JoomCategories for JoomGallery

JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1453
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Rezis nach Kategorien

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

September 2014 Oktober 2014 November 2014
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden

Partnerlinks





 



 

Home Rezensionen

von Jons Marek Schiemann Mittwoch, 19. Dezember 2012

Cover Nausea Es ist nicht ganz leicht, den Überblick über Robert Crumbs Werk zu behalten. Nicht nur war und ist der Mann enorm produktiv, seine Geschichten haben auch eine zuweilen sehr verwirrende Veröffentlichungsgeschichte. In den USA erschienen seine Comics häufig in Zeitschriften und Anthologien, bis sie irgendwann in Buchform gepresst wurden. Schon bald aber war klar, was für eine prägende Rolle dieser Mann spielte. Schließlich ist er der wohl bekannteste Undergroundzeichner, der nicht nur die Comicszene revolutionierte, sondern es auch als einer der wenigen aus dieser Bewegung schaffte, recht bald von der breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden (und sei es durch die Verfilmung von Fritz the Cat).

Spätestens mit seiner Comic-Biografie von Frank Kafka (1993) wurde er auch im Feuilleton besprochen. Wenngleich mit einem erstaunten Augenzwinkern, dass ein solcher Erotomane sich an die Literatur wagte. Und nicht nur daran, schließlich hat er mittlerweile auch das Buch Genesis der Bibel adaptiert, was wohl erst recht manchen befremdete. Aber schon in den 1970ern wurden Stories von ihm in Deutschland veröffentlicht, und so manche seiner Schöpfungen sind mittlerweile im dritten Verlag angekommen.

So richtig neu ist Nausea deshalb nicht. Bis auf die 40 Seiten von „Böses Karma" sind alle hier enthaltenen Geschichten schon anderswo erschienen, so etwa die Adaption von Philip K. Dicks „Testament" in der Comic-Edition der FAZ. Einige Skizzen im Band sind auch in der Mammutausgabe der Robert Crumb Sketchbooks enthalten. Aber wer kann sich die teuren Coffeetablebooks aus dem Taschen Verlag schon leisten? Umso schöner also, dass auch der kleine aber äußerst feine Reprodukt-Verlag sich des Künstlers annahm.

Seite aus Nausea Die Geschichten in diesem Band sind thematisch äußerst unterschiedlich und decken damit eine große Bandbreite des Œuvres von Robert Crumb ab. So unterschiedlich die Geschichten sind, so zeigen sie auch, wie sehr es Crumb versteht, alles zu bebildern. Seien es nun Adaptionen literarischer Ergüsse von Sartre („Der Ekel") oder Dick (das oben erwähnte Pamphlet), von wissenschaftlichen Abhandlungen („Psychopathia Sexualis" von Dr. R. von Krafft-Ebing, einem der Vorläufer von Sigmund Freud) oder von autobiographischen Notizen („Boswells Londoner Tagebuch"). Alles wird abgerundet durch eine saftige Parodie („Die Abenteuer von Wichita – Ratte und Tänzerin") und eine Geschichte wie aus den besten wilden Zeiten von Crumb („Böses Karma"). Wer die nicht kennt, sei gewarnt: Bei einigen Geschichten gibt es sehr explizite Szenen. Eine psychedelisch inspirierte Story wie „Böses Karma", in der auf schöne und erotische Weise ein ödipaler Konflikt dargestellt wird, lässt den Egoismus des Mannes generell deutlich werden.

ANZEIGE

Die Literaturadaptionen sind zum Teil ironisch gebrochen, allein durch die Bebilderung (etwa die Tiergesichter in der „Psychopathia Sexualis"). Ansonsten ist es ja schon fast ein Sakrileg geworden, Crumb auch mal zu kritisieren. Dennoch muss es mal gesagt sein: Er löst sich oft zu wenig von den literarischen Vorlagen. Er kürzt, ja. Und durch die Kürzung setzt er gewisse inhaltliche Schwerpunkte. Aber die Bilder geben dem Text keine neue Bedeutungsebene. Sie deuten nicht, sie eröffnen keine neuen Horizonte, sondern liefern einfach nur Ansichten zu dem geschriebenen Wort. Aber sein expressiver Strich kann einfach hervorragend die Mimik der Personen wiedergeben und den Betrachter in die Panels saugen. In der „Psychopathia Sexualis" gelingen dann einige ironische Brechungen, sie hätte aber insbesondere einen deutlicheren zeichnerischen Kommentar verdient gehabt. Generell sind die Emotionen jedoch graphisch meisterhaft dargestellt. So lohnt sich die Anschaffung von Nausea schon allein, um einen Einblick in die große künstlerische Bandbreite von Crumb zu erlangen.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Schöne Sammlung von Adaptionen des großen Meisters, die sich aber von den literarischen Vorlagen nicht genügend lösen

 

Nausea
Reprodukt, Oktober 2012
Text und Zeichnungen: Robert Crumb
Übersetzung: Harry Rowohlt
112 Seiten, schwarzweiß, Hardcover
Preis: 29 Euro
ISBN: 978-3-943143-29-4
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt



Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • In meinen Augen

    Ein junges, rothaariges Mädchen sitzt in der Bibliothek. Sie nimmt Blickkontakt mit jemandem auf und es ergibt sich eine erste Annäherung an den Unbekannten. So beginnt die zauberhafte Liebesgeschichte in Bastien Vivès' neuem Comic In meinen Augen. Die Besonderheit: Der Leser selbst ist eben jener Unbekannte.

    - 20.12.2010
  • Jenseits
     Zuerst sieht alles ganz putzig aus: Eine junge Frau empfängt einen jungen Herrn, einen Prinzen, und bei einer Tasse Kakao findet eine zarte Annäherung statt. Die Figuren sehen niedlich aus, als wären sie Märchenbüchern für Kinder entsprungen, sie sind in fröhlichen Farben koloriert. Doch bald löst sich der Raum um sie herum auf, sie müssen fliehen und ein großes Splashpanel zeigt dem Leser, in welcher Behausung die netten Wesen gelebt haben: Sie sind winzig kleine Gestalten, und sie kommen aus dem Körper eines kleinen toten Mädchens gekrochen. Wie Gulliver liegt dieses Mädchen am Boden, im Vergleich zu den kleinen Lebewesen wirkt es wie ein Riese. - 17.12.2009
  • Berichte aus Russland

    In den letzten Jahren sind vermehrt Reportagen auf dem Comicmarkt zu finden. Nachdem Joe Sacco als einer der Pioniere die Richtung vorgab, sind vor allem Reportagecomics aus dem politischen und historischen Bereich zu finden. Wobei beides kaum voneinander zu trennen ist.

    - 07.03.2013
  • Der kleine Christian
     Gleich mit zwei bemerkenswerten Bänden stürmt der französische Künstler Blutch (alias Christian Hincker) parallel die deutsche Comiclandschaft. Auffallend dabei ist die inhaltliche Annäherung von Blutchs Figuren zu seiner eigenen Biografie. So präsentiert sich in Blotch - Der König von Paris (erschienen im Avant-Verlag) ein überzeichnetes Alter Ego  des Franzosen, in Der kleine Christian, das bei Reprodukt erschien, finden Anekdoten aus Blutchs Vergangenheit ihren Platz. - 18.06.2009
  • Habibi

    Schon die Erscheinungsweise macht deutlich, dass Habibi ein außergewöhnliches Werk ist. Der neue Comic von Craig Thompson, der langerwartete Nachfolger seines großen Erfolgs Blankets, an dem er sechs Jahre lang gearbeitet hat, kommt gleichzeitig in englischer, französischer und deutscher Sprache auf den Markt – das ist selten auf dem Buchmarkt, und bei Comics erst recht. Dieser Sonderstatus setzt sich in der Aufmachung fort: Habibi ist ein voluminöser Klotz von 672 Seiten, der mit Goldverzierung auf dem Hardcover-Einband, Lesebändchen und schwerem Papier sehr edel daherkommt. Wird Thompsons Erzählung dem pompösen Auftritt des Buches gerecht?

    - 27.10.2011