stärke und bestimmt die Handlungsweisen der Figuren auch im Folgenden. In dieser Hinsicht ist das Album ein großer Wurf und verleiht der generell schon düsteren Story der Serie noch einen ebensolchen psychologischen Aspekt. Die Helden müssen eine Niederlage nach der anderen hinnehmen. Da wäre das Beleuchten der individuellen Vergangenheit gar nicht unbedingt nötig gewesen, weil es eher ablenkt. Man braucht nur bedingt eine Identifizierung, denn die Schicksalsschläge machen die Figuren auch so zu Sympathieträgern. Insofern ist es sehr erstaunlich, dass der Abgang einer wichtigen Figur recht undramatisch, aber wirkungsvoll, ausfällt. Und das ist vielleicht der größte Kritikpunkt an dem Band. Vielleicht hatten die Macher da Angst vor zu vielen Emotionen.
Die Zeichnungen wurden schon in der Besprechung zum ersten Band gelobt. Und, kaum zu glauben, sie steigern sich noch. Hier lebt die Story viel von der Mimik, und da gelingt es Cecil, sich aller Übertreibungen zu enthalten. Da reicht auch mal eine hochgezogene Augenbraue. Die Steampunkwelt stellt er weiter opulent und in guter Farbgebung dar. Das Spiel mit den Panelrändern suggeriert Erinnerungen und Bewegung. Hier kommen sogar noch zusätzliche Elemente hinzu. Waren im ersten Band Soundwörter vornehmlich durch Risse an den Seiten symbolisiert, setzt Cecil hier direkt stilisierte Schallwellen ein, was sehr geschickt ist und gleichzeitig das Lesen etwas erleichtert.
Wertung: ![]()
Düstere Film-Noir-Story mit sehr guten graphischen Ideen und starker psychologischer Unterfütterung
Schmetterlingsnetzwerk 2 - Herr Mond
Splitter Verlag, Oktober 2011
Text: Eric Corbeyran und Cecil
Zeichnungen: Cecil
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-287-7
Leseprobe
Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Rezensionen


Es ist nur folgerichtig, dass der Verlag Schreiber & Leser im Zuge des übergreifenden Trends zu Comic-Gesamtausgaben, versucht sich sein Stück vom Kuchen zu sichern. Dafür schickt er die größeren Zugpferde seines Programms nach und nach ins Rennen. Im Anschluss an den Start der Komplettausgabe von Largo Winch wird mit Benoit Sokals Canardo gleich der nächste Klassiker auf den Markt losgelassen.
Aremorica, Druiden, keltische Götter: So gut wie jeder Comic-Leser
kennt diese Stichwörter und denkt natürlich an Asterix, das gallische
Dorf und den dort ansässigen Druiden und Zaubertrankbrauer Miraculix.
Das man das Setting auch für einen eher ernsthaften Comic verwenden
kann, zeigen die Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel und
Zeichner Jacques Lamontagne mit ihrer Serie Die Druiden. Die auf
insgesamt sechs Alben angelegte Reihe spielt am Ende des 5.
Jahrhunderts, also knapp 500 Jahre später als Asterix. Längst hat sich
das Christentum ausgebreitet und drängt den alten keltischen Glauben
zurück.
- 26.01.2009
Ein unter mysteriösen Umständen geborenes Waisenkind, das im Schoß eines Jägerclans aufwächst und als Jugendlicher unheimliche Kräfte entwickelt. Dazu zwei Parteien, die jene Kräfte für ihre eigennützigen Zwecke verwenden wollen. Das klingt nicht gerade neu und könnte Stoff für eine generische 08/15-Fantasygeschichte sein, wie es sie seit Jahrzehnten zuhauf gibt. Dass "Blutsteine" und "Wo Sich die Wege Kreuzen", die ersten beiden Bände der Comic-Trilogie Kind des Blitzes, dennoch frisch daherkommen, liegt an der äußerst gelungenen Umsetzung des Themas.
Gewichtsverlust trotz opulenter Speisen? Aus dem Nichts auftauchende
Steine, deren Gewicht (6793 Gramm) eine Primzahl ergeben? Sand, der sich
in der Wohnung anhäuft und niemand weiß, warum? Das sind die mysteriösen
Zutaten in Die Sandkorntheorie. Das Album gehört dem Zyklus Die
Geheimnisvollen Städte an und setzt sich deshalb in
utopisch-phantastischer Weise mit der Mode- und Kunstgeschichte genauso
auseinander wie mit architektonischen, stadtgeographischen und
technischen Themen. Die Altmeister des frankobelgischen Comics François
Schuiten (Zeichnungen) und Benoît Peeters (Text) sind auf diesem Gebiet
also bereits ein eingespieltes Team. Ihre neueste Arbeit kann aber auch
unabhängig von den bisherigen Werken oder als Einstieg gelesen werden,
da kein Vorwissen nötig ist.
- 04.05.2010
Auf dem Frontcover der Rücken eines Mannes, auf dem ein weinender Jesus am Kreuz martialisch eingeritzt wurde, auf dem Backcover eine kleine Skizze, die einen Priester zeigt, der einem gebückten Kind sein Glied entgegenstreckt. Keine Frage, das neueste Comicalbum von Matthias Schultheiss ist nichts für zarte Gemüter. Einige Menschen würden es gar als geschmacklos bezeichnen, denn was der deutsche Ausnahmekünstler hier vorlegt, geht weit über sanfte Kirchenkritik hinaus. Schultheiss zündet nichts weniger ein blasphemisches Feuerwerk.