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von Benjamin Vogt Dienstag, 24. Januar 2012

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Cover Kleines Wunder Kleines Wunder ist das neueste Comicalbum aus Finix‘ Edition Solitaire, darin enthalten sind beide französischen Originalalben. Die Handlung spielt zwischen 1766 und 1794, begibt sich also mitten in die Französische Revolution hinein. Sehr prominent ist diese Epoche bis heute u.a. wegen des übermäßigen Köpfens von Verurteilten. Szenaristin Valérie Mangin (Die Geißel der Götter) greift diese Thematik auf und benutzt die Einführung der Guillotine als Vehikel für die Erzählung bislang unbekannter historischer Ereignisse.

1766 wird der Chevalier de la Barre auf dem Schafott hingerichtet. Nonnen des Ursulinenordens sollen den Leichnam aufbahren, doch eine von ihnen vergeht sich am toten la Barre. Unerklärlicherweise wird die Frau schwanger, was für eine Nonne ohnehin schon problematisch genug ist. Dazu kommt, dass das empfangene Kind mit abgetrenntem Kopf auf die Welt kommt. Der Junge, Denis genannt, muss vor der Öffentlichkeit versteckt werden. Doch das gelingt nicht lange und Denis sieht sich als vermeintlich dämonisches Wesen Anfeindungen ausgesetzt und wird zeitweise als Attraktion vermarktet. Allerdings, forciert durch den Diakon Talleyrand, gerät das Kleine Wunder, wie er von den Nonnen betitelt wurde, in gehobene Kreise und spürt mit zunehmender Macht die Rachelust in sich aufsteigen. Denis möchte seinen Vater rächen und dessen Ruf wiederherstellen.

Valérie Mangin erzählt in diesem Album eine fiktive Geschichte, die historisch aber sehr genau in die Zeit unmittelbar vor der Französischen Revolution eingebettet ist. Dementsprechend treten einige bekannte Persönlichkeiten auf, z.B. Marie Antoinette, Marquis de Sade oder Joseph-Ignace Guillotin. Das Kleine Wunder wird von ihr als in Vergessenheit geratene oder bis heute geheim gehaltene Episode skizziert, die Existenz des lebendigen Kindes mit abgetrenntem Kopf, das direkt die Geschicke Frankreichs mit beeinflusst, ist in diesem Sinne die Ergänzung der Geschichtsbücher um ein Kuriosum.

Seite aus Kleines Wunder Leider kann mich diese Erzählform, die beispielsweise auch in den Comics Vinci oder Tanatos (beide Ehapa) zum Einsatz kam, im vorliegenden Fall nicht überzeugen. Die Story beginnt interessant, verliert sich dann für meine Begriffe zu sehr in der Darstellung von Hochadel und Politik des 18. Jahrhunderts. Die Hauptfigur, Denis, bleibt für den Leser lange Zeit recht unscharf und man bekommt den Eindruck, dass Mangin sich noch kein rechtes Ziel für den Jungen ausgedacht hat. Umso befremdlicher ist dann auch die Wandlung zum „Bösen“ in der zweiten Hälfte der Handlung. Wo man gerade noch Mitleid mit einem herumgeschubsten Kind hatte, sieht man ich jetzt plötzlich einem rachsüchtigen Schurken ausgesetzt.

Vielleicht spielt Kleine Wunder aber auch einfach in einem Zeitalter, mit dem ich nicht so recht warm werde. Schön umgesetzt hat es Zeichner Griffo (Giacomo, Samba Bugatti) immerhin: Erdige Farben, detailierte Hintergründe, äußerst passend für einen fantasiereichen Historiencomic.

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Wertung: 5 von 10 Punkten

Ein Comic, aus dessen Grundidee man mehr hätte machen können. So lässt die Spannung leider schnell nach.

 

Kleines Wunder
Edition Solitaire bei Finix Comics, Dezember 2011
Text: Valérie Mangin
Zeichnungen: Griffo
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN:978-3-941236-52-3
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Finix Comics



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