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(Vortrag/Diskussion)
von Jons Marek Schiemann Samstag, 16. April 2011
Ein typisches Stilmerkmal von Sokal kommt auch in seiner neuen, auf zwei Bände angelegten Serie Kraa zur Geltung: das Anthropomorphisieren von Tieren. Allerdings geschieht das hier auf eine sehr geschickte Art und Weise und gliedert sich hervorragend in die Story ein. Erzählt wird von einem Indianerjungen, der in geistiger Verbindung mit einem großen Adler steht. Gemeinsam versuchen sie, gegen die industrielle Inbesitznahme ihres Tales zu kämpfen. Dabei stehen sie ziemlich auf verlorenem Posten, denn die Landnehmer scheuen auch nicht davor zurück, einen ganzen Indianerstamm auszurotten. Während in Inspektor Canardo alle Personen Tiere sind, ist in Paradise bereits die geistige Schicksalsverbundenheit eines Menschen mit einem Tier vorhanden. War es dort aber noch ein eher nebensächliches Element, ist diese Symbiose in Kraa zentraler Bestandteil der Story. Hier ergibt es auch Sinn, da Indianer als besonders naturverbunden gelten und das "Gedächtnis der Erde" sein sollen. Besonders der Adler wurde bei ihnen verehrt, Adlerfedern galten als hohes gesellschaftliches Statussymbol.
Die Verbindung zwischen Indianer und Adler ist also nicht überraschend, und die Grundzüge der Story – der Kampf der naturverbundenen Indianer gegen kapitalistische Weiße – sind uralt. Der Clou besteht aber zum einen darin, dass die Geschichte stellenweise aus der Sicht des Adlers geschildert wird. Und zum zweiten vermeidet Sokal zum Glück auch jeglichen mystischen und esoterischen Kitsch und hebt die Indianer nicht auf ein „Heiligenpodest“. Vielmehr zeigt der Band einen etwas distanzierten Respekt, Spiritualität wird in die Story eingebettet und wirkt niemals aufgesetzt. Er schafft es, die Geschichte eher nüchtern zu erzählen, aber dennoch den Leser zu packen und zu schockieren. Niemanden wird diese Story kalt lassen.
Dabei ist die Geschichte kein klassischer Western, sondern schätzungsweise in den Zwanzigern oder frühen Dreißigern des 20. Jahrhunderts angesiedelt. So vermeidet Sokal Genreklischees und schildert vielmehr eine Art verspätete Industrialisierung in einem noch wilden Landstrich. Er zeigt einen Raubtierkapitalismus, der sich keinen Deut um Menschen schert. Parallelen zu aktuellen Ereignissen durchziehen den ganzen Band und machen die Geschichte noch erschütternder.
Sokals Comic ist sensibel, spannend, bewegend und schockierend. Dazu passend verwendet er durchgehend sehr gedeckte Farben und suggeriert damit eine permanente Dämmerungsstimmung. Sei es nun das Verschwinden der Naturverbundenheit und eines ganzen Zeitalters (Abenddämmerung) oder das Heraufsteigen des Kapitalismus (die Morgendämmerung), die Farben deuten beides an und entfalten eine doppelte Symbolik. Zeichnerisch ist Sokal auf der Höhe seines Könnens, wenngleich manchmal die Augen der Figuren etwas misslungen sind. In dynamischen Bildern wird der Gegensatz der schönen Natur gegen die hässliche Stadt und deren Menschen hervorgehoben. Auch wenn die ein oder andere Stelle etwas brutal ausgefallen ist: Der große Pluspunkt an Kraa ist, dass Sokal nie übertreibt, sondern es versteht, auf dezente Weise eine maximale Wirkung zu entfalten.
Wertung: ![]()
Dem Zauber dieses starken Bandes, der auch wütend macht, kann sich wohl niemand entziehen.
Kraa 1 - Das verlorene Tal
Splitter Verlag, Februar 2011
Text und Zeichnungen: Benoit Sokal
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80
ISBN: 978-3-86869-209-9
Leseprobe
Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag















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Rezensionen




Es beginnt mit einem Arschloch. Gleich im allerersten Panel dieses
Manhwas bekommen wir den Hinterausgang eines Pferdes zu sehen sowie
das, was dort rauskommt. Ein bezeichnender Auftakt, denn Kwan Gaya
schert sich einen Dreck um Konventionen. Sein Epos Sonne und Mond,
das in drei Teilen bei Shodoku, dem Asien-Label von Schreiber &
Leser, erschienen ist, passt in keine Schublade. Es verwendet zwar
reichlich Klischees und Versatzstücke aus diversen Genres, setzt diese
aber so dreist zusammen, dass etwas völlig Eigenständiges entsteht.
- 16.12.2008
„Geboren aus den Wikingersagen und der Musik von Richard Wagner“ verrät der Rücken dieses Albums und man kann sich
bestens vorstellen, wie der Zeichner Alex Alice in stürmischer Nacht in seinem
Atelier saß, die Stereoanlage mit Wagners musikalischer Vertonung des
Nibelungenstoffs voll aufgedreht hatte und sein Zeichenstift Leben in
die alten Sagen brachte. Die Bilder, die der französische Künstler
schuf, sind – ganz dem Stoff angemessen – episch und kraftvoll. Da
stöbern wild die Schneeflocken, wallt und wabert der Nebel und zucken
die Blitze, dass es eine Freude ist.

Hier liegt mal wieder ein richtig gelungenes Cover vor. Es ist sehr stimmungsvoll und passend zum Inhalt. Beherrscht wird es von grimmig aussehenden, schwer bewaffneten Männern, welche eine zierliche junge Frau schon fast aus dem Bild drängen. Diese lächelt geheimnisvoll und steht ziemlich unbeeindruckt und entspannt gegenüber diesen waffenstarrenden Machos. Und wer genau hinsieht, kann entdecken, dass sie auf dem Mittelfinger der hinter dem Rücken gehaltenen Hand einen Schmetterling balanciert. Äußerste Zartheit und Zerbrechlichkeit steht einer geballten destruktiven Kraft gegenüber. Ein hervorragendes Titelbild, welches sehr gut die bedrohliche, aber auch zarte und heitere Stimmung des Bandes trifft.