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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 28. Juni 2007
Schließlich übernehmen Thomas' Tante und Onkel seine Vormundschaft, während der Vater aufgrund seiner Verfassung in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wird. Doch auch wenn Thomas seine Mutter nie mehr wieder sehen wird, hat er schon einen Plan, um zumindest seinen Vater zu retten...
Paul Hornschemeier gelang mit der Graphic Novel Komm zurück, Mutter eine ungemein gut gemachte Comicerzählung. Dabei fängt deren erstes Kapitel auf der allerletzten Seite an. Ein besonderer Kunstgriff, den Hornschemeier vollbringt, indem er in seinem kompletten Buch lediglich die Einführung der fiktiven Hauptfigur Thomas Tennant abdruckt. Durch seine Augen lässt der US-Künstler quasi die Vorgeschichte zu einem Werk berichten, das es nie gab. Durchaus eine innovative Idee, aber kurz gesagt nichts anderes als eine biografische Ich-Erzählung in ungewöhnlicherem Rahmen als gewohnt.
Die Geschichte berührt und es ist faszinierend, inwiefern Vater und Sohn sich nach dem Tod verändern, respektive wie sie es schaffen, mit dem Verlust in ihrem Leben umzugehen. Thomas wird schnell erwachsener als er sein sollte, kümmert sich um seinen Vater, weil er spürt, dass er ihm, ob mit oder ohne Held mit Löwenmaske, helfen muss. Und tatsächlich verfällt der Vater in tiefe Depression und lebt teilnahmslos vor sich hin.
Beide Zustände werden hier sehr eindringlich und gut geschildert. Der Plot hebt sich mit seiner Betrüblichkeit und ruhigen Bebilderung klar ab und lässt den Leser tieftraurig die letzte Seite umblättern.
Hornschemeiers Zeichnungen weisen eine simple, reine Struktur auf, seine Farben und Symboliken sind bewusst einfach gehalten und halten sich dezent zurück. Immer weiter gibt sich der Band auch der naiven, kindlichen Bildsprache hin, z.B. dann, wenn Onkel und Tante als Vogel und Katze erscheinen, Thomas selbst natürlich als Löwe.
Die einzelnen Panels für sich genommen, ist der Comic weder auf grafischer noch inhaltlicher Ebene sonderlich spektakulär, aber die Übergänge zwischen den Bildern, die kleinen Momente oder die Reproduktion einer ganz spezifischen Gefühlslage sind hingegen atemberaubend. Dabei sieht man letztlich, wie professionell der Künstler mit einem schwierigen, gefühlsechten Thema zurecht kommt und auf das Medium Comic zu übertragen weiß.
Komm zurück, Mutter ist ein geniales Debüt von Paul Hornschemeier in deutscher Sprache, und der Comic, der mich seit Mutter hat Krebs von Brian Fies (auch dabei geht es um Tod und Krankheit eines Familienmitglieds) am nachdenklichsten zurückgelassen hat.
Komm zurück, Mutter
Text und Zeichnungen: Paul Hornschemeier
Carlsen; 128 Seiten; Hardcover; 16,- Euro
ISBN 978-3-551-74877-5















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Matthias Gnehms neuester Comicband ist ganz und gar nicht
einfach zu goutieren, und noch schwerer ist es dann, das darin Enthaltene angemessen
zu beschreiben. Denn der Züricher Autor und Zeichner hat sich mit Das
Selbstexperiment ein immens vielschichtiges Verwirrspiel erdacht, mit dem er
die Konzentration des Lesers aufs höchste fordert.
Nachdem ich Katrin Baumgärtners Mundkopf zum ersten Mal gelesen hatte, fühlte ich mich nicht in der Lage, sofort eine Rezension zu schreiben. Der ganze Comic ließ mich mit einem extrem starken "What the fuck?"-Gefühl zurück, das dafür sorgte, dass ich beschloss den Comic nicht zu rezensieren, ehe ich ihn nicht ein zweites Mal gelesen hatte.
Paul Hornschemeier dokumentiert einen Besuch bei seinen
Eltern, während dessen er an einem Comic zeichnet, der ihm einfach nicht gelingen
will. Immer wieder verwirft er die Seiten und sieht sich mit der Frage
konfrontiert, wohin seine Geschichte um einen Jungen, der ebenfalls Paul heißt
und einen Zauberbleistift besitzt, eigentlich führen soll. Während seines
Aufenthaltes schweifen Hornschemeiers Gedanken aber auch immer wieder in seine
Jugend ab.
Der unermüdliche Pionier Jiro Taniguchi dringt erneut in schwer zugängliche Gefilde des Erzählens vor und erweitert wieder die Grenzen der Comicliteratur – im Buch Der spazierende Mann überaus gelungen.
Smalltalk, Sex und Fechten!? Der erste Comicband des flämischen Künstlers Brecht Evens ist ein verschrobenes, unruhiges Abbild des nächtlichen Vergnügens; die Konstruktion des Zwischenmenschlichen in grafisch extravaganter Weise.