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von Benjamin Vogt Montag, 21. Dezember 2009

 Allein die Aufmachung von Andi Watsons neuestem Streich Liebe + Helden ist ein echtes Highlight: Das über 300 Seiten starke Werk des britischen Künstlers brilliert mit einem edlen Rundrücken und einem herrlich reduzierten Cover. Letzteres deutet mit einem großen roten Herzen, das von der Flugschneise eines Capeträgers durchkreuzt wird, bereits die Hauptkomponenten des Comics an. Es handelt sich um eine Mischung aus Liebeserzählung und Superheldenstory. Und das in einer derart ausgewogenen Art und Weise, dass man sich durchaus schwer tut, Watsons Arbeit der einen oder anderen Leserschaft zu empfehlen.

Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zwischen dem Comiczeichner Jack Newton und der Journalistin Nora Pepins. Beide leben in einer Stadt, in der Superhelden und -schurken sich täglich miteinander anlegen und in der Comicverlage und Klatschmagazine für die zur Selbstvermarktung neigenden Helden eine willkommene Plattform bieten. In dieser für normale Menschen unbegreiflichen Welt versuchen Jack und Nora eine möglichst unkomplizierte Beziehung zu führen.

 Was aber umso schwerer zu bewerkstelligen ist, da beide berufstechnisch eng mit den Aktivitäten der Superwesen verbunden sind und dieser Umstand ständig zwischen ihnen steht. So gerät gerade der durch die Medien ausgewalzte Skandal um den Helden namens „Flamer“ zum wahren Beziehungskiller: Ausgerechnet Jack, der sich in einer Stadt voller Supermänner ohnehin kümmerlich vorkommt, ist nämlich der Zeichner der äußerst mäßig laufenden Flamer-Comicreihe, was ihm persönlich nach den jüngsten Ereignissten um seine Titelfigur natürlich nicht gerade Aufwind verleiht. Zudem gerät Jack in konspirative Verwicklungen, in denen der Flamer, dessen mutmaßliches Baby und Jacks plötzlich sprechende Katze eine entscheidende Rolle spielen.

Trotz der spannenden Verschwörung im Milieu der Superhelden lässt Andi Watson niemals die eigentliche Lovestory aus den Augen. So schwelt unter der Oberfläche z.B. immer Jacks mangelndes Selbstvertrauen und seine Eifersucht, die sogar dazu führt, dass er Noras Faszination für Helden als potentielle Untreue in Verdacht behält. Auch im Hinblick auf die Länge von über 300 Seiten hat man hier selten das Gefühl, dass die Spannung auf dem Weg verloren geht, weder in Sachen Liebe, noch bei der übernatürlichen Aufklärung.

 Für Marvel- oder DC-Fans zu soaplastig, für den Independentfreund zu unrealistisch, ist Liebe + Helden eine ungewohnte Kombination, deren Formel jedoch im großzügigen Grau dazwischen perfekt aufgeht. Dabei verlässt sich Watson auf seinen reduzierten Schwarz-Weiß-Stil, wie man ihn aus Werken wie Breakfast After Noon oder Little Star (beide ebenfalls bei Modern Tales erschienen) kennt und der das unterhaltsame Großstadtdrama nüchtern, aber lebensnah umsetzt.

Schlussendlich gewinnt die Erzählung auch durch den Umfang an Gewicht, wird doch sowohl die Liebesbeziehung als auch die Verschwörung im weiteren Verlauf stetig komplexer und damit für den Leser umso interessanter. Watson ist somit ein brillantes, vielleicht sogar sein bislang bemerkenswertestes Werk gelungen.

Liebe + Helden
Modern Tales, November 2009
Autor/Zeichner: Andi Watson
Hardcover, 320 Seiten, schwarz-weiß, 28 Euro
ISBN: 978-3-939585-12-1

Brillanter Genremix

 

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Abbildungen: © Modern Tales

 



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