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(Vortrag/Diskussion)
von Marco Behringer Donnerstag, 02. September 2010
Wer die Kurzgeschichte noch nicht kennt: Ein Dachs und eine Füchsin wetten, wem von beiden es gelingt, einen jungen Mönch, der alleine einen unbedeutenden kleinen Tempel bewacht, aus seinem Domizil zu vertreiben. Beide scheitern. Die Füchsin verliebt sich jedoch während ihres Versuchs in den frommen, furchtlosen und weisen Mönch. Als sie im Wald drei Geister belauscht, die im Auftrag des sehr reichen und mächtigen Onmyojis den Mönch töten sollen, damit jener angstvolle Mann den Mut des Gläubigen in sich aufnehmen kann, opfert sie dem Herrn der Träume ihren wertvollsten Schatz, damit ihr geliebter Mönch doch noch gerettet werden kann. Allerdings wird sie dadurch selbst langsam sterben, weshalb der Mönch seinerseits Morpheus aufsucht, um dessen Rat einzuholen.
Russel gelingt es gut, die Kurzgeschichte Gaimans in die Comicsprache zu adaptieren. Es ist ja durchaus schwer, die textlastige Geschichte in Sprechblasen und Panels unterzubringen. Ungewöhnlich für einen Comic dominiert dementsprechend auch der Erzähl- gegenüber dem Sprechblasentext, was insgesamt zu einem ruhigen Erzähltempo führt. Das passt an sich gut zu einem derartigen Märchen, ist aber auch gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache. Bei der Vorlage war hingegen von vornherein klar, dass es sich um eine illustrierte Kurzgeschichte handelt und deshalb viel Text auf den Leser zukommen wird.
Auf der anderen Seite löst Russel das Problem wieder recht gut, indem er stellenweise längere stumme Panelsequenzen einsetzt, um die Textmasse der Kurzgeschichte anschaulich und in kürzerer Zeit abzuarbeiten - womit wir beim grafischen Teil von "Die Traumjäger" angekommen wären. Seinen eigenen Angaben zufolge, die man im Nachwort nachlesen kann, handelt es sich bei seinem Zeichenstil in dieser Arbeit um eine Mischung aus drei verschiedenen Haupteinflüssen. Erstens erinnert sein Strich an asiatische Kunst, insbesondere an die japanischen Holzschnitte. Außerdem orientiert sich Russel an der Art Nouveau und hier vor allem am grafischen Werk von Alphonse Mucha. Schließlich macht sich auch bei den kräftigen Linien der Eindruck aus seiner Kindheit der frühen Disney-Werke bemerkbar. Durch die flächigen und hellen Farben von Lovern Kindzierski entsteht auf diese Weise eine Gesamtästhetik, die tatsächlich stark an japanische Holzschnitte des 17. bis 19. Jahrhunderts erinnert.
Inwiefern diese Comicadaption sinnvoll oder notwendig gewesen ist, sei mal dahingestellt - vielleicht sollen dadurch ja neue Leser gewonnen werden? Insgesamt kann meines Erachtens Russels Comicversion nicht mit der kunstvolleren und grafisch ernsthafter wirkenden Vorlage mithalten. Der Disney-Einfluss macht sich in den Zeichnungen negativ bemerkbar. Die Figuren werden stückweit ins Lächerliche gezogen, ohne dass die ernsthafte Geschichte daran angepasst wird, wodurch eine Abweichung von Text und Bild entsteht. Vielleicht spricht das ja eine jüngere Leserschaft an, die wiederum mit den abstrakteren Illustrationen Amanos weniger anfangen konnten. Erwähnenswert ist jedenfalls noch der reich ausgestattete Anhang: Neben einem Nachwort von jeweils Gaiman, Russel und Karen Berger (Chefredakteurin Vertigo) ist darin auch eine Covergalerie verschiedener namhafter Comickünstler wie Mike Mignola oder Joe Kubert sowie Skizzen von Russel enthalten. Außerdem muss das kunstvolle, mit Blattgold (?) gestaltete Cover von Yuko Shimizu erwähnt werden.
Sandman - Die Traumjäger
Panini Comics, April 2010
Text: Neil Gaiman
Zeichnungen und Szenario: P. Craig Russell
Softcover mit Faltcover, 148 Seiten, farbig; 16, 95 Euro
ISBN: 4191802416956
Gute Adaption mit befriedigenden Zeichnungen
Abbildungen © P. Craig Russell, der dt. Ausgabe Panini Comics















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