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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Daniel Wüllner Donnerstag, 26. August 2010
Geboren in den großen amerikanischen Zeitungen fristet der Comic seit über hundert Jahren ein Dasein irgendwo in einer undefinierbaren Nische zwischen der Populär- und Hochkultur. In unserem neuen Jahrtausend sprießen zwar immer mehr Projekte, die darum bemüht sind, dem Comic seine alte Größe (sowohl vom Format als auch vom Ansehen) wiederzugeben, doch die Kultur des ganzseitigen Comics scheint verloren. Vom alternativen Kramer's Ergot 7 über DCs Mainstreamcomics in Wednesday Comics bis hin zu Dave Eggers eigenwilligem Zeitungsprojekt San Francisco Panorama werden Comicstrips auf Zeitungspapier gepresst ohne dabei eine natürliche Regelmäßigkeit zu erzeugen.
Obwohl die Comic-Connoisseure Armin Abmeier und Helmut Kronthaler bemüht sind, eine lückenlose Chronologie des Comicstrips von eben diesen Anfängen bis heute im Vorwort nachzuzeichnen und dabei auch unbekanntere Strips wie Naughty Pete ans Tageslicht zu bringen, wäre am Ende eine kurze Einführung in Le Monde Diplomatique und den Stellenwert der dort veröffentlichten Comics wünschenswert gewesen, um wirklich als Einleitung in den Band zu dienen.
Nicht nur das Format der Comics, sondern auch das teure Papier der Reproduktion machen Lust, in die Welt dieser Comics einzutauchen. Eine Welt bevölkert vom Who is Who der derzeitigen Comic-Avantgarde: Von Henning Wagenbreth und Max Anderson über Anke Feuchtenberger und Olivier Schrauwen bis hin zu Gipi und Amanda Vähämäki sind alle Nationen und Altersklassen vertreten.
Stellvertretend sei hier nur Hennig Wagenbreths Beitrag vorgestellt, dessen Texte, laut Autor, „maschinell hergestellt wurden“ und mit „'tobot-automatische Illustrationssysteme' illustriert“ wurden. Das Resultat spiegelt die Absurdität einer wirtschaftsorientierten Welt wider, in der „Jugendliche befürchten, Arbeitslose werden rückwärts über Steine stürzen“.
Le Monde Diplomatique: In 50 Comics um die Welt
Reprodukt, Mai 2010
Text und Zeichnungen: Diverse
Herausgeber: Karoline Bofinger
64 Seiten, farbig, Hardcover, 28,00 Euro
ISBN: 978-3-941099-45-6
Leseprobe
Ein äußerst ansehnliches Familientreffen der internationalen Comic-Avantgarde
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Quasi im Eigenverlag legt Frank "Spong" Plein hier den Auftakt zu einem kleinen Epos vor, in dem die Hauptfigur Steffen eher mit dem Leben - und vor allem der Liebe - hadert, als es frohgemut zu durchwandern. Damit hat Spong einerseits das Rad nicht neu erfunden, aber der Comic kommt andererseits so frisch und authentisch, so komisch und doch tragisch rüber, dass er was ganz Besonders ist.
- 05.07.2006
Suburbia – die Hölle der Vorstadt, der vermeintlich so idyllischen Wohn- und Schlafsiedlungen, in denen sich ein Häuschen mit Garten ans nächste reiht und das nahe Einkaufszentrum das einzige ist, was ein bisschen Abwechslung im faden Alltag verspricht. Oder die Bowlingbahn. Und weil das meistens nicht reicht, hilft man mit Drogen, Alkohol und freudlosem Sex nach. In Der König der Fliegen berichten sechs verschiedene Protagonisten in zehn kurzen Episoden aus ihrem trostlosen Alltag in dieser Welt.
Herakles, die sagenumwobene griechische Heldenfigur, ist der Sohn des Zeus und damit ein echter Halbgott. Sein getreuer Begleiter und bester Freund Sokrates ist nach eigenem Bekunden ein Halbhund: halb Hund, halb Philosoph. Dass dieser dabei den Namen eines berühmten philosophischen Vorbildes trägt, ist natürlich ein deutlicher Hinweis auf die Rolle des sprechenden Kläffers in der neuen Serie von Joann Sfar und Christophe Blain.
Hört man das Stichwort Piraten, so fallen einem entweder die aktuellen
Ereignisse vor der Küste Somalias ein, oder jene Piraten, die wir aus
dem Kino kennen: die verwegenen Freibeuter der Meere, nur echt mit
Augenklappe, Holzbein und Papagei auf der Schulter. Die Piraten, von
denen Lewis Trondheim in seinem neuen Comicroman Insel Bourbon 1730
erzählt, gehören weder zur einen noch zur anderen Fraktion. Gemeinsam
mit dem Szenaristen Appollo versucht er ein realistisches Bild von der
Zeit zu zeichnen, als die große Ära der Piraterie zu Ende ging.
- 30.12.2008
26 Jahre ist der Franzose Bastien Vivès erst alt, hat aber bereits
etliche eigene Comics veröffentlicht. Einer davon, Le Goût du chlore,
bekam 2009 beim Festival von Angoulême den Prix Révélation als bestes
Werk eines Nachwuchskünstlers. Bei Reprodukt erscheint mit diesem Buch
nun erstmals ein Comic von Vivès auf Deutsch. Sehr viel
Übersetzungsarbeit musste der Verlag hier nicht investieren, denn mit
Dialogen hält sich der Künstler sehr zurück.
- 09.09.2010