JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

April 2012 Mai 2012 Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

von Andreas Völlinger Dienstag, 02. März 2010

leroydexter.jpgNano liegt zwischen Mikro und Piko und steht für den milliardsten Teil einer Maßeinheit. Mit anderen Worten: Unglaublich winzig. So klein, dass einem schummerig wird, wenn man länger drüber nachdenkt. Leroy und Dexter sind Forscher im Nanoformat (Müsste man sie "Nanoben" nennen?), die sich ihrer Winzigkeit bewusst sind und innerhalb ihres skurrilen Mikro-, Verzeihung, Nanokosmos den großen und kleinen Fragen des Daseins auf den Grund gehen. Sie treffen dabei auf drollige Hormone, betreiben Kernspaltung von Hand, verzocken ihre Kohle beim Spermarennen und werden von anarchistischen Freien Radikalen heimgesucht.

Neben der altbekannten, aber immer wieder gut funktionierenden Duo-Dynamik zwischen arrogantem Besserwisser (Leroy) und gutmütigem Naivling (Dexter) leben die in diesem Band gesammelten Comic-Einseiter vor allem von der geballten Experimentierfreude ihres Machers Thomas Gilke. Stil- wie Farbpalette kennen scheinbar keine Grenzen: Von Minimal- und Popart über Bildcollagen, Old-School-Superheldenlook bis zu Schulheftzeichnungen mit dickem Filzstift wird hier kaum eine Möglichkeit ausgelassen, die Farbpalette dazu von oben bis unten geplündert - ohne Scheu vor knalligen Neonkolorierungen, was oftmals eine schicke LSD-Trip-Atmosphäre erzeugt. (Passend dazu gibt Dexter in einem Strip seine ganz eigene Version von "Lucy in the Sky with Diamonds" zum Besten.) Selbst die flacheren Kalauer, die bei einem in kurzen Abständen regelmäßig erscheinenden (in diesem Fall wöchentlichen) Strip wohl nie ausbleiben, sind einfach zu schön verpackt, um sie nicht wohlwollend grinsend durch die Gagkontrolle zu winken. Und ab und an wird es überraschend tiefgründig, wenn sich die Nanofiguren mit existenziellen Makroproblemen rumschlagen.

leroydexter1.jpg Die Welt der beiden Forscherkollegen ist dabei nicht nur der Nanokosmos, sondern der Comicstrip an sich. Die Seiten, Panels und Sprechblasen sind für die Winzhelden materielle Umgebung und werden oftmals kreativ in die Handlung und Gags miteinbezogen. So werden Zeitreisen über mehrere Panels oder zwischen verschiedenen Strips unternommen und Seitenlayouts von den Figuren demoliert. Diese selbstreferentielle, spielerische Verknüpfung von Form und Inhalt des Comics sind neben allem Spaß auch eine netter Fingerzeig auf oft unbeachtete Möglichkeiten des Mediums.

Unter den 111 in diesem schön designten Hardcover gesammelten Episoden findet sich außerdem eine ganze Reihe von illustren Gastbeiträgen aus den Zeichenfedern von unter anderem Leo Leowald, Kai Pfeiffer und Fil, der auch das beinahe seriöse Vorwort lieferte. Bei manchen vermeintlichen GastzeichnerInnen handelt es sich jedoch um Phantomkünstler, unter deren Anagramm-Namen Gilke noch mehr stilistische Abwechslung kredenzt (z.B. die großartig-minimalistischen Strips mit den Körperzellen Judith und Werner) - eine extrem unterhaltsame Spielart von künstlerischer Schizophrenie.

leroydexter2.jpg Die Entstehungsgeschichte der Stripserie ist übrigens fast genauso abstrus, wie die Abenteuer von Leroy und Dexter: Basiert das Ganze doch auf Comicfiguren, die in Sputnitschick, einem sowjetischen Jugend(propaganda)magazin für die ehemaligen Ostblockländer Ende der 1970er/Anfang der 1980er auftraten. Nach Entdeckung dieses schrägen Kleinods aus der Ära des Kalten Krieges beschloss Gilke, dem Comic neues Leben zu bescheren. (Hätte der Schreiber dieser Zeilen die russischen Originale nicht mit eigenen Augen in einer Ausstellung auf dem Comicfestival München gesehen, hätte er das wohl kurzum als recht kreative Märchengeschichte abgetan.) Ursprünglich erschien seine Neuinterpretation auf der von Ulli Lust herausgegebenen Onlineplattform electrocomics.com. Und das macht Leroy & Dexter zu einem bestechenden Plädoyer für Webcomics als Hort der kreativen Entfaltung. Denn eine Zeitung hätte sich wohl kaum an den Abdruck dieses Strips gewagt. Doch schön, dass es jetzt auch diese ausgesprochen feine Printversion gibt. Denn nur fürs Netz ist ein Comic wie Leroy & Dexter viel zu schade.*

 

* Obwohl der Autor die Vorteile von Webcomics anerkennt und sie als willkommene Bereicherung sieht, bevorzugt er Printcomics gnadenlos, was mit Sicherheit nicht fair ist. Aber dafür ehrlich.


Leroy & Dexter
Avant-Verlag, Juni 2009
Text und Zeichnungen: Thomas Gilke
Hardcover, farbig, 134 Seiten, 19,95 Euro
ISBN: 978-3-939080-35-0

 

 Gut










Einer der skurrilsten und experimentierfreudigsten Comicstrips der letzten Jahre!


Jetzt bei Comic Combo  anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen © Thomas Gilke, Avant-Verlag



Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Hemingway

    In Hemingway führt Jason mit viel Humor durch ein recht pragmatisches Paris der Zwanziger Jahre. Der Comic bleibt trotz der fabulierten Geschichte und gerade wegen der kauzigen Charaktere bis zum Ende spannend.

    - 26.08.2011
  • Struwwelpeter - Das große Buch der Störenfriede & Struwwelpeter - Die Rückkehr
     Vor 200 Jahren wurde Heinrich Hoffmann geboren, der Frankfurter Arzt, Psychiater, Schriftsteller und Zeichner, dessen berühmtestes Werk Der Struwwelpeter ist. 1845 erstmals erschienen, wurde das Kinderbuch ein weltbekannter Bestseller, der aus heutiger Sicht vor allem durch seine brachiale Pädagogik beeindruckt. Der Struwwelpeter ist ein Reigen unartiger Kinder, die alle als schlechte Beispiele präsentiert werden. Die Kinder sollten sehen, mit welch schlimmen Konsequenzen zu rechnen ist, wenn man nicht brav und folgsam ist und beispielsweise ständig herumzappelt, am Daumen lutscht oder seine Suppe nicht aufisst. - 28.07.2009
  • Die letzten Geheimnisse einer rationalen Welt
     In Retrospektive betrachtet haben die Schweizer im vergangenen Jahr nicht gerade zur Verbesserung ihres Ansehens in Europa beigetragen. Nicht nur der Volksentscheid zum Minarett-Verbot, sondern auch die nicht ganz unumstrittene Festnahme von Roman Polanski, haben die Eidgenossen und ihre hoch gelobte Neutralität schlecht aussehen lassen. Anstatt diese Großereignisse aufs Korn zu nehmen, richtet der Comiczeichner Ruedi Widmer seinen Blick lieber auf den Schweizer Alltag und seine Individuen. Durch diese Hintertür gelingt es ihm, neben den Marketingstrategien der Schweizer Post und neuen Handyangeboten zum Schluss doch noch kritische Themen, wie eben den Minarettbeschluss, humoristisch zu hinterfragen. Die letzten Geheimnisse einer rationalen Welt erscheint seit 2000 als wöchentliche Comic-Kolumne in der Winterthurer Zeitung Der Landbote und liegt nun in gebundener Form vor (Sewicky Verlag). Widmer beweist in dieser Sammlung, dass Selbstreflexivität sehr wohl ein Schweizer Gut ist.


    - 12.01.2010
  • 7 Jahre mit Garg

     Garg, das ist ein kleines, hellbläuliches Monster-Mädchen. Es wohnt beim erfolglosen Schriftsteller Benni, der Garg irgendwann einfach vor seiner Haustür fand. Das Zusammenleben des bücherverschlingenden, abenteuerlustigen Wesens mit seinem inoffiziellen Adoptivpapa schildert das kreative Duo ASP (dahinter verbirgt sich Alexander F. Spreng, Autor und Sänger der gleichnamigen Gothic-Band) und Ingo Römling, der als Zeichner auch unter der Pseudonym „monozelle“ unterwegs ist (Übrigens ist das nicht das erste Comicprojekt der beiden, denn 2006 erschien bereits ihre Kollaboration Varieté Obscur als Printcomic).

    - 15.09.2010
  • Epidermophytie 14
    Epidermophytie 14Stellt Euch einfach mal vor, Ihr bekämt die Zusammenfassung der Handlung (!) eines Pornofilms (hier: deutscher Erotikfilm, auch als Lederhosenfilm bekannt) vorgesetzt, ohne diesen zu kennen. Könnte ja sein. Und nun sollt Ihr auf maximal sechs Seiten zeichnerisch umschreiben, was Ihr glaubt, worum es in dem Film geht. Verspricht spaßig zu werden, oder? Genau das haben sich die Jungs des Berliner Comicmagazins auch gedacht und ihr zweijähriges Epidermophytie-Zölibat pünktlich zum Comic-Salon 2008 gebrochen. - 15.06.2008