JoomCategories for JoomGallery

JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1453
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Rezis nach Kategorien

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

März 2014 April 2014 Mai 2014
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

Home Rezensionen

von Jons Marek Schiemann Dienstag, 08. Januar 2013

Cover Kililana Song Angesichts des Zweiteilers Kililana Song, dessen erste Hälfte letzten Herbst erschienen ist, ist es nahezu ein Wunder, dass noch keiner der Comics von Benjamin Flao auf Deutsch vorliegt. Abgesehen von einem kleinen Beitrag in der Anthologie Bob Dylan: Revisited aus dem Carlsen Verlag ist jedenfalls mir keine deutsche Veröffentlichung von Flao bekannt. Man kann man hier also wahre Entdeckung machen.

Zunächst mag man vielleicht etwas skeptisch sein, wenn ein französischer Autor und Zeichner eine Kindheit in Kenia schildern will. Schimmert da eventuell Kolonialromantik durch? Ist es ein pädagogisches Lehrstück über die bösen Taten der Westler, was zu politisch korrektem Sozialkitsch führen kann? Oder ein Buch in Richtung Kulturschock, das vornehmlich aufklären will? Wenn man den Band dann aufschlägt, ist schon nach wenigen Seiten klar, dass nichts davon vorliegt. Vielmehr wird ein kleines Panorama der kenianischen Gesellschaft entworfen. Alles im Miniformat, wobei jeweils eine Figur für eine generelle Lebensweise und Biographie stehen mag.

Das klingt jetzt nach einem großen und schweren Epos, das mit großer Gewichtung daherkommt und sich unter seinem eigenen Vorhaben beugt. Aber auch hier irrt man, denn der ganze Comic ist von einer schwebenden Leichtigkeit durchdrungen und trotz der vielfältigen Figuren und Sichtweisen übersichtlich und extrem unterhaltsam. Flao hat da einen wunderschönen und in seiner Schlichtheit schon fast genialen Einfall: der junge Elfjährige Naim. Dieser wird bei seinem ersten Auftritt von seinem sehr viel älteren Bruder durch die Straßen der Stadt gejagt und allein diese Verfolgungsjagd, welche sich durch fast den gesamten ersten Band zieht, ermöglicht es, verschiedene Stationen der Stadt und ihrer Einwohner abzuklappern, und stellt so viele verschiedene Lebensentwürfe quasi im Vorbeigehen vor. Dabei beschränkt sic Flao nicht auf die Afrikaner selber, sondern betrachtet auch westliche Geschäftemacher und Abenteurer, die in dem Land gestrandet sind. Naim jedenfalls möchte nicht in die Koranschule, wohingegen sein Bruder Hassan darauf besteht. Naim geht den ganzen Tag über seinem Bruder aus dem Weg, besorgt für einen alten Mann Rauschgift, führt Touristen, lernt eine nette Prostituierte kennen, einen geschwätzigen Stummen (generell einer der schönsten Einfälle seit langem!), einen Schmuggler und und und, womit seine Freunde noch nicht einmal aufgezählt sind. Die ganze Handlung des ersten Bandes spielt in nur zwei Tagen, wobei sich erst gegen Ende eine richtige Dramaturgie erschließt.

Seite aus Kililana Song Aber ein solches Panorama von vielen verschiedenen Personen und deren Leben ist spannend genug, um den Leser vom ersten Bild an mitzureißen. Alle Episoden und Begegnungen ergeben eine Spannung und ein Tempo, wie es selbst manche Actionfilme nicht zustande bringen. Insgesamt liegt hier ein wirklich wunderschöner Band vor, dessen Zeichnungen Assoziationen an niemand geringeren als an Hugo Pratt wach werden lassen. Das bezieht sich vor allem auf die großen Panels, die mit Aquarelltechnik gestaltet sind und häufig auf Panelgrenzen verzichten.

Auch wenn Flaos Gesellschaftsschilderung mit leichter Hand entworfen ist, verschweigt er doch nicht die Missstände. Hier steckt wirklich alles drin: afrikanische Tradition, Moderne, Tourismus, Drogen, Kriminalität, Korruption, Behördenwillkür, Religion, Armut, der Kontrast zwischen westlichem Wunschdenken und afrikanischer Realität, Gewalt, Liebe, Herzlichkeit, Fanatismus, Animismus, und und und. Das erstaunlichste daran ist: Kililana Song wirkt niemals überladen. Oft genügen Flao kurze Szenen von wenigen Panels, um ein Thema deutlich zu machen und zu zeigen, dass auch dieser Aspekt in Kenia vorkommt. Und da der Held ein kleiner Junge ist, gibt es immer wieder auch sehr herzliche Momente und durch den Band zieht sich ein sehr dezenter Witz, der nicht nur köstlich, sondern bisweilen auch sehr intelligent ist. So denkt Naim etwa, als er seinem frömmelnden Bruder Hassan entwischt ist: "Hassan betet dauernd, weil er sich vor Gott fürchtet. Ich mich auch ein bisschen. Aber Gott kennt mich und deshalb bin ich beruhigt. Er wird mich schon verstehen." So viel in so wenigen Worten ausgesagt. Das ist wie die großen Panels, welche das Kolorit entfalten und sich so in einen ganz großen Wurf einbetten. Einer der schönsten Comics des Jahres.

ANZEIGE

 

Wertung: 10 von 10 Punkten

Ein ganz großer Wurf, der mit leichter Hand eine afrikanische Gesellschaft mit all ihren Facetten schildert.

 

Kililana Song 1 - Eine Kindheit in Kenia
Schreiber und Leser, September 2012
Text und Zeichnungen: Benjamin Flao
Übersetzung: Resel Rebiersch
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,80 Euro
ISBN: 978-3-943808-01-8
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser



Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Essex County 3 - Die Krankenschwester

    Während sich der Kanadier Jeff Lemire zur Zeit einen Namen als Architekt des neuen DC-Universums macht und nicht nur einige Storylines für verschiedene Superhelden (wie etwa Superboy) verfasst, sondern auch mit Sweet Tooth für Vertigo eine schöne Verbindung zwischen Mainstream und Independent schuf, erscheint nun auch der dritte und abschließende Band seiner Trilogie mit Geschichten aus Essex County. Diese Trilogie ebnete dem jungen Autor und Zeichner den Weg und brachte ihm auch mehrere Preise ein. Und das völlig zu Recht, schließlich ist die Serie ein Beispiel dafür, wie sehr Comics es vermögen, durch die Bilder dem Text zusätzlichen Inhalt zu geben und auch schon ohne jeden Dialog Charakterisierungen zu liefern.

    - 02.11.2012
  • Vakuum

    Acht Tage im Sommer, in einer Kleinstadt, kurz vor dem Beginn der Ferien. Der namenlose Ich-Erzähler, ein Oberstufenschüler, hat nur wenig Freunde, eigentlich nur einen. Und der ist sehr seltsam und in-sich-gekehrt geworden, seit er vor einem Jahr mit Drogen experimentiert hat. Das Leben plätschert langweilig dahin, doch das scheint sich zu ändern, als ein Mädchen ihn anspricht und sie sich näher kennenlernen.

    - 25.03.2013
  • Die Sputnik-Jahre

    Die Sputnik-Jahre erzählt vom kleinen Jungen Igor, der im Jahr 1957 in einer kleinen lothringischen Industriestadt lebt. Dort liefern sich Kinderbanden nach der Schule Wettkämpfe um die Vorherrschaft, als Indianer verkleidet mit Pfeil und Bogen oder auf dem Fußballplatz. Zur Not auch mit Gewalt. 

    - 27.09.2012
  • Hemingway

    In Hemingway führt Jason mit viel Humor durch ein recht pragmatisches Paris der Zwanziger Jahre. Der Comic bleibt trotz der fabulierten Geschichte und gerade wegen der kauzigen Charaktere bis zum Ende spannend.

    - 26.08.2011
  • Stiche

    Der Amerikaner David Small ist eigentlich bekannt geworden durch seine Arbeiten als Autor und Illustrator von Kinderbüchern. Mit der 336 Seiten dicken Comic-Autobiografie Stiche erzählt er von seiner bitteren Kindheit in Detroit in den 1950er Jahren. Es sind Smalls Erinnerungen vom schwierigen Verhältnis zu seinen Eltern und jenem Tag mit 14 Jahren, als Ärzte ihm seine Stimme raubten.

    - 26.06.2012