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(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Mittwoch, 13. April 2011
Zuletzt machte der französische Künstler Joann Sfar ja weniger als Comicschaffender denn durch den von ihm als Drehbuchschreiber und Regisseur inszenierten Film Gainsbourg (über den Chanson-Sänger Serge Gainsbourg) von sich reden. Und da der begleitende, von Sfar gezeichnete Comicband, im Gegensatz zum Streifen selbst, bis dato nicht als deutsche Fassung vorliegt, muss man sich einstweilen eben einem der anderen Sfar-Projekte widmen.
Die Serie Klezmer zählt dabei zweifelsohne zu den engagiertesten und anspruchsvollsten. Vor kurzem ist der mittlerweile dritte Band „Diebe, alles Diebe!“ auf Deutsch erschienen. In Odessa zur Zarenzeit nistet sich die bunt gemischte Klezmer-Band, die sich zu Beginn der Serie gefunden hat, in einem schicken Haus ein und beendet damit ihr Vagabundendasein. Doch der Frieden wird jäh gestört, als der Gruppe unfreiwillig eine Kiste Waffen in die Hände fällt und sie es daraufhin mit Gangstern zu tun bekommt.
Es ist auch für den Leser genau so, wie Sfar es auf Seite 1 formuliert: „Da sind sie wieder“. Er beschreibt damit die Freude, die es ihm macht, immer wieder zu den Figuren aus Klezmer zurückzukehren. In der Tat macht das Lesen der Serie mit jedem weiteren Band immer noch mehr Spaß, weil man langsam ein besseres Gefühl für die Charaktere, für ihre Eigenarten, aber auch für die Klezmer-eigene Art des Erzählens erhält. Sfar verbleibt nie zu lange an einem Thema, er pendelt eher episodenhaft zwischen den einzelnen Geschehnissen, zwischen dem, was die Mitglieder der Band erleben. Das können mal ruhige Dialoge sein, mal melodische Musikeinlagen, die sich einfach hin und wieder dazwischendrängen.
Man merkt Klezmer an, wieviel Spaß Joann Sfar beim Zeichnen hatte. Wie aus einem Guss wirkt seine Geschichte, so als ob er den Zeichenstift bis zur letzten Seite nicht ein einziges mal absetzen würde. Bedenkt man seine allgemeine Produktivität in Sachen Comics, könnte man das sogar fast glauben.
Einen klaren, einheitlichen Grafikstil sucht man hingegen vergebens. Jedes neue Kapitel, manchmal gar jedes neue Panel überrascht mit einer ureigenen Interpretation von Sfars bewährter Aquarellkolorierung, die er über seine zittrigen Outlines legt. Dabei bleibt keine denkbare Farbnuance verschont, völlig unabhängig davon, ob sie der Realität entspringt. Es herrscht stets der Farbton vor, mit dem sich der Künstler atmosphärisch in dem Augenblick des Entstehungsprozesses verbunden fühlt. Das Ergebnis ist eine bunte, aber nie aufdringliche Untermalung, die schlichtweg einzigartig ist.
Der in jedweder Hinsicht fesselnde Comicband schließt mit einigen persönlichen Ausführungen von Joann Sfar. Er erzählt von eigenen Erlebnissen, von Odessa und hält einen Exkurs über den Staat Israel. Das hat mit der Klezmergruppe aus dem Comicanteil nur am Rande zu tun, liest sich aber durchaus ansprechend.
Wertung: ![]()
Exzellente Fortsetzung einer niveauvollen, grafisch hervorragenden Reihe
Klezmer 3 - Diebe, alles Diebe!
Avant-Verlag, Dezember 2010
Text und Zeichnungen: Joann Sfar
160 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3-939080-47-3
Abbildungen © Joann Sfar, der dt. Ausgabe: Avant-Verlag















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Rezensionen




Als der junge Spanier Jaime nach der Trennung von seiner Freundin den Entschluss fasst, alles hinter sich zu lassen und mit seinem Hund Tobias auf einen Road Trip mit ungewissem Ziel zu gehen, wird auch sein (Lebens-)Weg von einer Reihe unerwarteter Wendungen bestimmt, die jedoch größtenteils negative Folgen haben.
Es ist 1984, Ulli ist gerade 17 geworden und lebt mit ihrer älteren
Schwester in Wien, wo sie sich vor allem in der Punk-Szene bewegt. Auf
Schule und Ausbildung hat sie gerade keine Lust, sie will
experimentieren und das Leben möglichst spontan kennenlernen. Kein
langes, rationales Abwägen, "Jetzt oder nie" heißt die Devise. Das gilt
auch, als ihre neue Bekanntschaft, die ein Jahr ältere Edi, vorschlägt,
man könne doch einfach mal nach Italien fahren. Und zwar ohne Geld,
ohne Gepäck und ohne Papiere. Was folgt, ist ein zweimonatiger Trip,
der mit dem Wort "Abenteuer" nur unzureichend beschrieben ist. Mehr als
20 Jahre später hat Ulli Lust aus ihren Erlebnissen von damals eine
autobiographische Comicerzählung geformt, die den Leser in mehrfacher
Hinsicht zum Staunen bringt.
- 24.12.2009
In der Welt der Comics werden Frauen meistens aus der Phantasie von Männern geschaffen. Angesichts des prekären Standes von Comics in der Kulturindustrie wäre es aber falsch, wenn man das gesamte Medium als Vehikel für regressive Männerphantasien bezeichnet.
Der erste Band von Jason Lutes' Berlin-Saga erschien im September 2003 in Deutschland. Ganze fünf Jahre vergingen, bis nun endlich der Folgeband vorliegt. Weil Zeichner und Autor Lutes nicht allein von der Produktion seiner Berlin-Comics leben kann, ist das Veröffentlichungstempo sehr gemächlich. In den USA erscheint jedes Kapitel als einzelnes Heft, der Carlsen Verlag wartete dagegen ab, bis er einen Sammelband veröffentlichen konnte. Das Warten hat sich gelohnt.
- 01.01.2009
Nachdem ich Katrin Baumgärtners Mundkopf zum ersten Mal gelesen hatte, fühlte ich mich nicht in der Lage, sofort eine Rezension zu schreiben. Der ganze Comic ließ mich mit einem extrem starken "What the fuck?"-Gefühl zurück, das dafür sorgte, dass ich beschloss den Comic nicht zu rezensieren, ehe ich ihn nicht ein zweites Mal gelesen hatte.