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von Marco Behringer Samstag, 31. Juli 2010
New York City, 1937: Die Brüder Jim und Dog Logan betreiben eines der besten Detektivbüros. Jim weiß, wie der Hase läuft. Doch alle Erfahrung und Fähigkeiten helfen ihm nichts, als eine reiche Frau namens Mariko Yashida im Büro auftaucht und mit ihr Jims schmerzhafte Vergangenheit. Nachdem sein unterbelichteter Partner von seiner Recherche nicht zurückkehrt, gerät Jim bei der Suche nach Dog immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und Erinnerungen.
Klingt nach einem typischen Wolverine-Plot - ist es auch. Moore bedient sich dabei nicht nur offenkundig bei The Maltese Falcon, sondern ebenso aus dem Wolverine-Repertoire - dem Dilemma, das sich aus dem Gegensatz zwischen seiner animalischen und der menschlichen Seite ableiten lässt: Unvereinbar stehen sich hier scheinbar Instinkt und Vernunft gegenüber. Mit diesem bekannten Erzählfundus schafft Moore durch episodenhafte Flashbacks eine Charakterskizze Logans, die seinen Werdegang zum Tiermenschen nachzeichnet, der im berauschten Zustand des Zorns seinem Instinkt freien Lauf lässt. Das überträgt er wiederum gekonnte in die Welt des Noir-Genres. So entpuppen sich die Frauen (Mariko und seine Jugendliebe Rose) als typische Femmes Fatales, wohingegen mit der hilfsbereiten Yuriko Oyama aber auch ein weiteres Frauenbild entworfen wird.
Düster, viele Schatten und wenig Farben. So lässt sich die stimmungsvolle Gesamtästhetik auf den Punkt bringen, die damit perfekt zur Noir-Atmosphäre passt. Smiths einzigartiger Strich besticht durch filigrane Linien und expressive Zeichnungen, die voll von verschnörkelten und oft fragmentarischen Ornamenten sind. Vor allem das genretypische Motiv des Gitters, das bereits im Film Noir die ausweglose Situation versinnbildlicht, sticht dabei ins Auge. Die Kolorierung von Rain Beredo hält sich dezent zurück. Sie weist teilweise Nuancen auf und erinnert an mit viel Wasser durchtränkte Aquarellfarben.
Mit Marvel Noir - Wolverine ist Moore und Smith eine dicht und spannend erzählte und grafisch stimmungsvoll inszenierte Geschichte gelungen. Natürlich kennt man die charakterliche Entwicklung Logans schon aus anderen Geschichten wie Wolverine - Origin. Trotzdem: Ohne ihre Superkräfte bekommt der Leser tatsächlich wie bereits in Marvel Noir - X-Men altbekannte Figuren in einem neuen Licht präsentiert. Der Reiz, der vom Noir-Genre ausgeht und die Möglichkeiten, die das Genre bietet, sind einfach unerschöpflich.
Marvel Noir: Wolverine
Panini Comics, April 2010
Text: Stuart Moore
Zeichnungen: C. P. Smith
Softcover mit Faltcover, 108 Seiten, farbig; 14,95€
22-seitige Leseprobe bei myComics
Dicht erzählte Noir-Adaption mit stimmungsvollen Bildern
Abbildung © C. P. Smith, der deutschen Ausgabe Panini Comics
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Seit einiger Zeit produziert Marvel Comics diverse Miniserien, in denen
die bekanntesten Figuren des Verlags, wie Spider-Man oder Wolverine,
in ein alternatives Setting versetzt werden. Hier sind sie keine
Superhelden oder Mutanten, sondern Charaktere in Noir-Krimis, die die
klassischen Zutaten der schwarzen Serie enthalten: düstere, dreckige
Städte, gebrochene Helden, undurchschaubare Frauen und Verbrecher, die
dem Gesetz immer einen Schritt voraus zu sein scheinen.
- 23.09.2010
Der Wecker reißt dich an einem dunklen, nasskalten Arbeitstag früh morgens aus dem Schlaf, du wälzt dich aus dem Bett, schlurfst gähnend in die Küche, um dir ein heißes Getränk zu machen. Dann lässt du dich damit in einem bequemen Sessel nieder, kuschelst dich in eine Wolldecke, während der Regen ans Fenster prasselt, und setzt ein Headset auf. Weiter musst du nicht. Zur Arbeit geht nämlich dein Surrogat, eine perfekte technische Kopie. Die physische Idealausgabe von dir, die nicht müde oder krank wird, deren Muskeln nicht erschlaffen und deren Bauchumfang nie wächst. Und du steuerst diesen Fleisch gewordenen (bzw. fleischlich wirkenden) Avatar mittels deiner Gedanken, erlebst die Welt durch seine Augen und Ohren. Als ob du dabei wärst – und irgendwie bist du es ja auch. Nur ersparst du dir all die Unanehmlichkeiten des Alltags … Klingt verlockend, nicht wahr?
- 01.11.2009
1967, die große Zeit der Flower Power. Jasper Brown, umjubelter Rockmusiker und Leadsänger der Queen Bees, verbrennt in seinem Schloss in Schottland. Offenbar Selbstmord, wie Scotland Yard feststellt. Doch Browns Freund, der Guru Indranath Ray, und die jamaikanische Reporterin Cassandra Jones haben berechtigte Zweifel an dieser These und fangen an, im Umfeld des totes Sängers zu recherchieren.
Erik ist ein deutschsprachiger Künstler, der vielen vielleicht bereits bekannt ist durch seine Zeitreise-Historien-Epos Deae Ex Machina, das er ursprünglich als Webcomic gestartet hat (und auch bis heute weiterführt), das aber seit geraumer Zeit ebenso fester Bestandteil des Magazins Comix ist, wo die Geschichte als Fortsetzungscomic erstmals in gedruckter Form erscheint. Neben diesem bereits beeindruckenden Mammutprojekt (für mich regelmäßig das Highlight des Comix-Magazins), legte der fleißige Saarländer unlängst sein erstes richtiges Comicalbum bei Epsilon vor.