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(Messe/Festival) - Berlin: Graphic Novel – ein politischer Resonanzraum
03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Jons Marek Schiemann Sonntag, 12. Juni 2011
Im neuen Fall gerät der Polizist Pierre Dragon durch einen Tipp auf die Spur von thailändischen Schleusern, die Illegale nach Frankreich bringen, um diese als billige Lohnsklaven auszunutzen oder zur Prostitution zu zwingen. Nach dem anfänglichen Tipp sammeln Pierre und sein Kollege Cyril erste Informationen. Als ihnen klar wird, dass etwas an der Sache dran ist, wird die Ermittlung offiziell und die Überwachung der Bande beginnt. Im Laufe der Zeit kommt Pierre einer Ermittlungsrichterin näher, was so seine Probleme mit sich bringt. Aber irgendetwas stimmt nicht mit dem Kollegen und Freund Cyril. Drohen die Ermittlungen zu scheitern?
Der Fall ist fiktional, die Methoden nicht. Dass der Autor denselben Namen wie der Protagonist hat, ist natürlich nicht zufällig. Pierre Dragon ist (unter einem anderen Namen) tatsächlich Polizist in der RG und nutzt sein Wissen, um zusammen mit dem preisgekrönten Frederik Peeters (Blaue Pillen) eine Krimiserie zu schreiben (hier unsere Rezension des ersten Bandes). Die Geschichten basieren auf realen Fällen und Personen, auch wenn die erzählte Handlung und die auftretenden Figuren fiktional sind. Dass alles kombiniert ergibt eine sehr realistische, wenngleich nicht unbedingt spektakuläre Handschrift. Es gibt kaum Action, keine großen Schießereien. Die Graphic Novel entzieht sich allem Größer, Schneller, Spektakulärer und holt den Krimi auf den Boden der Realität zurück.
Und es hat seinen Reiz, die Polizeiarbeit quasi aus erster Hand mitzuerleben. Man sieht die enervierend langen Observationen, den Papierkram, die Rivalitäten und den aufreibenden Kampf gegen das Verbrechen, welcher auch Psyche und Privatleben der Ermittler zerstört. Zudem führt die Realitätsnähe auch dazu, über sein eigenes Verhalten nachzudenken, denn es geht hier um billige Textilien und wozu der Konsumrausch mit „Geiz ist Geil“ und Markenwahn führen kann.
Auffällig ist, wie nah Peeters' Zeichnungen an die Gesichter der Figuren herangehen. Das vermittelt dem Leser eine unmittelbare Nähe, als ob er direkt neben den Polizisten im Auto sitzen würde. Die optische Nähe schafft geschickt eine psychische und sorgt dafür, dass man in die Handlung gesogen wird. Viele Perspektivwechsel und „Schnitte“ sorgen für große Dynamik. Auch die Farben schaffen eine hervorragende Stimmung, insbesondere bei der Liebesszene, die fast nur in Rot getaucht ist. Auch hier gibt es nur Ausschnitte von Körpern zu sehen, es entsteht der Eindruck, direkt mit den Figuren im Bett zu liegen.
Wer meint, eine realistische Serie sei nicht spektakulär genug, täuscht sich. Nur wenige Krimis sind intensiver erzählt und vermögen den Leser ähnlich zu fesseln. Mit Frederik Peeters, dessen erstaunliche Graphic Novel Blaue Pillen schon mit ungeheurer Intimität zu beeindrucken wusste, ist hier ist wirklich ein Meister am Werke.
Wertung:
Ein unspektakulärer, aber realistischer Krimi, der mit seiner intensiven Intimität völlig überzeugt.
RG – Verdeckter Einsatz in Paris 2: Bangkog - Belleville
Carlsen Verlag, Februar 2011
Text: Pierre Dragon / Frederik Peeters
Zeichnungen: Frederik Peeters
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 16,90 Euro
ISBN: 978-3-551-77809-3
Euro: 16,90
Abbildungen (aus der frz. Ausgabe): © Gallimard















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Rezensionen




Ich muss gestehen, dass mir der Name Andreas Dierßen bislang nicht geläufig war. Dabei zählt dieser zu den "alten Hasen" der deutschen Comiclandschaft. Vor allem in den Neunziger Jahren war er aktiv, unter anderem mit Projekten bei Ehapa, Carlsen, fürs Schwermetall und bei Zwerchfell. Für den japanischen Verlag Kodansha schuf er unter anderem die Krimireihe Kunz, von der auch ein Band bei Carlsen vorliegt. Nach einigen Jahren Pause meldete er sich 2011 mit Die besten Zeiten zurück.
Auf einer
Podiumsdiskussion vor einigen Wochen im Münchener Literaturhaus wurde zum x-ten
Mal über das Für und Wider des Prädikats „Graphic Novel“ und seiner Stellung
auf dem Buchmarkt gesprochen. Ein nicht uninteressanter Vorschlag kam dabei von
Armin Abmeier, dem Herausgeber von Die
Tollen Hefte:
Man könnte doch anspruchsvolle Comics wie Romane behandeln und sie in die
jeweilige Genre-Kategorie in der Buchhandlung einordnen, um so Vorurteile gegenüber dem Comic zu überbrücken. Ein Comic mit dem Aufkleber „Graphic Novel“, der diesen
Weg hier exemplarisch gehen soll, ist Sascha Hommers neuer Comic Vier Augen aus dem Hause Reprodukt.
- 05.01.2010
In der Comicadaption der Geschichte der Cosa Nostra Amerikas der
Zwanziger und Dreißiger Jahre wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. 1931:
Lucky Luciano hat es geschafft. Er ist jetzt einer der mächtigsten
Männer New Yorks. Nicht nur hat er seine Konkurrenten ausgeschaltet, er
ist auch in der Riege der Bosse respektiert. Seine Ratschläge, um
anderen aus Problemen herauszuhelfen und somit Verbündete zu gewinnen,
sind dort durchwegs willkommen. Nach der Ermordung eines
einflussreichen Konkurrenten ist er in die hohen Ränge der Cosa Nostra
aufgestiegen und beginnt seinen Einflussbereich auszudehnen. Das
verschafft ihm allerdings mit dem Boss der Bosse, Maranzano, einen
gefährlichen Gegner.
- 16.02.2010
Im Jahr 2002 veröffentlichte Neil Gaiman seinen Roman Coraline,
der als gruseliges Märchen für Jugendliche konzipiert war. Kürzlich war
die Filmadaption dieser Geschichte in den Kinos zu sehen. Noch während
dieser Film entstand, arbeitete Comiczeichner P. Craig Russell an einer
Comicversion von Coraline. Sie erschien 2008 in den USA und
inzwischen auch auf Deutsch. Vergleicht man die beiden Adaptionen, sind
zwei – vor allem visuell – völlig unterschiedliche Geschichten
entstanden.
- 11.10.2009
Salleck Publications veröffentlicht die Gesamtausgabe der klassischen Spirit-Geschichten; allerdings nicht chronologisch, sondern abwechselnd immer ein Band von Will Eisner, dann ein Band eines Zeichners, der Eisner vertreten hat, während dieser im Kriegsdienst war.