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(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 12. Januar 2012
Ein über 200 Seiten starkes Werk über Ballett stellt man sich im ersten Moment nicht unbedingt spannend vor. Zumindest geht es mir so, der mit der Thematik so rein gar nichts verbindet. Auf den zweiten Blick mag einem der Name des verantwortlichen Künstlers, Bastien Vivès, einen Hinweis darauf geben, dem Comic doch eine Chance zu geben.
Bastien Vivès hat für seine bereits auf deutsch vorliegenden Bände Der Geschmack von Chlor, In meinen Augen und Für das Imperium (alle Reprodukt) viel Lob geerntet und wurde vielerorts zu Recht als vielseitiges Riesentalent beschrieben. Mit Polina widmet er sich erneut einem ungewöhnlichen Sujet. Der Franzose beweist damit abermals eine grafische wie inhaltliche Wandelbarkeit und untermauert den Verdacht, dass man von seinen Werken, unabhängig von der Themenauswahl, einfach nicht enttäuscht werden kann.
Polina erzählt die (fiktive) Lebensgeschichte von Polina Ulinow, die als Kind in eine renommierte Tanzschule aufgenommen wird. Dort wird sie als großes Talent vom strengen Lehrer Nikita Bojinski persönlich in klassischem Ballett unterrichtet und sogar für ein eigens von ihm geschriebenes Stück ausgewählt. Doch Polina, die langsam zur jungen Frau heranwächst, leidet unter dem großen Druck. Ihr Weg führt sie schließlich ans Theater, wo Frau Litowski, die das moderne Ballett vermittelt, sie alles vergessen lassen will, was Bojinski sie gelehrt hat. Abermals bricht Polina aus und wird letztlich in Berlin zur Berühmtheit. Doch die Gedanken an ihren frühen Förderer Bojinski hat sie sich über die ganze Zeit hinweg bewahrt.
Bastien Vivès betreibt in seiner Charakterstudie keinen großen grafischen Aufwand: Vor oftmals leeren beigen Hintergründen tanzen, kommunizieren, leben die Figuren, wunderbar eingefangen in einem zerbrechlichen Ensemble aus schwarz und weiß, die Striche mal krakelig, mal filigran, die Gesichter mal ausdrucklos, im nächsten Moment höchst emotional.
Wie in seinen anderen Werken fängt Bastien Vivès die Leser ein und lässt sie bis zur letzten Seite nicht mehr los. Im Zentrum steht zwar das Verhältnis Lehrer-Schüler, ein Kernelement, das sich durch den gesamten Comic zieht, doch gelingt dem Franzosen diese Inszenierung dermaßen unaufdringlich und glaubhaft, dass man tatsächlich glaubt, eine reale Geschichte vor sich liegen zu haben.
Wertung: ![]()
Großartiger Comic über die Karriere einer großen Ballerina
Polina
Reprodukt, Dezember 2011
Text und Zeichnungen: Bastien Vives
208 Seiten, zweifarbig, Softcover
Preis: 24 Euro
ISBN: 978-3-941099-91-3
Leseprobe
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt















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Rezensionen




Der Name Rich Koslowski dürfte in Deutschland weitgehend unbekannt
sein, dabei ist er in den USA seit Jahren eine feste, wenn auch nicht
besonders prominente Größe als Animator, Comiczeichner und -autor. Neben
Arbeiten für Archie Comics, Marvel und der selbst erschaffenen Comedyserie
Three Geeks, für die er 2003 den Ignatz-Preis erhielt, kreierte Koslowski auch mehrere Graphic Novels - eine davon
gibt es jetzt auch auf Deutsch.
- 12.09.2008
Auf einer
Podiumsdiskussion vor einigen Wochen im Münchener Literaturhaus wurde zum x-ten
Mal über das Für und Wider des Prädikats „Graphic Novel“ und seiner Stellung
auf dem Buchmarkt gesprochen. Ein nicht uninteressanter Vorschlag kam dabei von
Armin Abmeier, dem Herausgeber von Die
Tollen Hefte:
Man könnte doch anspruchsvolle Comics wie Romane behandeln und sie in die
jeweilige Genre-Kategorie in der Buchhandlung einordnen, um so Vorurteile gegenüber dem Comic zu überbrücken. Ein Comic mit dem Aufkleber „Graphic Novel“, der diesen
Weg hier exemplarisch gehen soll, ist Sascha Hommers neuer Comic Vier Augen aus dem Hause Reprodukt.
- 05.01.2010
Woche für Woche fährt ein kauziger älterer Seemann mit einem kleinen Boot raus aufs Meer, stellt zwei Kisten vor dem Felsen eines anonymen Leuchtturms ab und fährt wieder zurück. Der Grund dafür liegt in einem Versprechen begründet, das der Seemann vor langer Zeit den ehemaligen Wärtern des Leuchtturms gab: Nach deren Tod solle er für die Versorgung ihres Sohnes sorgen, der seitdem allein dort lebt.
26 Jahre ist der Franzose Bastien Vivès erst alt, hat aber bereits
etliche eigene Comics veröffentlicht. Einer davon, Le Goût du chlore,
bekam 2009 beim Festival von Angoulême den Prix Révélation als bestes
Werk eines Nachwuchskünstlers. Bei Reprodukt erscheint mit diesem Buch
nun erstmals ein Comic von Vivès auf Deutsch. Sehr viel
Übersetzungsarbeit musste der Verlag hier nicht investieren, denn mit
Dialogen hält sich der Künstler sehr zurück.
- 09.09.2010
Der erste Band von Jason Lutes' Berlin-Saga erschien im September 2003 in Deutschland. Ganze fünf Jahre vergingen, bis nun endlich der Folgeband vorliegt. Weil Zeichner und Autor Lutes nicht allein von der Produktion seiner Berlin-Comics leben kann, ist das Veröffentlichungstempo sehr gemächlich. In den USA erscheint jedes Kapitel als einzelnes Heft, der Carlsen Verlag wartete dagegen ab, bis er einen Sammelband veröffentlichen konnte. Das Warten hat sich gelohnt.
- 01.01.2009