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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Daniel Wüllner Dienstag, 14. Juli 2009
Der deutsche Humor ist ein zartes Pflänzchen, um das man sich fortwährend Sorgen machen muss. Während selbsterklärte Komiker uns von den Fernsehbühnen herab darüber aufklären, warum Frauen und Männer nicht miteinander kommunizieren können, und dabei ständig witzig gemeinte Phrasen dreschen, gibt es da noch den viel diffizileren politischen Humor. Letzterer zeichnet sich durch einen spielerischen Umgang mit mühsam erworbenen Wissen über politische Verstrickungen aus, das der Autor/Kabarettist als Grundlage für seine oftmals satirisch gemeinten Attacken benutzt. Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit dem zugegeben manchmal etwas trockenen Stoff fehlt dem Praktizierenden des politischen Humors am Ende die entscheidende Prise Sarkasmus, um das Objekt der Heiterkeit, in diesem Fall Angela Merkel, wirklich humoristisch zu betrachten. Da liegt doch die Möglichkeit nahe, das leidende Pflänzchen des politischen Humors in einen einfach zu pflegenden Nährboden einzupflanzen: den Comic. Doch ganz so einfach ist dieses Unterfangen nicht.
Miss Tschörmänie ist ein sicherlich sehr ambitioniertes Projekt, das trotz fachlich präziser Recherche und guten grafischen Anlagen an der Unfähigkeit der beiden Künstler krankt, den Comic als Erzählform zu erkennen und auch so zu nutzen. Das Projekt ist ein Musterbeispiel für das in Deutschland immer noch herrschende Comicverständnis: Ein Comic ist ein einfach zu bestellender Nährboden aus Texten und Bildern, in den man jeden Erzählstoff zur Steigerung seiner Komik einpflanzen kann. Aber auch die Verbindung aus Worten und Bildern will erst einmal gelernt sein.
Miss Tschörmänie -
Wie aus Angie unsere Kanzlerin wurde
Eichborn Verlag, Juli 2009
Text: Miriam Hollstein
Zeichnungen: Heiko Sakurai
Hardcover; 64 Seiten; 9,95 Euro
ISBN: 3821860634 Wie aus Angie unsere Kanzlerin wurde
Eichborn Verlag, Juli 2009
Text: Miriam Hollstein
Zeichnungen: Heiko Sakurai
Hardcover; 64 Seiten; 9,95 Euro

Abbildungen: © Eichborn Verlag
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Kommentare (2)

geschrieben von davjan, am 15. Juli 2009 um 08.44 Uhr
Bei aller berechtigten Kritik und Beurteilung mit akademischen Maßstäben, die Frage ist doch eher, erfüllt sich die Erwartung die mir der Titel verspricht? Bekomme ich für 9,95 EUR eine Portion Humor gepaart mit politischer Aufklärung? Und das hält "Miss Tschörmänie". Ich hatte zumindest sehr viel Spaß beim Lesen. Wer allerdings apolitisch ist, der wird sich mit "Miss Tschörmänie" nur langweilen.
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Es ist ein alter Scherz aus den Urzeiten des Internets, der sich bis
heute gehalten hat: Bielefeld gibt es gar nicht. Alles was auf die
Existenz dieser Stadt hindeutet, ist ein Gerücht, gestreut von bösen
Mächten (wahlweise CIA, Illuminaten oder Außerirdische), die die
Bevölkerung einlullen wollen, indem sie so tun, als würde es die Stadt
wirklich geben. Mit dieser Satire, die sich weniger über
Bielefeld lustig macht als vielmehr über die zahlreichen
Verschwörungstheorien, die gar nicht krude genug sein können,
beschäftigt man sich natürlich auch in Bielefeld selbst. An der
dortigen Hochschule entstand vor kurzem der Film Die Bielefeld Verschwörung, begleitend dazu erschien auch ein Roman und eine Comic-Adaption.
- 18.07.2010
Die Erfinder des glorreichen Comics
Ein Unwetter zieht auf. Unrasiert und deprimiert liegt Asterios Polyp in seinem Bett in einem schmuddeligen Apartment. Plötzlich kracht es fürchterlich, ein Blitz hat eingeschlagen und brennt das Zuhaue des 50-jährigen, desillusionierten Architekten nieder. Ohne Obdach und vom Regen durchnässt kauft sich Asterios vom letzten Bargeld ein Busticket in die Kleinstadt Apogee.
Es ist zweifellos eine sehr ungewöhnliche Geschichte: Ein junger deutscher Comicleser ist vernarrt in die Werke von Hermann (Comanche, Jeremiah, Die Türme von Bois-Maury) und schreibt ihm jahrelang Briefe. Bis dieser eines Tages zurückruft und aus einigen Telefonaten eine Freundschaft entsteht. Viele Jahre später darf jener Leser schließlich ein Comic-Szenario für sein Idol schreiben. Ein wahrgewordener Fanboy-Traum.
Auf dem Frontcover der Rücken eines Mannes, auf dem ein weinender Jesus am Kreuz martialisch eingeritzt wurde, auf dem Backcover eine kleine Skizze, die einen Priester zeigt, der einem gebückten Kind sein Glied entgegenstreckt. Keine Frage, das neueste Comicalbum von Matthias Schultheiss ist nichts für zarte Gemüter. Einige Menschen würden es gar als geschmacklos bezeichnen, denn was der deutsche Ausnahmekünstler hier vorlegt, geht weit über sanfte Kirchenkritik hinaus. Schultheiss zündet nichts weniger ein blasphemisches Feuerwerk.
Den Ausschnitten nach zu urteilen, ist das eine treffende Analyse. Das sieht nach einer lustig illustrierten Biographie aus, aber das macht natürlich noch lange keinen Comic.
Der "Witz" beim Comic ist ja schließlich nicht die Komik, sondern die sequentielle Erzählweise, und für die braucht man immer noch mindestens zwei Bilder pro Szene.