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von Benjamin Vogt Samstag, 28. Januar 2012
Der Titel „Julia & Roem“ klingt nicht von ungefähr wie eine Anlehnung an Shakespeares Romeo & Julia. Denn eben jene tragische Geschichte von einer nicht gebilligten Liebschaft ist die Grundlage des neuesten Albums des französischen Künstlers Enki Bilal.
Bilal versetzt die Liebeserzählung direkt in seine postapokalyptische Welt, die auch schon in seinem Comic Animal’z Ort des Geschehens war. Die Erde ist nach dem sogenannten Blutsturz, einer globalen Klimakatastrophe, nahezu unbevölkert, die Ressourcen sind knapp und der Mensch muss sich mehr als jemals zuvor an eine unwirtliche Umwelt anpassen.
In Animal’z waren die Figuren bevorzugt auf dem Meer unterwegs, vereinzelt auch auf Pferden (und zitierten als Zeitvertreib bereits eifrig diverse Schriftsteller). Als zentrales Thema hob Enki Bilal dabei die Genmanipulation hervor.
In Julia & Roem sieht man hingegen die Kehrseite der Postapokalypse: Eine Gruppe Überlebender siedelt sich in einem alten Hotel an und baut dort eine Minigesellschaft auf. Die Neuankömmlinge, darunter der junge Roem, reisen in einem schicken Auto an.
Man bekommt hier als Leser eine andere Natur vorgesetzt als in Animal’z: Weites Ödland erstreckt sich rund um das Hotel, darüber kreisen ein paar Adler und der einzige Hubschrauber. Bilal verwendet erneut eine düstere, graugetönte Farbgebung, ein Rohschnitt aus Bleistift- und Kreideschraffuren. So ungeschliffen und kalt die Bilder einen Eindruck der Welt nach dem Blutsturz vermitteln, so meisterhaft und vollendet sind die Texte in diesem Comic.
Enki Bilal legt manchen Charakteren ab einem gewissen Punkt fast ausschließlich Originalzitate aus Shakespears Romeo & Julia in den Mund und führt damit das gesamte Szenario ad absurdum.
Julia & Roem ist optisch wie inhaltlich ein Genuss. Man muss sich allerdings auf das anspruchsvolle und ungewöhnliche Unterfangen erst einmal einlassen.
Wertung: ![]()
Enki Bilals spezielle Art einer Sci-Fi-Romanze mit literarischen Anleihen ist allemal bemerkenswert
Julia & Roem
Ehapa Comic Collection, Juli 2011
Text und Zeichnungen: Enki Bilal
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3494-7
Abbildungen aus der französischen Originalausgabe: © Casterman















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Rezensionen




Hier liegt mal wieder ein richtig gelungenes Cover vor. Es ist sehr stimmungsvoll und passend zum Inhalt. Beherrscht wird es von grimmig aussehenden, schwer bewaffneten Männern, welche eine zierliche junge Frau schon fast aus dem Bild drängen. Diese lächelt geheimnisvoll und steht ziemlich unbeeindruckt und entspannt gegenüber diesen waffenstarrenden Machos. Und wer genau hinsieht, kann entdecken, dass sie auf dem Mittelfinger der hinter dem Rücken gehaltenen Hand einen Schmetterling balanciert. Äußerste Zartheit und Zerbrechlichkeit steht einer geballten destruktiven Kraft gegenüber. Ein hervorragendes Titelbild, welches sehr gut die bedrohliche, aber auch zarte und heitere Stimmung des Bandes trifft.
Nach längerer Pause gibt es wieder mal eine Comicbesprechung von zwei Redakteuren in Dialogform. Benjamin und Thomas beschäftigen sich mit Post Mortem Blues, dem aktuellen Werk von Horus. Der sogenannte "Wort-Bild-Roman" erzählt von einem Mädchen, das eigentlich einen recht normalen Eindruck macht -- dabei ist sie eigentlich schon tot.
Ehapa versucht sich seit kurzem an so genannten "all in one"-Ausgaben, sprich eine Miniserie oder ein Zyklus wird komplett in einem Stück herausgegeben. Damit soll auch das Vertrauen der Käufer zurückgewonnen werden, die öfters auf abgebrochenen Serien sitzengeblieben sind und dementsprechend skeptisch neuen Comicserien bei ECC gegenüberstehen. Nachdem mit dem Mafiosi-Krimi Hell's Kitchen dieser Ansatz gut angenommen wurde, erscheint mit Die Chroniken von Centrum - im französischen Original dreibändig - eine weitere abgeschlossene Erzählung, diesmal in einem düsteren Europa der nahen Zukunft angesiedelt.
- 08.01.2009
Im Jahr 2006 entstand in Frankreich Sable Noir, ein gemeinsames
Projekt des Buchverlags J'ai Lu, der Spartensender Jimmy und CinéCinéma
und der Produktionsfirma Cartel. Eine Reihe von Schriftstellern wurde
beauftragt, kurze Horror- oder Mystery-Geschichten zu schreiben, die
alle in dem kleinen Dorf Sable Noir spielen sollten, welches einmal im
Jahr von einem bösen Fluch belegt wird. Diese Novellen wurden als Buch
veröffentlicht und parallel als Miniserie fürs Fernsehen umgesetzt. Das
Experiment war erfolgreich, ein paar Jahre später kam die Fortsetzung Vampyres: Sable Noir,
bei der Vampire eine tragende Rolle spielen sollten. Diesmal nahm man
als drittes Medium den Comic mit ins Boot: Die sechs Vampir-Novellen
wurden nicht nur als halbstündige Filme fürs Fernsehen, sondern auch als
24-seitige Comics umgesetzt.
- 15.09.2010