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von Jons Marek Schiemann Dienstag, 13. Dezember 2011

Cover Lance 2 Von der auf insgesamt fünf Hardcover-Alben angelegten Veröffentlichung der klassischen Westernserie Lance liegt nun der zweite Band vor, wobei einige starke Veränderungen im Vergleich zum ersten auszumachen sind.

Das liegt zum einen daran, dass der Erfolg von Lance damals, in den Fünfziger Jahren, dazu führte, dass Warren Tuft nicht mehr nur Sonntagsseiten schuf, sondern auch auf "Daily Strips" auswich. Interessanterweise laufen die in dem jeweiligen Erzählformat geschilderten Ereignisse parallel. Zum größten Teil kann man sich auf die Sonntagsseiten beschränken, oder nur die Dailies lesen. Die Sonntagsseiten wirken manchmal wie eine wöchentliche Zusammenfassung der Geschehnisse, liefern aber auch einen Ausblick darauf, was in den Tagesstrips noch kommt. Wie es bei Zeitungscomics üblich ist, waren die täglichen Strips in Schwarz-Weiß gehalten und können somit nicht mit der großartigen Kolorierung der Sonntagsseiten punkten. Dafür offenbart sich die Meisterschaft von Tufts auch darin, dass er geschickt mit Graustufen arbeitet und damit eine ebensolche Wirkung erschafft.

Seite aus Lance 2 Natürlich sind auch die großformatigen, beeindruckenden Panels auf die Sonntagsseiten beschränkt. Man muss also gegenüber dem ersten Band, der ausschließlich Sonntagsseiten enthielt, leichte graphische Einschränkungen konstatieren. Dafür gewinnt die Story deutlich, da sie durch das Daily-Format um einiges dynamischer und temporeicher wurde. Was nicht verwundert, da die Leser sich ja schon auf den nächsten Tag und ihren Lance freuen sollen.

Zunächst muss die Bedrohung durch die Komantschen (siehe Band 1) bewältigt werden, wobei sich Lance danach in emotionale Angelegenheiten verstrickt sieht, die tragisch enden werden. Der Hauptteil der Story besteht dann aus dem intrigenreichen, spannenden und tragischen Kampf gegen einen Monopolisten, der die Trapper mit überhöhten Preisen gängelt. Lance unterstützt verbotenerweise einen Geschäftsmann, der dieses Monopol brechen will. Vor allem dessen Tochter gerät in Gefahr und treibt Lance in ihm unangenehme Richtungen.

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Seite aus Lance 2 Der erste Band erinnerte von der Struktur und vom Inhalt her noch sehr an Prinz Eisenherz, nur dass halt kein fahrender Ritter, sondern ein fahrender Leutnant im Westen der Held ist. Hier sind jedoch deutliche Anzeichen der Emanzipation zu finden. Sowohl inhaltlich, da das geschilderte Intrigenspiel nur in einem kapitalistischen Umfeld funktioniert, als auch formal. Zum einen geschieht das natürlich durch die Hinzunahme der Dailies, aber auch durch den Verzicht auf die rein auktoriale Erzählweise. Tufts führte nun Sprechblasen ein, was eine zusätzliche Dynamik erzeugt und den Comic nicht mehr so träge wirken lässt. Generell kann dieser Band mit Spannung, Intrigen, Drama und Action aufwarten. Parallelmontagen dienen dabei als bevorzugtes Mittel. Es gibt einige köstliche, aber auch einige sehr dramatische Liebesszenen und als Prise zwischendurch ist feiner Humor eingestreut. Diese Epoche des (Format-) Umbruchs zeigt nicht nur das zeichnerische Können von Tufts, sondern auch, wie seine Handschrift immer sicherer und eigenständiger wird.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Emanzipiert sich mit dem zusätzlichen Format der Dailies von seinen Vorläufern und gewinnt einiges an Dynamik


Lance, Band 2: Sundays 72 – 105, Dailies 1 - 126
Bocola Verlag, November 2011
Text und Zeichnungen: Warren Tufts
80 Seiten, schwarz-weiß / farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-939625-36-0
Preis: 17,90 Euro
Leseprobe (PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Bocola



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