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(Vortrag/Diskussion)
von Jons Marek Schiemann Dienstag, 17. Mai 2011
Was ist eigentlich so verkehrt an rein historischen Comics? Wieso müssen neue historisch orientierte Serien sich häufig der Faktentreue verweigern und sich stattdessen einem Genremix hingeben? Mittlerweile wäre eine treue Historienadaption mal sehr außergewöhnlich. Aber die Herangehensweise, mehrere Genres zu mischen, hat natürlich auch Vorteile. So wäre historische Faktentreue ein Gerüst, welches die Handlung stark einschränken würde, da man sich nicht beliebig viele Freiheiten nehmen kann. Meist bleibt die Faktentreue denn auch auf das Dekor beschränkt. Andererseits hat Geschichte immer genügend weiße Flecken, die von Fantasie und Schöpferkraft gefüllt werden können. Man kann eben nie alles über das Vergangene wissen. In der Kombination von Tatsachen und anderen Faktoren werden erstere nicht nur glaubwürdiger, sondern reizen auch die Fantasie des Lesers eben aufgrund der weißen Stellen der Geschichte. So kann man ein grobes historisches Gerüst mit vielen Elementen anreichern, die eindeutig der Fantasie entspringen, aber in der Kombination mit dem Wahren den Anschein erwecken, dass es so hätte sein können.
In Kreuzfahrer von Izu und Alex Nikolavitch dient der gescheiterte fünfte Kreuzzug als Ausgangspunkt. In der ägyptischen Stadt Damiette wurde das Kreuzfahrerheer von einer ungewöhnlichen Pest dezimiert und musste sich geschlagen geben. Soweit die Fakten (auch real existierende Personen wie die Päpste treten auf). Im Comic wird nun konstatiert, dass die sogenannten „Assassinen“ für die Seuche verantwortlich waren und alchemistische Künste praktizierten, um Monster zu erschaffen, die als Waffe dienen sollten. Wilhelm von Sonnac, ein Tempelritter und Forscher, macht sich mit einer kleinen Schar von Rittern Jahre später daran, das Rätsel zu lösen. Mit einem Mongolen als ungewöhnlichem Verbündeten geraten die Templer aber in des Teufels Küche. Oder besser: in seine Speisekammer.
Wie schon seit mehreren Jahren sehr beliebt (z.B. in Das Dritte Testament, Missi Dominici und Das fünfte Evangelium), wird hier ein Historiencomic als Mysterythriller entworfen. Diesmal sind aber weniger christliche Elemente enthalten, sondern stattdessen ein ordentlicher Schuss Horror mit dazugehörigen Splattereinlagen: Königreich der Himmel trifft Resident Evil. Gut, der Genremix funktioniert einigermaßen. Denn warum sollte es Zombies und verwandte Monster nur in der Neuzeit gegeben haben (siehe dazu auch The Zombie Survival Guide – Recorded Attacks von Max Brooks)? Allerdings lässt das letzte Panel mit seinem Cliffhanger den Leser dann doch den Kopf schütteln. Das ist eindeutig zu viel des Guten. Aber man ist schon auf den nächsten Band gespannt, ob sich die diesmal negativ gefärbte Erwartung bestätigen wird.
Dennoch ist der Band recht unterhaltsam und spannend zu lesen. Das liegt zum einen an der Story und an der Gruppendynamik zwischen den handelnden Personen, die sich wahrlich nicht immer verstehen. Vor allem Wilhelm und sein Bruder sind verfeindet, aber auch das Misstrauen gegenüber zwei neu dazu gestoßenen Figuren ist groß. Die Animositäten innerhalb der Gruppe sind aber nicht immer deutlich herausgearbeitet. Sie sollten wohl nicht die Handlung verschleppen. Zum anderen haben die sehr detailreichen und dynamischen Zeichnungen von Zhang Xiaoyu großen Reiz. Der asiatische Background des Zeichners ist nicht zuletzt bei den Speedlines in den Actionszenen zu bemerken, die eindeutig von Manga beeinflusst worden sind. Die Hintergründe sind sehr detailreich ausgeführt, und vor allem kann auch die Farbgebung (Zhou Hualong und Li Jian) glänzen. Besonders die Lichtsetzung ist sehr gelungen und schafft nicht nur Stimmungen, sondern passt sich auch den jeweiligen geographischen Standorten an und vermag es somit, die Exotik der Schauplätze zu verstärken.
Wertung: ![]()
Kreuzzüge sind wieder "in", aber hier in Verbindung mit Horror sehr unterhaltsam und spannend.
Kreuzfahrer 1 - Das Gespenst mit den Silberaugen
Splitter Verlag, April 2011
Text: Izu, Alex Nikolavitch
Zeichnungen: Zhang Xiaoyu
Seiten, farbig, Hardcover im Buchformat
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-334-8
Leseprobe
Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Unübersehbar erleben die Piraten nicht nur auf den realen Meeren eine Renaissance, sondern auch im Comic. Beschränken sie sich auf der großen Leinwand auf die Fluch der Karibik-Filme, so kamen im Comicbereich allein in den letzten Monaten gleich mehrere neue Serien auf den deutschen Markt, welche die Segel setzen. Barracuda und Das Testament des Captain Crown sind nur die neuesten. Mit Isaak der Pirat oder An Bord der Morgenstern gab es auch schon einige Monate vorher Comics, welche einen neuen Blickwinkel auf die Piraten suchten. Das macht Unter Schwarzer Flagge ebenso und auf ganz eigene Weise.
Es ist zweifellos eine sehr ungewöhnliche Geschichte: Ein junger deutscher Comicleser ist vernarrt in die Werke von Hermann (Comanche, Jeremiah, Die Türme von Bois-Maury) und schreibt ihm jahrelang Briefe. Bis dieser eines Tages zurückruft und aus einigen Telefonaten eine Freundschaft entsteht. Viele Jahre später darf jener Leser schließlich ein Comic-Szenario für sein Idol schreiben. Ein wahrgewordener Fanboy-Traum.
Die lebenden Toten, besser bekannt als "Zombies", sind zur Zeit ein höchst populäres Thema, mit dem sich etliche Comicserien befassen. Dass die fleischhungrigen Wesen mit dem ungesunden Teint auch auf deutschem Boden ihr Unwesen treiben, ist allerdings neu. Eine massive Zombie-Epidemie sähe hierzulande sicher anders aus als etwa in den USA, zum Beispiel weil bei uns viel weniger Menschen eine Schusswaffe im Kofferraum oder im Nachttisch liegen haben.
- 20.10.2010
Schon der erste Band der neuen Westernserie Wanted suchte sich deutlich einen Weg durch die vielen Genrevorläufer und streifte dabei prominente Vertreter wie etwa Leutnant Blueberry und Durango. Inhaltlich blieb es zunächst überschaubar: Der Kopfgeldjäger Wanted verbündet sich mit dem Halbblut Yaqui Jed, um die Mörder von dessen Familie zu finden. Diese, die Brüder Bull, haben sich mittlerweile zerstreut und am Ende konnten die beiden Jäger nur zwei der Brüder stellen.
So langsam wird deutlich, worum es in der ersten Storyline der Serie Eco Warriors genau geht. Die geheimnisvolle Ampulle des ersten Bandes enthält ein Protein, das mit illegalen Methoden Orang-Utans entnommen worden ist. Während zwei große Pharmakonzerne um die Patente streiten, wollen sie alle Spuren im Dschungel von Sumatra vernichten. Chris und seine herbeigerufenen Freunde der „Eco Warriors“ suchen derweil nach der im Dschungel verschwundenen Eva und ahnen nicht, dass diese Suche ein Wettlauf gegen die Zeit ist.