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von Thomas Kögel Donnerstag, 05. Juni 2008

 Zumindest in Deutschland sind Sam & Max vor allem als Videospiel-Charaktere bekannt. Das LucasArts-Adventure mit den beiden Irrsinns-Detektiven aus dem Jahr 1993 war auch bei uns ein Erfolg. Weniger bekannt ist dagegen, dass Sam & Max das Licht der Welt als Comicfiguren erblickten. Ihr Schöpfer Steve Purcell veröffentlichte 1987 die erste Geschichte mit den beiden und blieb ihnen bis heute in verschiedenen Medien treu. Zum 20jährigen Jubiläum erschien (leicht verspätet) eine Neuauflage des lange vergriffenen Sammelbands mit den vollständigen Comic-Abenteuern.

Sam und Max sind zwei ganz besondere Kerle: Der eine ist ein riesenhafter Hund, der Trenchcoat und Schlapphut trägt, der andere ein unbekleideter weißer Hase mit einer Neigung zum exzessiven Einsatz von Gewalt. Gemeinsam sind sie die "Freelance Police", arbeiten also als Privatdetektive. Welche Verbrecher sie dabei stellen und auf welche Weise, ist im Grunde komplett irrelevant, denn Sam & Max ist pure Comedy. Autor und Zeichner Steve Purcell legt den Ehrgeiz an den Tag, die höchstmögliche Gagdichte zu erzielen, und meistens gelingt ihm das auch. Kaum ein Panel, das mal ohne einen oder mehrere Gags auskommt, sei es in Form von albernen Sprüchen, irrsinnigen Aktionen oder kleinen Nebendetails im Hintergrund.

 Purcell beherrscht die verschiedensten Formate, vom kurzen One-Pager bis zu kleinen Epen von 30 und mehr Seiten. Äußerst gelungen sind auch die wunderbar albernen "Activity Pages", in der Sam und Max nach dem Vorbild von Mitmach-Kinder-Zeitschriften a la Bussi Bär zum Basteln oder Raten auffordern. Der Humor von Sam & Max ist surreal, sehr albern, oft ziemlich schwarz, nicht immer jugendfrei und lässt sich mit "überdreht" wohl am besten beschreiben. Ruhige Momente werden dem Leser niemals gegönnt, ständig geht es Schlag auf Schlag (und "Schlag" darf gelegentlich auch wörtlich genommen werden). Ob auf den Philippinen oder auf dem Mond, Sam und Max bekämpfen das Verbrechen wirklich überall - egal, ob es sich um singende Piraten oder überdimensionale Küchenschaben handelt.

Purcell versprüht seinen Witz sowohl auf der visuellen als auch auf der verbalen Ebene, wobei letztere am meisten Spaß macht. Die trockenen Dialoge, besonders der ständige verbale Schlagabtausch zwischen den beiden Hauptfiguren, sind pures Comedy-Gold. Zeichnerisch merkt man deutllich, dass Purcell viel in der Animation arbeitet. Der sehr eingängige, cartoonhafte Stil passt perfekt zum Inhalt. Manchmal tendiert der Zeichner dazu, seine Panels mit Details zu überfrachten: Hier in der Ecke ist noch Platz für zwei boxende Ratten, dort an der Wand hat noch eine Dartscheibe Platz, da hinten könnte noch ein Paar Socken herumliegen ... Weniger wäre da manchmal mehr gewesen.

 So herrlich die durchgeknallten Abenteuer von Sam und Max auch sind, man sollte sie sich lieber in kleinen Dosen verabreichen: Am Stück gelesen stellt sich doch recht bald ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Trotzdem ist es schön, alle Geschichten in einem schön aufgemachten Band gesammelt zu sehen, zumal in dieser Form auch die zahlreich verwendeten Running Gags, die sich durch die Serie ziehen, gut zur Geltung kommen.

Ob der Wortwitz von Sam & Max in einer deutschen Übersetzung genauso gut funktionieren würde wie im Original, darf bezweifelt werden. Eine deutsche Edition ist bislang auch nicht in Sicht, daher sei die (sehr schön aufgemachte) US-Ausgabe hiermit wärmstens empfohlen. Herausgegeben wurde sie übrigens von Telltale Games, einem Hersteller von Computerspielen, die neben Fortsetzungen der Sam & Max-Spiele auch ein Computerspiel zu Jeff Smiths Comicserie Bone entwickelt hat.


Sam & Max: Surfin' the Highway. Anniversary Edition
Telltale Games
, März 2008
Text und Zeichnungen: Steve Purcell
broschiertes Softcover; sw & farbig; 197Seiten; 19,99 US-Dollar
ISBN: 978-0979257629
auch als limitiertes Hardcover; 49.99 US-Dollar

Online bestellbar direkt bei telltalegames.com oder bei bluetoons.de

Großartig, bösartig, ein Riesenspaß!


Abbildungen: © Steve Purcell/Telltale Games


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