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(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Sonntag, 18. April 2010
Gesamtausgaben von Comicklassikern haben derzeit ja Hochkonjunktur. Auch
Cross Cult nutzt die Gelegenheit und fördert mit Roland, Ritter Ungestüm eine
lang verschollene Comicreihe zu Tage. Dass die Serie des belgischen Künstlers François
Craenhals in guten Händen liegt, beweisen frühere Publikationen älterer Stoffe,
die Cross Cult bereits in adäquater Weise berarbeitete und komplett
veröffentlichte: Andrax, Torpedo, Thomas der Trommler oder Hombre; nun folgt
also Craenhals' Ritterserie, die er 1966 unter dem Originaltitel Chevalier Ardent entwickelte und damals gerade beim
jugendlichen Zielpublikum sehr gut ankam.
Zwischen 1975 und 1989 erschien die Serie erstmalig auch in Deutschland (zuerst bei Carlsen, später im Feest Verlag). Cross Cult druckt die Abenteuer von Ritter Roland in chronologischer Reihenfolge ab und versammelt im ersten Band der Gesamtausgabe die ersten drei Originalalben.
Roland ist ein ungestümer junger Mann, ein Heißsporn, der als einfacher Knappe bereits in der ersten Geschichte den berüchtigten Schwarzen Prinzen herausfordert. Bereits sehr schnell bemerkt man als Leser die Entwicklung der Titelfigur: Craenhals' Held ist zu Beginn ein ungeschliffener Diamant, ein Talent zwar, aber noch weit entfernt von dem erfahrenen und respektierten Ritter, der er gerne wäre. Von seiner Ambition getrieben erhält er jedoch schneller als erwartet eine Chance sich hochzuarbeiten und erledigt sodann bereits in der zweiten Geschichte „Die Wölfe von Rotteck“ einen Auftrag von König Arthus.
Craenhals' Stories sind trotz ihres Alters überhaupt nicht verstaubt,
sondern strotzen geradezu vor erzählerischer Frische. Kampfszenen werden spannend
und breitflächig umgesetzt, die
Zeichnungen erscheinen sehr detailliert und auch die Dialoge wirken auch aus
heutiger Sicht nicht hölzern, was vielleicht auch in der Jugendlichkeit Rolands
begründet liegt. Die Serie ist als realistische Ritterserie konzipiert, aber
verhält sich an vielen Stellen überraschend trickreich und überhaupt nicht
starr. Dadurch lässt Roland, Ritter Ungestüm jene Schwere vermissen, die historische Stoffe
oftmals für den Leser zäh gestalten. Die Handlung folgt dem Hauptprotagonisten,
der, um vermeintlich stärkere oder mächtigere Gegner auszuschalten, immer
gerade dann einen Plan aus der Tasche zieht, wenn man es am wenigsten erwarten
würde. Das ist von Craenhals phasenweise grandios geschrieben, vor allem weil
die Geschichten ihren hohen Spaßfaktor trotz Realismus aufrechterhalten können.
Spaß zeichnet auch Roland in seinem Tun aus, und das transportiert sich auch
auf den Betrachter.
Roland ist als Draufgänger prädestiniert dafür, dass man sich als junger Leser mit ihm identifizieren kann. Schließlich ist er nicht der einzige, der von Äteren unterschätzt oder belächelt wird. Und mit den Avancen, die er gegenüber Arthus' Tochter Gwendoline im Geheimen offenbart, stößt ein weiteres Motiv seines Rowdytums hinzu: Er möchte schlichtweg dem weiblichen Geschlecht imponieren.
Redaktionell ergänzt wird der umfangreiche Hardcoverband mit einem 8-seitigen Anhangstext, in dem die Entstehung des Comics sowie die ersten drei Alben inhaltlich nochmals aufbereitet werden. Ein weiterer Grund also, dieses tolle Buch mal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Roland, Ritter Ungestüm 1
Cross Cult, März 2010
Text/Zeichnungen: François Craenhals
180 Seiten, farbig, Hardcover; 29,80 Euro
ISBN: 978-3-941248-71-7

Ein wunderbar
aufgemachter erster Band, der 180 Seiten Unterhaltung auf hohem Niveau
verspricht.
Abbildungen: © Cross Cult















Neue Veranstaltung einsenden



Der Berliner Verlag Reprodukt überrascht mal wieder und nimmt mit der
jetzt gestarteten Mumins-Gesamtausgabe einen wirklichen Klassiker in sein
Programm auf. Ursprünglich wurden der Troll Mumin und seine Freunde von ihrer
Schöpferin, der finnisch-schwedischen Künstlerin Tove Jansson, als
Kinderbuchfiguren erschaffen. Deren Popularität führte aber auch zu einer Serie von
Comicstrips, die ab 1954 in der englischen Zeitung "The Evening News"
erschienen. Die kompletten Strips aus den 50ern legt Reprodukt jetzt
erstmals komplett in hochwertigen HC-Alben auf.
Seit Erscheinen des ersten
Storybogens, „Die Weltuntergangs-Suite“ dürfte feststehen: Wenn man nur einen
einzigen unverzichtbaren Superheldencomic benennen müsste, dann wäre es The
Umbrella Academy. Nicht umsonst wurde die noch junge Serie nicht nur in den
USA, sondern auch hierzulande mit Lob geradezu überhäuft.
- 07.10.2010
Die Piraten sind in Paris eingefallen! Ein Dreimaster gleitet zwischen
den Fassaden des Faubourg Saint-Germain. An Bord und sogar in einer
Spelunke entfesselt Kapitän Scharlach Blitze und heftige Regenschauer.
Alles scheint, als wäre eine von Autor Marcel Schwobs Romanfiguren zum Leben
erweckt worden! Und zwar von Autor David B. und Zeichner
Emmanuel Guibert. Schwob war einer der großen Gelehrten seiner
Zeit. Aber nun wird dieser Marcel Schwob zur Hauptfigur in Kapitän Scharlach.
- 11.06.2010
Die Behörde mit dem komischen Namen ist wieder zurück. Wer es noch nicht weiß: B.U.A.P. steht für: Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen. Der Hauptsitz der Organisation wider die bösen Mächte liegt in Colorado, das prominenteste Mitglied ist Hellboy. Der ist jedoch inzwischen ausgestiegen und untergetaucht. Er geht seine eigenen Wege. Zuletzt wurde er mit der Hexe Babajaga in der Zwischenwelt gesehen. Ohne ihn bleiben zum Böse-Monster-Verkloppen: der Fischmensch Abe Sapien, die Feuerteufelin Liz Sherman, der Untote Captain Daimo, Dr. Kate Corrigan und die Ektoplasma-Projektion Johann Kraus. Früher gab es noch den Homunkulus Roger, aber der ist mittlerweile passé, ausgeschieden ins Totenreich, wenn es denn solch einen Ort für künstliche Lebensformen überhaupt gibt.
- 20.12.2008
Da haben wir einen Comic, der überzogene Gewaltdarstellungen mit unmöglichen Mördertitten kreuzt, in dem ein riesiger Scheißhaufen prominent in Szene gesetzt wird, Figuren "Hundeficker" genannt und Gesichter verspeist werden. Und die deutschen Medien überhäufen dieses Machwerk mit Lob.