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(Vortrag/Diskussion)
von Jons Marek Schiemann Montag, 06. September 2010
Das sehr klassisch aufgebaute Cover verrät erst einmal nur, dass es sich hier um eine taffe Heldin handeln muss, ansonsten kann man sich überraschen lassen. Ein sehr detailreicher, naturalistischer Strich entführt den Leser in eine Fantasywelt, die unserem historischen Mittelalter, oder besser: dem Mittelalter Frankreichs, ziemlich ähnlich ist. Auch zeichnerisch gibt es Ähnlichkeiten. Vor allem die Schraffurtechnik, welche der Zeichner Thierry Demarez gerne bei Schatteneffekten anwendet, erinnert sehr an Serpieri (Druuna). Ansonsten sind auch noch deutliche Einflüsse von Rosinski (Die große Macht des kleinen Schninkel, Thorgal) auszumachen. Aber gerade in den Visionen der Heldin Marie oder der Priester kommen sehr gute graphische Einfälle zu Tage und brechen auch die sonst recht starre Panelanordnung auf. Der Drache sieht zwar aus wie eine Mischung aus einem Tyrannosaurus Rex und einem Alien aus den gleichnamigen Filmen, kann so aber immerhin den üblichen Fantasy-Klischees entgehen. Vorrangig werden sehr irdene Farben eingesetzt, welche die sehr guten Lichteffekte schön zur Geltung bringen. Vor allem wie innere Lichtquellen, beispielsweise Kerzen und Laternen, eingesetzt werden, sorgt für stimmungsvolle Effekte.
Ansonsten handelt es sich um eine typische Story des Fantasygenres: Marie tritt ihre Quest an, um Rache an den Mördern ihrer Eltern zu üben und ihre verschleppten Geschwister zu suchen. Angereichert wird die Geschichte mit Übernahmen aus der Historie, wobei die Hintergründe noch recht verworren sind. Die Heldin bleibt charakterlich etwas blass, aber dennoch fiebert man mit ihr mit: Kann Marie dem Hexenprozess entkommen? Das hatte schon Alfred Hitchcock erkannt: Um eine hübsche Heldin hat man mehr Angst. Der Charakter ist da eigentlich Nebensache.
Auch wenn Maries Drachen das Genre nicht neu erfindet, so ist der Band doch recht flott und spannend zu lesen. Vor allem, weil es viele Entwicklungen gibt und nichts so zu sein scheint wie es aussieht. Das daraus resultierende Gefühl des Unbehagens zwingt den Leser zum Weiterblättern.
Maries Drachen 1 - Armance
Splitter Verlag, Juli 2010
Text: Ange
Zeichnungen: Thierry Démarez
Hardcover, 56 Seiten, farbig; 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-156-6

Spannendes Album mit noch unübersehbaren Hintergründen, welches das Fantasygenre zwar nicht neu erfindet, aber sehr gut zu unterhalten weiß.
Abbildungen © Splitter Verlag
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Unter dem Hakenkreuz
Teil 2 und 3 - im französischen
Originaltitel „Amours fragiles" (in etwa: Zerbrechliche Lieben) - sind weiterhin in einem luxuriös großen
Format gedruckt, aber bereits jeweils 30 Seiten kürzer als Band 1; dafür
verkauft sie der Verlag 4 Euro günstiger. So luxuriös die Aufmachung, so
bescheiden die Fortsetzung des Inhalt, was Spannung und Figurenentwicklung
angeht.
- 15.10.2010
Als 1992 mit „Enola Gay“ das erste Jessica Blandy-Album in Deutschland erschien, war nach diesem einen Band auch gleich wieder Schluss. Nun unternimmt der Verlag Schreiber & Leser einen zweiten Anlauf, diesen Klassiker des franko-belgischen Comics in einer kompakten Ausgabe herauszubringen. Dabei sammelt jeder Band drei einzelne Alben der Serie. Im nun vorliegenden zweiten Band der Werkausgabe sind die Stories „Blue Nights“, „El Zamuro“ und „The Girl from Ipanema“ enthalten.
Auf zwei Bände angelegt, erzählt der erste Band von Smoke City eine klassische Heist-Story: Eine Bande von Kriminellen, deren Mitglieder sich zur Ruhe gesetzt haben, wird reaktiviert, um aus einem Museum eine Mumie zu stehlen. Die eine Hälfte des Albums dreht sich ganz genregerecht um die Vorstellung der Figuren und die Animositäten innerhalb der Gruppe. In der zweiten Hälfte geht es dann, wieder ganz genregerecht, um den Coup an sich, der zunächst natürlich alles andere als planmäßig verläuft, da ansonsten ja auch keine Spannung aufkommen würde. Verrat und Liebe spielen selbstverständlich auch eine Rolle.
Nicolas Fructus legt mit Thorinth, bei dem er sowohl die
textliche als auch die zeichnerische Arbeit übernimmt, seine erste Comicreihe
überhaupt vor. Herausgekommen ist, wie Band 1 bereits zu belegen weiß, ein
reichlich verschrobenes Werk, das keine ungewöhnlichen Themen scheut. Aber kann
diese Debutserie auch überzeugen? Letztlich nicht ganz. Der Hauptgrund dafür
ist das sich steigernde Verstricken in eine wirr erscheinende Handlung.
- 26.08.2009
Graphic Novels hier, Graphic Novels da. Die deutsche Comicbranche scheint
ihre persönliche Messlatte allein nach diesen anspruchsvollen Comics
für junge Erwachsene ausgerichtet zu haben. Obwohl dies natürlich nicht
gesagt wird, so wird doch impliziert, dass alle restlichen Comics
Trivialliteratur sind – kurz, sie sind Schund. Doch die Historie der
Comics und ihrer Vorväter ist nur so gepflastert von diesem herrlichen
Schund, der uns für ein paar Minuten die realitätsnahen Autobiografien
und Comicreportagen vergessen lässt. Bestes Beispiel dafür ist der
gerade bei Panini erschienene Comic Solomon Kane: Schloss des Teufels. Die Comicadaption von einem Meister des Schunds, Robert E. Howard, Schöpfer von Conan, gibt uns zwar nichts Tiefgründiges, dafür aber Lesefreude und jede Menge Trash.
- 14.02.2010