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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Thomas Kögel Freitag, 16. September 2005
"Persepolis" ist eine Autobiographie: Marjane Satrapi erzählt von ihrem Leben, ihrer Kindheit und ihrem Erwachsenwerden. Und doch ist "Persepolis" viel mehr als das.Denn Marjane Satrapi stammt aus einem Land, das die meisten von uns nur aus den TV-Nachrichten kennen: dem Iran. Satrapi, die heute in Frankreich lebt, war irgendwann genervt von der Tatsache, dass die meisten Europäer den Iran einseitig als islamischen Gottesstaat und seine Bewohner entweder als unterdrücktes Volk oder als potenzielle Terroristen verstehen. Also beschloss sie, ihre Geschichte, und damit auch die ihres Landes, zu erzählen.
Im ersten Band von "Persepolis" erleben wir Marjanes Kindheit. Sie ist 10 Jahre alt, als der Schah gestürzt und die Islamische Revolution ausgerufen wird. Aus der Perspektive ihrer Familie erfahren wir, was dieser Umsturz für die einzelnen Menschen bedeutet hat. Es entsteht ein System der Unterdrückung, unter dem besonders Frauen zu leiden haben. Marjanes liberale Eltern schicken ihre Tochter im Alter von 14 Jahren nach Wien, wo sie ein freieres Leben führen soll.
Der zweite Band, "Jugendjahre", handelt zunächst von Marjanes Zeit in Wien - alles andere als eine unbeschwerte Jugend. Hier lässt sich sehr gut nachvollziehen, was es heißt, fremd zu sein und nicht dazuzugehören. Doch auch als Marjane nach ein paar Jahren zu ihrer Familie nach Teheran zurückkehrt, fühlt sie sich nicht wohl - sie ist fremd im eigenen Land.Das besondere an "Persepolis" ist für mich, wie elegant und beiläufig darin Alltag und Politik verknüpft werden. So werden auch komplexere Sachverhalte sehr locker eingebunden, und das Ganze liest sich unglaublich leicht und flüssig. Das mag auch an Satrapis Zeichenstil liegen: dieser ist sehr einfach gehalten, viele Gesichter scheinen nach dem Punkt-Punkt-Komma-Strich-System entstanden zu sein. Eine Bildsprache, die so klar und unmissverständlich ist, dass sie für jedermann sehr leicht zugänglich ist. Zeichnerische Meilensteine können damit nicht gesetzt werden, aber Satrapi kann damit auch ein Publikum erreichen, das sonst um Comics einen Bogen macht.
Obwohl der Inhalt der "Persepolis"-Episoden manchmal alles andere als lustig ist, zieht sich ein humorvoller Ton durch die beiden Bücher, der die Lektüre sehr unterhaltsam macht. Wie nebenbei lernt der Leser eine Menge über den realen Alltag in einer völlig fremden Kultur. Das viele Lob und die zahlreichen Preise, die Marjane Satrapi dafür eingeheimst hat, sind zweifellos verdient.
Persepolis I: Eine Kindheit im Iran
Text und Zeichnungen: Marjane Satrapi
HC-Ausgabe: Edition Moderne
164 Seiten; 22,00 €
Taschenbuch: Ueberreuter
164 Seiten; 22,- €
(als Softcover von Ueberreuter: 9,95 Euro)
Persepolis II: Jugendjahre
Text und Zeichnungen: Marjane Satrapi
HC-Ausgabe: Edition Moderne
192 Seiten; 26,- €

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Es ist 1984, Ulli ist gerade 17 geworden und lebt mit ihrer älteren
Schwester in Wien, wo sie sich vor allem in der Punk-Szene bewegt. Auf
Schule und Ausbildung hat sie gerade keine Lust, sie will
experimentieren und das Leben möglichst spontan kennenlernen. Kein
langes, rationales Abwägen, "Jetzt oder nie" heißt die Devise. Das gilt
auch, als ihre neue Bekanntschaft, die ein Jahr ältere Edi, vorschlägt,
man könne doch einfach mal nach Italien fahren. Und zwar ohne Geld,
ohne Gepäck und ohne Papiere. Was folgt, ist ein zweimonatiger Trip,
der mit dem Wort "Abenteuer" nur unzureichend beschrieben ist. Mehr als
20 Jahre später hat Ulli Lust aus ihren Erlebnissen von damals eine
autobiographische Comicerzählung geformt, die den Leser in mehrfacher
Hinsicht zum Staunen bringt.
- 24.12.2009
Auf einer
Podiumsdiskussion vor einigen Wochen im Münchener Literaturhaus wurde zum x-ten
Mal über das Für und Wider des Prädikats „Graphic Novel“ und seiner Stellung
auf dem Buchmarkt gesprochen. Ein nicht uninteressanter Vorschlag kam dabei von
Armin Abmeier, dem Herausgeber von Die
Tollen Hefte:
Man könnte doch anspruchsvolle Comics wie Romane behandeln und sie in die
jeweilige Genre-Kategorie in der Buchhandlung einordnen, um so Vorurteile gegenüber dem Comic zu überbrücken. Ein Comic mit dem Aufkleber „Graphic Novel“, der diesen
Weg hier exemplarisch gehen soll, ist Sascha Hommers neuer Comic Vier Augen aus dem Hause Reprodukt.
- 05.01.2010
Im Jahr 1966 kündigt der junge
Künstler Hamaguchi seinen Job in einer Textilfabrik, zieht nach Tokio und und
wird einer der Assistenten des renommierten Mangakas Kondo. Doch auch im
Atelier des Sensei ist die Arbeit für einen Mangaverlag nicht unbedingt der
große Traum, wie Hamaguchi bald feststellen muss. Als Teil eines Teams darf er
lediglich tuschen, Hintergründe zeichnen oder Speedlines hinzufügen. Hinzu
kommt der Zeitdruck, wenn Deadlines eingehalten werden müssen.
- 13.07.2010
Im Jahr 2002 veröffentlichte Neil Gaiman seinen Roman Coraline,
der als gruseliges Märchen für Jugendliche konzipiert war. Kürzlich war
die Filmadaption dieser Geschichte in den Kinos zu sehen. Noch während
dieser Film entstand, arbeitete Comiczeichner P. Craig Russell an einer
Comicversion von Coraline. Sie erschien 2008 in den USA und
inzwischen auch auf Deutsch. Vergleicht man die beiden Adaptionen, sind
zwei – vor allem visuell – völlig unterschiedliche Geschichten
entstanden.
- 11.10.2009
Der Autor dieses Comics, Pierre Dragon, heißt in Wirklichkeit ganz anders. Hauptberuflich arbeitet er nämlich beim Nachrichtendienst der französischen Polizei, den "Renseignements Généraux", kurz RG. Ein echter Geheimagent also. Dieser lernte 2006 (im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen) Joann Sfar kennen, den französischen Hansdampf in allen Comic-Gassen. Sfar war fasziniert von den Geschichten, die ihm Dragon aus seinem Arbeitsleben erzählte und brachte ihn mit dem Schweizer Zeichner Frederik Peeters (Blaue Pillen) zusammen. Wenig später erschien dann der erste Band von RG bei Bayou, der von Sfar betreuten Comic-Edition im Verlag Gallimard.
- 29.10.2009