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von Andreas Fisch Donnerstag, 03. September 2009


millerpynchon_cover.jpgMiller & Pynchon stammt von dem österreichischen Leopold Maurer und ist im Literaturverlag Luftschaft erschienen, der vor allem Comiczeichner aus Österreich verlegt; man denke an den ebenfalls dort erschienenen Sammelband Perpetuum oder den Comic Molch.

Die beiden Hauptpersonen sind die holzschnittartig mit dem Wesentlichen charakterisierten Miller und Pynchon, die dem Comic auch seinen Titel geben. Der katholische Miller frönt dem Leben, flieht in die Arme vieler Zufallsbekanntschaften und versucht, seinem ihm entgleitenden Leben durch Zahlen und Messungen feste Orientierungspunkte zu geben. Der areligöse Pynchon dagegen versackt in seiner Depression über den tragischen Tod seiner Ehefrau und vergrault alle an ihm interessierten Frauen durch ausführliches Waten im morastigen Leid eines 10-jährigen Witwers, der sich vor aller Augen und Ohren nach seiner Helene zurücksehnt. So finden sich die beiden unterschiedlichen Typen zusammen, um die Demarkationslinie neu zu vermessen und erleben dabei allerlei Abenteuer.

millerpynchon_bsp3_500.jpgWas den Comic wirklich von vorne bis hinten auszeichnet, sind die gestelzten Dialoge ("Verzeihen Sie Gnädigste, ...", "... meine Wenigkeit ist Astronom!"). Doch nach einer anfänglichen Irritation gewöhnt man sich schnell an den Stil, den alle auftretenden Figuren pflegen. Dazu eilt die Geschichte mit flotten Schritten von einer skurrilen Begegnung zur anderen. So begegnet man Kanalkrokodilen, Werwolfsöhnen, streichespielenden Frauen, schießwütigen Bodyguards und weiteren auffälligen Figuren. Durch dieses Tempo eilt die Geschichte dahin, die letztlich trotz aller hochgeheimen Regierungsaufträge an die beiden Protagonisten, eigentlich nur dem Zugang zu den Gemütsverfassungen von Miller und Pynchon dient. Drittes auffälliges Element ist der durchgängige Humor, der überwiegend originell und köstlich ist, etwa wenn die verstorbene Mutter ihrem erwachsenen Sohn Pynchon während eines Vollbads erscheint oder der tragische Tod von Helene sich irgendwann als Plattwalzen durch ein rollendes Riesenkäserad entpuppt. Seltener erweckt Maurer alte Kalauer ins aufgewärmte Zombiedasein, etwa wenn die beiden mühsam den Gipfel besteigen und dann der ganze Stolz verfliegt, als sie die Seilbahn auf der anderen Seite bemerken.

Aus Miller & PynchonDie Bildsprache erfasst die Stimmungen ganz treffend und findet fantasievolle Bilder für die Sprachlosigkeit zwischen Vater und Sohn. Insgesamt ist die Atmosphäre mit knappen Strichen und originellen Nasen (!) sehr professionell und künstlerisch, und sie schafft es, Gemütsverfassungen stimmig einzufangen. Durchzogen ist das Buch in allen (!) Namen und selbst den Porträts von Anspielungen auf Literatur und Picassos Bilder. Einige Symbole und Szenarien schreien förmlich nach einer tieferen Bedeutung, haben sich mir aber bei aller Mühe nicht erschlossen, etwa die parallel konstruierten Zahlendialoge in Kap. 9.

Insgesamt eine flotte, absurde, ungewöhnlich erzählte Begebenheit, die viele Tiefgänge und viele Oberflächlichkeiten aufzubieten weiß und irgendwie nach höherer literarischer Bildung (die ich nicht hatte) ruft, um sie ganz auszukosten.

Zum Künstler: Leopold Maurer, geb. 1969 in Wien; Studium der Soziologie an der Universität Wien, Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 1998 freischaffender Künstler in den Bereichen Animation, Cartoon, Comic und Illustration. Mitglied der Comicgruppe mixer. Lebt und arbeitet in Wien und Trautmannsdorf, NÖ. Quelle: leopoldmaurer.com



Miller & Pynchon
Luftschaft, März 2009
Text/
Zeichnungen: Leopold Maurer
174 Seiten, Paperback, s/w
20,40 Euro
ISBN 978-3-902373-41-0

Produktseite bei Luftschacht
absurd & skurril, für bestimmte Geschmäcker!












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Abbildungen © Leopold Maurer, Luftschacht-Verlag





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