JoomCategories for JoomGallery

JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1453
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Rezis nach Kategorien

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

Juni 2014 Juli 2014 August 2014
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

Home Rezensionen

von Jons Marek Schiemann Mittwoch, 19. Dezember 2012

Cover Nausea Es ist nicht ganz leicht, den Überblick über Robert Crumbs Werk zu behalten. Nicht nur war und ist der Mann enorm produktiv, seine Geschichten haben auch eine zuweilen sehr verwirrende Veröffentlichungsgeschichte. In den USA erschienen seine Comics häufig in Zeitschriften und Anthologien, bis sie irgendwann in Buchform gepresst wurden. Schon bald aber war klar, was für eine prägende Rolle dieser Mann spielte. Schließlich ist er der wohl bekannteste Undergroundzeichner, der nicht nur die Comicszene revolutionierte, sondern es auch als einer der wenigen aus dieser Bewegung schaffte, recht bald von der breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden (und sei es durch die Verfilmung von Fritz the Cat).

Spätestens mit seiner Comic-Biografie von Frank Kafka (1993) wurde er auch im Feuilleton besprochen. Wenngleich mit einem erstaunten Augenzwinkern, dass ein solcher Erotomane sich an die Literatur wagte. Und nicht nur daran, schließlich hat er mittlerweile auch das Buch Genesis der Bibel adaptiert, was wohl erst recht manchen befremdete. Aber schon in den 1970ern wurden Stories von ihm in Deutschland veröffentlicht, und so manche seiner Schöpfungen sind mittlerweile im dritten Verlag angekommen.

So richtig neu ist Nausea deshalb nicht. Bis auf die 40 Seiten von „Böses Karma" sind alle hier enthaltenen Geschichten schon anderswo erschienen, so etwa die Adaption von Philip K. Dicks „Testament" in der Comic-Edition der FAZ. Einige Skizzen im Band sind auch in der Mammutausgabe der Robert Crumb Sketchbooks enthalten. Aber wer kann sich die teuren Coffeetablebooks aus dem Taschen Verlag schon leisten? Umso schöner also, dass auch der kleine aber äußerst feine Reprodukt-Verlag sich des Künstlers annahm.

Seite aus Nausea Die Geschichten in diesem Band sind thematisch äußerst unterschiedlich und decken damit eine große Bandbreite des Œuvres von Robert Crumb ab. So unterschiedlich die Geschichten sind, so zeigen sie auch, wie sehr es Crumb versteht, alles zu bebildern. Seien es nun Adaptionen literarischer Ergüsse von Sartre („Der Ekel") oder Dick (das oben erwähnte Pamphlet), von wissenschaftlichen Abhandlungen („Psychopathia Sexualis" von Dr. R. von Krafft-Ebing, einem der Vorläufer von Sigmund Freud) oder von autobiographischen Notizen („Boswells Londoner Tagebuch"). Alles wird abgerundet durch eine saftige Parodie („Die Abenteuer von Wichita – Ratte und Tänzerin") und eine Geschichte wie aus den besten wilden Zeiten von Crumb („Böses Karma"). Wer die nicht kennt, sei gewarnt: Bei einigen Geschichten gibt es sehr explizite Szenen. Eine psychedelisch inspirierte Story wie „Böses Karma", in der auf schöne und erotische Weise ein ödipaler Konflikt dargestellt wird, lässt den Egoismus des Mannes generell deutlich werden.

ANZEIGE

Die Literaturadaptionen sind zum Teil ironisch gebrochen, allein durch die Bebilderung (etwa die Tiergesichter in der „Psychopathia Sexualis"). Ansonsten ist es ja schon fast ein Sakrileg geworden, Crumb auch mal zu kritisieren. Dennoch muss es mal gesagt sein: Er löst sich oft zu wenig von den literarischen Vorlagen. Er kürzt, ja. Und durch die Kürzung setzt er gewisse inhaltliche Schwerpunkte. Aber die Bilder geben dem Text keine neue Bedeutungsebene. Sie deuten nicht, sie eröffnen keine neuen Horizonte, sondern liefern einfach nur Ansichten zu dem geschriebenen Wort. Aber sein expressiver Strich kann einfach hervorragend die Mimik der Personen wiedergeben und den Betrachter in die Panels saugen. In der „Psychopathia Sexualis" gelingen dann einige ironische Brechungen, sie hätte aber insbesondere einen deutlicheren zeichnerischen Kommentar verdient gehabt. Generell sind die Emotionen jedoch graphisch meisterhaft dargestellt. So lohnt sich die Anschaffung von Nausea schon allein, um einen Einblick in die große künstlerische Bandbreite von Crumb zu erlangen.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Schöne Sammlung von Adaptionen des großen Meisters, die sich aber von den literarischen Vorlagen nicht genügend lösen

 

Nausea
Reprodukt, Oktober 2012
Text und Zeichnungen: Robert Crumb
Übersetzung: Harry Rowohlt
112 Seiten, schwarzweiß, Hardcover
Preis: 29 Euro
ISBN: 978-3-943143-29-4
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt



Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Gott höchstselbst

    Was wäre, wenn Gott wirklich existierte? Und wenn er sich auf der Erde blicken lassen würde, nicht wie beim ersten Mal in Jesus Christus, sondern höchstpersönlich? Welchen Medienrummel würde er auslösen? Welche Zweifel an seiner Authentizität wecken, welchen Zuspruch hervorrufen, welche Gegnerschaft auslösen? Marc-Antoine Mathieu wirft diese Fragen auf und zeichnet einen genauso kurzweiligen wie intelligenten Comic. Auf höchst raffinierte Weise kultiviert Mathieu einen feinen ironischen Humor, der die Lektüre durchgängig zum Vergnügen macht. Und mich mit Spannung warten ließ, wie diese Geschichte wohl enden soll ...

    - 19.04.2011
  • Portugal

    Comiczeichner Simon Muchat steckt in einer handfesten Lebenskrise: Sein neues Buchprojekt schreitet nicht voran, der Hausbau gestaltet sich schwieriger als erwartet und seine Freundin verzweifelt so langsam an seiner Lethargie. Doch als ihn unvermittelt die Einladung zur Hochzeit seiner Cousine aus Portugal erreicht, begibt sich Simon schließlich auf die Spuren seiner portugiesischen Wurzeln. Hier entflammt seine Lebensfreude von Neuem und die Inspiration kehrt zurück.

    - 05.09.2012
  • Der kleine Christian
     Gleich mit zwei bemerkenswerten Bänden stürmt der französische Künstler Blutch (alias Christian Hincker) parallel die deutsche Comiclandschaft. Auffallend dabei ist die inhaltliche Annäherung von Blutchs Figuren zu seiner eigenen Biografie. So präsentiert sich in Blotch - Der König von Paris (erschienen im Avant-Verlag) ein überzeichnetes Alter Ego  des Franzosen, in Der kleine Christian, das bei Reprodukt erschien, finden Anekdoten aus Blutchs Vergangenheit ihren Platz. - 18.06.2009
  • Hemingway

    In Hemingway führt Jason mit viel Humor durch ein recht pragmatisches Paris der Zwanziger Jahre. Der Comic bleibt trotz der fabulierten Geschichte und gerade wegen der kauzigen Charaktere bis zum Ende spannend.

    - 26.08.2011
  • Robert Crumbs Genesis
     Wenn Robert Crumb, Comiclegende und Urvater der Underground-Comix, nach jahrelanger Funkstille wieder ein neues Werk vorlegt, ist das schon etwas Besonderes. So besonders, dass das Album praktisch gleichzeitig auf Englisch, Französisch und Deutsch erscheint. Das könnte freilich auch damit zu tun haben, dass man hier keine eigene Übersetzung anfertigen musste. Der Text liegt schließlich längst vor: Es handelt sich um das Buch Genesis, die ersten 50 Kapitel des Alten Testaments. - 02.12.2009