JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

April 2012 Mai 2012 Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

von Benjamin Vogt Samstag, 19. Juni 2010


 Ich muss zugeben, dass mich beim Schreiben dieser Zeilen das schlechte Gewissen plagt. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass negative Kritik an einem sehr persönlichen Buch, welches von einem Familienmitglied des Autors handelt, zu üben, bei mir irgendwie Unbehagen auslöst.

In Maria und ich beschreibt Miguel Gallardo in Worten und Bildern die Verbindung zu seiner autistischen Tochter Maria. Vom Gefühl her steht Gallardos Werk damit in einer Reihe mit vergleichbaren Comics wie Die Heilige Krankheit (David B. erzählt von der Epilepsie seines Bruders) oder Mutter hat Krebs von Brian Fies, in denen Künstler ebenfalls die Krankheit eines geliebten Menschen thematisieren.

Gallardo skizziert auf über 60 Seiten einen Trip nach Gran Canaria nach, den er mit seiner Tochter unternommen hat. Anders jedoch als beispielsweise  bei David B. verbleibt die Erzählstruktur sehr oberflächlich und stützt sich vornehmlich auf aneinandergereihte Fakten. Maria und ich wirkt auch eher wie eine Anleitung für Eltern mit autistischen Kindern oder wie ein Plädoyer für die Einzigartigkeit von Gallardos Tochter, aber leider weniger wie ein strukturierter und stimmiger Comic. Schludrig und schemenhaft sind einzelne Bilder zwischen längere Textpassagen gekritzelt, fast hat es den Anschein, dass man eher in einer Reisereportage blättert, so akribisch wie der Autor die Trivialitäten des Alltags, Beobachtungen im Flugzeug, im Hotel, am Strand, zu vermitteln versucht.

 Der Bogen zum zentralen Thema, dem Autismus Marias, gelingt Gallardo nur immer wieder mit dem Holzhammer: Äußerst nüchtern kommentiert er alle Eigenarten seiner Tochter, das Zwicken gegenüber lieb gewonnen Menschen, ihre besondere Sprechweise oder ihr erstaunliches Erinnerungsvermögen. Zwischen all der Betonung, wie toll und einzigartig Maria trotz oder gerade wegen ihrer Behinderung doch ist, lässt der spanische Künstler eine konsistente Handlung vermissen. Maria und ich mangelt es zudem schlichtweg an Witz und Pointen.

Eine Seite in dem Buch verdeutlicht sehr gut, worauf sich die meisten meiner Kritikpunkte beziehen: Gallardo versucht, Marias Wirkung auf fremde Passanten zu verdeutlichen und zeichnet dazu ein ganzseitiges Bild, auf dem er und Maria als schattierte Umrisse von einer Wolke aus starrenden Augen beobachtet werden. Sicherlich kann man als Leser nachvollziehen, welche unangenehme Aufmerksamkeit hier angedeutet wird, aber zumindest bei mir hat das keine große Emotion ausgelöst. Und so zieht auch der Rest des Buches an mir vorbei, ohne mich besonders anzurühren.

 Was bleibt, ist ein Projekt, das wohl zum einen Teil als Hommage an Maria Gallardo gedacht war, zum anderen Aufklärung über Autismus betreiben soll. Letzteren Punkt unterstreicht auch der Abdruck von Piktogrammen, an denen sich Betroffene im Alltag visuell orientieren können, und kleinen Bildern, die typische Verhaltensweisen autistischer Menschen grafisch zusammenfassen.

Miguel Gallardos Ambitionen, ein Buch über seine Tochter zu fertigen, möchte ich hier nicht schlechtreden und, wie eingangs erwähnt, fällt es mir schwer,  einen Comic, der dem Autor persönlich sehr viel bedeuten muss, derart hart anzugehen. Ehrlicherweise muss man jedoch sagen, dass dem Spanier kein überdurchschnittlicher Comic geglückt ist.

 

Maria und ich
Reprodukt, April 2010
Autor/Zeichner: Miguel Gallardo
68 Seiten, zweifarbig, Hardcover, 14 Euro
ISBN: 978-3-941099-28-9



Uninspirierter, nüchterner Comic, der einem schwierigen Thema nicht gerecht werden kann


Jetzt bei ComicCombo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

 

Abbildungen: © Reprodukt




Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Prosopopus
     Ich dürfte wohl nicht der einzige gewesen sein, der sich über den seltsamen Titel „Prosopopus“ gewundert hat. Und auch nach dem Lesen des Bandes ist man nicht wirklich schlauer. Sprachlich abgeleitet ist Prosopopus von dem Begriff „Prosopopöie“, was aus dem Griechischen stammt und als rhetorisches Mittel für das Einsetzen einer abwesenden oder leblosen Person oder eines Tieres als Erzähler einer Geschichte gilt. - 28.11.2009
  • Meine Beschneidung

    Riad ist acht Jahre alt, lebt in Syrien und möchte gerne ein cimmerischer Krieger sein, so wie Conan der Barbar. Beim gemeinsamen Pinkeln stellt er fest, dass sein Pimmel anders aussieht als die seiner Cousins. Denn, so wird es ihm erklärt: "Du hast nicht wie wir das Rad der Schmerzen ertragen." Dies soll sich aber bald ändern, denn Riads Vater eröffnet ihm, dass auch er bald beschnitten werden soll. Was so eine Beschneidung genau ist, was dabei passiert und welchen Zweck sie erfüllen soll, erfährt Riad allerdings nicht. Er muss es sich also selbst zusammenreimen.

    - 07.12.2010
  • Hemingway

    In Hemingway führt Jason mit viel Humor durch ein recht pragmatisches Paris der Zwanziger Jahre. Der Comic bleibt trotz der fabulierten Geschichte und gerade wegen der kauzigen Charaktere bis zum Ende spannend.

    - 26.08.2011
  • X

    Warum sich einen komplizierten Titel ausdenken, wenn es doch ganz einfach geht? Comics von Charles Burns sind ja gemeinhin überhaupt nicht leicht zu verstehen. Das lässt die schlichte Bezeichnung  seines neuen Werkes, X, fast schon ironisch wirken.

    - 01.05.2012
  • drüben!

     

     

    teaser_drueben.jpg"Ich möchte ausreisen." – Es ist heute fast unvorstellbar, welche emotionale Wucht dieser einfache Satz in der DDR besaß. Wer einen Antrag auf Ausreise stellte und sich noch nicht im Rentenalter befand, wurde im realsozialistischen Einparteienstaat nach diesem Bekenntnis automatisch zum Dissidenten und Verräter an der guten Sache erklärt. Den daraus resultierenden Zustand der Unsicherheit und Ausgrenzung gibt Simon Schwartz in seinem autobiografischen Comic drüben! beeindruckend wieder, wenn er die Geschichte seiner Eltern erzählt, die den Entschluss zur Ausreise kurz vor seiner Geburt Anfang der 1980er fassten.

     

    - 19.01.2010