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von Benjamin Vogt Samstag, 19. Juni 2010
In Maria und ich beschreibt Miguel Gallardo in Worten und Bildern die Verbindung zu seiner autistischen Tochter Maria. Vom Gefühl her steht Gallardos Werk damit in einer Reihe mit vergleichbaren Comics wie Die Heilige Krankheit (David B. erzählt von der Epilepsie seines Bruders) oder Mutter hat Krebs von Brian Fies, in denen Künstler ebenfalls die Krankheit eines geliebten Menschen thematisieren.
Gallardo skizziert auf über 60 Seiten einen Trip nach Gran Canaria nach, den er mit seiner Tochter unternommen hat. Anders jedoch als beispielsweise bei David B. verbleibt die Erzählstruktur sehr oberflächlich und stützt sich vornehmlich auf aneinandergereihte Fakten. Maria und ich wirkt auch eher wie eine Anleitung für Eltern mit autistischen Kindern oder wie ein Plädoyer für die Einzigartigkeit von Gallardos Tochter, aber leider weniger wie ein strukturierter und stimmiger Comic. Schludrig und schemenhaft sind einzelne Bilder zwischen längere Textpassagen gekritzelt, fast hat es den Anschein, dass man eher in einer Reisereportage blättert, so akribisch wie der Autor die Trivialitäten des Alltags, Beobachtungen im Flugzeug, im Hotel, am Strand, zu vermitteln versucht.
Der Bogen zum zentralen Thema, dem Autismus Marias, gelingt Gallardo nur
immer wieder mit dem Holzhammer: Äußerst nüchtern kommentiert er alle Eigenarten
seiner Tochter, das Zwicken gegenüber lieb gewonnen Menschen, ihre besondere
Sprechweise oder ihr erstaunliches Erinnerungsvermögen. Zwischen all der
Betonung, wie toll und einzigartig Maria trotz oder gerade wegen ihrer
Behinderung doch ist, lässt der spanische Künstler eine konsistente Handlung
vermissen. Maria und ich mangelt es zudem schlichtweg an Witz und Pointen.
Eine Seite in dem Buch verdeutlicht sehr gut, worauf sich die meisten meiner Kritikpunkte beziehen: Gallardo versucht, Marias Wirkung auf fremde Passanten zu verdeutlichen und zeichnet dazu ein ganzseitiges Bild, auf dem er und Maria als schattierte Umrisse von einer Wolke aus starrenden Augen beobachtet werden. Sicherlich kann man als Leser nachvollziehen, welche unangenehme Aufmerksamkeit hier angedeutet wird, aber zumindest bei mir hat das keine große Emotion ausgelöst. Und so zieht auch der Rest des Buches an mir vorbei, ohne mich besonders anzurühren.
Was bleibt, ist ein Projekt, das wohl zum einen Teil als Hommage an Maria
Gallardo gedacht war, zum anderen Aufklärung über Autismus betreiben soll.
Letzteren Punkt unterstreicht auch der Abdruck von Piktogrammen, an denen sich
Betroffene im Alltag visuell orientieren können, und kleinen Bildern, die
typische Verhaltensweisen autistischer Menschen grafisch zusammenfassen.
Miguel Gallardos Ambitionen, ein Buch über seine Tochter zu fertigen, möchte ich hier nicht schlechtreden und, wie eingangs erwähnt, fällt es mir schwer, einen Comic, der dem Autor persönlich sehr viel bedeuten muss, derart hart anzugehen. Ehrlicherweise muss man jedoch sagen, dass dem Spanier kein überdurchschnittlicher Comic geglückt ist.
Maria und ich
Reprodukt, April 2010
Autor/Zeichner: Miguel Gallardo
68 Seiten, zweifarbig, Hardcover, 14 Euro
ISBN: 978-3-941099-28-9

Uninspirierter, nüchterner Comic, der einem schwierigen Thema nicht gerecht werden kann
Abbildungen: © Reprodukt















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Riad ist acht Jahre alt, lebt in Syrien und möchte gerne ein cimmerischer Krieger sein, so wie Conan der Barbar. Beim gemeinsamen Pinkeln stellt er fest, dass sein Pimmel anders aussieht als die seiner Cousins. Denn, so wird es ihm erklärt: "Du hast nicht wie wir das Rad der Schmerzen ertragen." Dies soll sich aber bald ändern, denn Riads Vater eröffnet ihm, dass auch er bald beschnitten werden soll. Was so eine Beschneidung genau ist, was dabei passiert und welchen Zweck sie erfüllen soll, erfährt Riad allerdings nicht. Er muss es sich also selbst zusammenreimen.
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