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von Andreas Völlinger Sonntag, 17. August 2008

kind_des_blitzes1.jpgEin unter mysteriösen Umständen geborenes Waisenkind, das im Schoß eines Jägerclans aufwächst und als Jugendlicher unheimliche Kräfte entwickelt. Dazu zwei Parteien, die jene Kräfte für ihre eigennützigen Zwecke verwenden wollen. Das klingt nicht gerade neu und könnte Stoff für eine generische 0815-Fantasygeschichte sein, wie es sie seit Jahrzehnten zuhauf gibt. Dass "Blutsteine" und "Wo Sich die Wege Kreuzen", die ersten beiden Bände der Comic-Trilogie Kind des Blitzes, dennoch frisch daherkommen, liegt an der äußerst gelungenen Umsetzung des Themas.

Die Welt, in der der Titelheld Laith lebt, besteht aus einer bunten und dennoch organisch wirkenden Mixtur aus urwüchsiger Natur, Jules Verne’scher Technik, kunstvollen Baumhäusern, majestätischen Luftschiffen, exotischen Tieren, fliegenden Waldinseln und industrialisierten Städten. Bevölkert wird das Ganze von menschenähnlichen Geschöpfen, die aber auch Tierattribute besitzen. Scheint es in Band 1 noch, dass alle Figuren sich durch katzenhafte Züge auszeichnen, offenbart sich im zweiten Band, dass es auch andersartige Völker gibt.

kind_des_blitzes1_1.jpgDie Fantasyelemente halten sich dabei angenehm im Hintergrund. Wer nach der High-Fantasy-Renaissance im Zuge der Herr der Ringe-Verfilmungen die Nase auf längere Sicht gestrichen voll von Elfen, Drachen, Orks und Zwergen hat, ist hier also genau richtig aufgehoben. Ebenso richtig aufgehoben sind generell alle Fans gut erzählter Comicgeschichten, denn das Duo Bichebois und Poli macht mit den ersten beiden Bänden von Kind des Blitzes so gut wie alles richtig. Die Geschichte ist zwar recht konventionell erzählt, aber überzeugt mit viel gekonnt eingesetztem Drama und spannenden Wendungen. Die Stimmung ist von Beginn an unheilschwanger, aber nicht gänzlich ohne Hoffnungsschimmer und wird ein wenig durch den dynamischen frankobelgischen Semi-Funny-Stil, in dem die Figuren gehalten sind, aufgelockert. Didier Poliskind_des_blitztes1_2.jpg ausdrucksstarke Zeichnungen fließen perfekt am Auge vorbei und die gedämpfte Kolorierung erzeugt eine ganz eigene Atmosphäre. Mit dem Jungen Laith bekommt der Leser eine äußerst sympathische Hauptfigur vorgesetzt, deren Schicksal einen nicht kalt lässt, und die zahlreichen Nebenfiguren, von Laiths Ziehvater über seine Freunde aus dem Dorf bis zum jungen Arzt Dalün, wirken allesamt äußerst lebendig. Schön auch, dass die beiden Männer, die Laiths außergewöhnliche Fähigkeiten für sich nutzen wollen – der machtgierige Kriegsminister Algärd und der skrupellose und gleichzeitig tragische Wissenschaftler Finrhas – nicht einfach als charakterlose Antagonisten daherkommen, sondern ihre eigennützigen Beweggründe durchaus nachvollziehbar sind.

kind_des_blitzes2.jpgDie Welt, die Autor Manuel Bichebois erdachte, steckt voller Details und kommt in sich stimmig daher. Es macht Spaß, die zahlreichen Orte und Figuren zu entdecken, die allesamt wirken, als ob sie ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen hätten. Hier liegt auch das größte Manko von Kind des Blitzes: Drei Alben scheinen viel zu kurz, um diesen Ideenreichtum aufzunehmen. Man würde als Leser gerne länger an vielen der vorgestellten Orte verweilen, die teils nur kurz angeschnittenen Figuren besser kennen lernen. Aber gerade dies spricht ja dafür, wie sehr es den Machern gelungen ist, ihre Fantasiewelt auf dem Papier zum Leben zu erwecken. In Band 2 scheint es aber kurzzeitig so, als ob auch Bichebois der begrenzte Platz für seine Geschichte nicht ganz ausreichte. An einer Stelle überspringt er nämlich einen nicht unwichtigen Handlungsteil und lässt völlig offen, wie Laith ein nicht gerade einfach erscheinender Coup gelang, was einen etwas aus der ansonsten stimmigen Handlung reißt. (Um keine Wendungen zu verraten, nur soviel: es geht um die Szene mit König Bronthes Luftschiff im Canyon). Abgesehen davon gibt es aber so gar nichts zu kritisieren. Höchstens, dass der dritte und abschließende Band erst im Januar 2009 auf Deutsch erscheinen soll. Denn wie bereits Band 1 wartet auch Band 2 mit einem übel spannenden Cliffhanger auf, der die Wartezeit arg lang machen wird.



Kind des Blitzes
Splitter, Juni/August 2008
Text: Manuel Bichebois
Zeichnungen: Didier Poli
je 48 Seiten; farbig; Hardcover
; 12,80 Euro

Band 1: Blutsteine

ISBN: 978-3-94064-25-3
Leseprobe

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Band 2: Wo sich die Winde kreuzen
78-3-940864-26-0
Leseprobe
 

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Rundum gelungene Comickost



Bildquelle: splitter-verlag.de


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