JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Rezis nach Kategorien

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

April 2012 Mai 2012 Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

Home Rezensionen

von Benjamin Vogt Dienstag, 10. Mai 2011

Cover Peplum Seine Wandelbarkeit hat der französische Künstler Blutch (alias Christian Hincker) ja bereits bewiesen: In Blotch (Avant-Verlag) skizzierte er episodenhaft das Leben eines zynischen, arroganten Illustrators in Paris, in Der kleine Christian (Reprodukt) überzeichnete er autobiografische Jugenderinnerungen. Was beide Werke verbindet, die spielerische Anlehnung an die eigene Person Blutchs, bleibt im jetzt veröffentlichten Album Peplum hingegen außen vor. Es versetzt den Leser in die Vergangenheit, genauer gesagt ins antike Römische Reich.

Der Titel Peplum ist eine alternative Bezeichnung für das Genre des Sandalenfilms. Blutchs Geschichte ist vordergründig sicher als Sandalencomic zu bezeichnen, prangt doch nicht ohne Grund die Hauptfigur bereits vom Titelbild mit eben solchem Schuhwerk. Und auch historisch ist Peplum um den Sturz Cäsars im römischen Senat herum verortet, ein Ereignis im Übrigen, das hier am Rande thematisiert wird.

Der Fokus liegt jedoch auf Publius Cimber bzw. auf der Person, die sich als jener ausgibt. Cimber, ein Adliger, der aus dem Imperium ausgestoßen wurde, sucht im entlegensten Winkel des Reiches einen Schatz. Dieser entpuppt sich als eine im Eis konservierte Frau. Cimber und seine zwei Gefährten nehmen die Dame mit auf ihre weitere Reise. Nach einem Unfall ergreift einer der Drei die Gelegenheit, entledigt sich der anderen beiden und gibt sich anschließend als Publius Cimber aus.

Seite aus Peplum Dieses erste Kapitel ist erst der Auftakt einer wahren Odyssee für den Namensdieb. Der ist ein triebgesteuerter, manischer Betrüger, der schlichtweg von seiner Besessenheit gesteuert wird; es ist die Besessenheit von der eisgefrorenen Schönheit.
Deshalb ist Blutchs zehn Kapitel umfassende Story mehr als ein Comic, der von der Antike handelt. Das tut er zwar, aber das steht nie so richtig im Mittelpunkt. Es ist die Erzählung von einem Mann, der von seiner Lust, seiner Liebe und (aufgrund seines unrechtmäßig erworbenen Titels) seiner zeitweiligen Macht korrumpiert wird. Für seinen Schatz, seine göttliche Schönheit begeht er Morde und gibt seine Menschlichkeit völlig auf.

Blutch charakterisiert seine Figur ohne allzu viele Worte. Er erzählt durch schwarz schraffierte Bilder, die Platz lassen für die Brutalität und den Wahnsinn. Peplum ist aufgrund seiner grafischen und narrativen Stilistik keine leichte Kost und eine, auf die man sich erst einmal einlassen muss. Der Autor macht es einem nicht immer leicht, seiner Intention zu folgen, aber gerade das macht diesen Comic zur lohnenden Herausforderung. 

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Hervorragendes Comicstück mit einer überzeugenden Erzähltechnik

ANZEIGE

 

Peplum
Avant-Verlag, Dezember 2010
Text und Zeichnungen: Blutch 
160 Seiten, s/w, Softcover
Preis: 25 Euro
ISBN: 978-3-939080-44-2
Leseprobe

 Jetzt beim Fachhändler Comic Combo anschauen und bestellen!    Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe Avant-Verlag



Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Die Verwandlung
     Einen großen literarischen Klassiker in ein anderes Medium zu transportieren ist nicht immer leicht. Gerade Comickünstler, die ja unbebilderte Romane grafisch zum Leben erwecken müssen, laufen immer Gefahr, dass die Inhalte, die Atmosphäre und die Intentionen, die der Schrifsteller sich ursprünglich ausgedacht hat, durch eine Adaption in Comicform nicht korrekt erfasst oder gar trivialisiert werden. Auf der anderen Seite steht die Gefahr, dass am Ende ein Comicwerk entsteht, welches sich zu sklavisch an die Vorlage hält, der Künstler also nicht mutig genug ist, dem Stoff genügend Eigenständigkeit als Comic einzuräumen.  - 20.09.2010
  • Pinocchio
     Da Pinocchio bereits 2009 in Angoulême als „Bestes Album“ gewählt und 2010 in Erlangen mit dem Max-und-Moritz-Preis als „Bester internationaler Comic“ ausgezeichnet wurde, bedarf der Comic darüber hinaus nicht wirklich mehr des Lobs. Was man jedoch tun kann: Man kann versuchen, die Stärken des Werks etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Bei näherer Betrachtung fällt auf, das Winshluss sich mit Pinocchio sowohl erzählerisch als auch grafisch allen definitiven Aussagen entzieht und so neue Maßstäbe für den modernen Comic setzt. - 22.06.2010
  • Prosopopus
     Ich dürfte wohl nicht der einzige gewesen sein, der sich über den seltsamen Titel „Prosopopus“ gewundert hat. Und auch nach dem Lesen des Bandes ist man nicht wirklich schlauer. Sprachlich abgeleitet ist Prosopopus von dem Begriff „Prosopopöie“, was aus dem Griechischen stammt und als rhetorisches Mittel für das Einsetzen einer abwesenden oder leblosen Person oder eines Tieres als Erzähler einer Geschichte gilt. - 28.11.2009
  • Cherry Blossom Girl
    In der Welt der Comics werden Frauen meistens aus der Phantasie von Männern geschaffen. Angesichts des prekären Standes von Comics in der Kulturindustrie wäre es aber falsch, wenn man das gesamte Medium als Vehikel für regressive Männerphantasien bezeichnet.
    Cherry Blossom Girl von Jule K. ist eine Geschichte, die von dem bewegten Alltag einer neunundzwanzigjährigen Frau erzählt. Als Teenager hieß sie Nele, doch mit dem Verzehr von halb vergorenen Kirschen mutierte sie zum extrem cool aussehenden Cherry Blossom Girl, das Frauen davor rettet, mit Liebeskummer, Eifersucht, dummen Anmachen oder peinlichen Situationen konfrontiert zu werden. - 08.04.2006
  • Robert Crumbs Genesis
     Wenn Robert Crumb, Comiclegende und Urvater der Underground-Comix, nach jahrelanger Funkstille wieder ein neues Werk vorlegt, ist das schon etwas Besonderes. So besonders, dass das Album praktisch gleichzeitig auf Englisch, Französisch und Deutsch erscheint. Das könnte freilich auch damit zu tun haben, dass man hier keine eigene Übersetzung anfertigen musste. Der Text liegt schließlich längst vor: Es handelt sich um das Buch Genesis, die ersten 50 Kapitel des Alten Testaments. - 02.12.2009