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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Montag, 22. September 2008
Juan Solo ist ein vom Leben geschundener Mann, der nach
eigener Aussage so heißt, wie er ist. Solo eben. Selbst am Ende seines
Lebensweges, welches man zu Beginn bereits ohne Hintergrundwissen vorgesetzt
bekommt, am Kreuze hängend, einsam in der Wüste zurückgelassen, meint er
zurückblickend, schon immer allein gewesen zu sein.
Die Geschichte des Juan Solo beginnt in Huatalco City, irgendwo in Südamerika, wo er von seinen Eltern, wahrscheinlich aufgrund seiner anatomischen Besonderheit (er hat einen Hundeschwanz), auf einer Müllkippe ausgesetzt wird. Aufgezogen von einem zwergwüchsigen Transvestiten gelingt ihm eine beachtliche kriminelle Karriere, vom talentierten Killer zum Leibwächter eines korrupten Ministers. Juan Solo ist ein Mann mit Prinzipien, der sich zur Elite der illustren Garde des machtvollen Politikers hocharbeitet, eine Position in die er als Mann mit Schwanz hineingeboren zu sein scheint. Nicht nur, dass sich seine Kollegenschaft aus ziemlichen Freaks zusammensetzt, auch der Umstand, die Frau seines Bosses regelmäßig befriedigen zu dürfen, lässt eine schnelle Eingewöhnung zu.
Der schnelle und äußerst tiefe Absturz folgt, als Juan Solo
mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird und eine gänzlich absurde Familienbande zufällig ans
Tageslicht befördert wird. Vertrieben aufgrund seiner Taten und verfolgt vom
rachsüchtigen Bruder landet er in Armut und Depression. Im Kampf ums Überleben
ist vom einstig selbstbewussten Killer nicht mehr viel übrig. Wenig später wird er ohne sein Zutun in die Rolle eines Heiligen gedrängt wird und
sieht schließlich seine Chance auf Vergebung für ein einsames Leben voller Sünde.
Juan Solo ist eine ursprünglich vierbändige Albenreihe, die
von Splitter in zwei dicken Doppelbänden komplett veröffentlicht wurde. Und
nach dem Lesen mus ich sagen, dass ich recht zwiegespalten bin, wie das Werk
von Alexandro Jodorowsky (u.a. Meta-Barone, John Difool) und Georges Bess nun
einzuschätzen ist. Zum einen ist es absolut erstaunlich, wie komprimiert die
Geschichte geraten ist: Gerade noch war man Zeuge der frühesten Kindheit, am
Ende des zweiten Bandes wurden im Verlauf nicht nur zig Menschen getötet und
Frauen gevögelt, nein, auch Juan Solos Aufstieg und Niedergang ist bereits
komplett vonstatten gegangen und die Story kulminiert schlussendlich in der
Dokumentation seines recht erbärmlichen Todeskampfes.
Das ist Jodorowskys
großer Verdienst, dass er eine eigentlich unvorstellbare Schicksalsgeschichte
so schnell extremen Höhen und Tiefen auszusetzen vermag, dass im Grunde das
ohnehin absurde Dasein des Protagonisten durch das Erlebte zusätzlich
pervertiert wird. Die Figur des Juan Solo ist deshalb gut gelungen, weil sie
mit ihrem grotesken Äußeren jene Hässlichkeit repräsentiert, die sie durch ihre
Brutalität und Gewissenlosigkeit nach außen hin verkörpert. So ist sie für den
Leser je nach Situation abstoßend oder mitleidserregend, in jedem Fall aber
faszinierend. Am Ende sollte man in ihr dann vermutlich eine Art Antihelden sehen.
Gegen diese Faszination könnte man aber durchaus argumentieren, dass innerhalb des Plots plausible Motive zu vermissen sind, bzw. werden diese für meine Begriffe zu stark auf Kosten der sehr rasch ablaufenden Erzählung vernachlässigt. Warum erfährt Juan Solo eine so rasche Charakterwende, so dass er sogar seinen Körper für Geld zur Verfügung stellt? Für mich ist das einer unter mehren Punkten, die mich an den Beweggründen und der Persönlichkeit der Figur zweifeln ließen.
Allerdings gelingt es Jodorowsky trotz aus meiner Sicht
kleinen Logikschwächen erstaunlicherweise gut, den Brückenschlag zum
Anfangsgeschehen zu schaffen. Somit ist die Handlung rund und in sich
schlüssig. Die Story beginnt und endet beim einsamen Mann in der Wüste, der die
Wandlung zum Heiligen vollzogen hat. Rückblickend ist dieses Leitmotiv
sicherlich ungewöhnlich und gut umgesetzt worden.
Juan Solo wartet mit allerlei schrägen Ideen auf, die
regelmäßig ins Absurde abdriften und liefert ein lateinamerikanisches
Gangsterdrama, das nicht mit Gewalt und offen praktiziertem Sex als
stilsetzende Mittel geizt. Atmosphärische Dichte entsteht durch Bess‘
dreckigen Zeichenstil, der durch gediegene Farben in seiner expliziten und
radikalen Darstellungsform etwas abgefedert wird. Seine Bilder wirken stimmig
zur Mexiko-affinen Thematik und zum Charme der dortigen rauen Gangart.
Juan Solo
Splitter; Juli/September 2008
Text: Alexandro Jodorowsky
Zeichnungen: Georges Bess
Je 112 Seiten; farbig; Hardcover; 22,80 Euro
Band 1: ISBN: 978-3-940864-14-7
Band 2: ISBN: 978-3-940864-16-1
Band 1: Sohn einer Hündin
ISBN: 978-3-940864-14-7
Leseprobe
Band 2: Heiliger Schweinehund
ISBN: 978-3-940864-16-1
Leseprobe
Bildquelle: splitter-verlag.de















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Der Western ist im frankobelgischen Raum tief verwurzelt. Setzen die
Amerikaner ihre ureigene Geschichte erstaunlich selten in Comics um,
machen es ihre Kollegen in Frankreich und Belgien umso öfter. Und mit
Erfolg. Wenn sich auf der einen Seite John Wayne als Übervater
präsentiert, ist das Äquivalent zu ihm Leutnant Blueberry (auch wenn er
Jean-Paul Belmondo nachempfunden ist). Sucht Clint Eastwood seinen
Gegenpart, so ist das der Bouncer (mal abgesehen von Yves Swolfs'
Protagonist "Durango" aus der gleichnamigen Comicserie, der nicht nur
äußerlich an Eastwood erinnert, sondern auch dessen Italowesternzeit
repräsentiert). Äußerliche Ähnlichkeiten sind zwar nicht vorhanden,
aber beide schießen dem Gegner auch in den Rücken.
- 11.03.2010
Die Britin Posy Simmonds, deren Name bei uns bisher kaum bekannt war,
kennt man in England vor allem durch ihre Tätigkeit als Cartoonistin
für die Tageszeitung The Guardian, wo ihre Arbeiten seit den 70er
Jahren erscheinen. Auch Tamara Drewe, ihre zweite lange Comicgeschichte
(und die erste, die nun in Deutschland veröffentlicht wird) erschien
zunächst als Fortsetzungs-Story im Guardian. Sie erzählt darin von
einer ländlich-bürgerlichen Idylle im kleinen englischen Nest
Stonefield, die eines Tages gründlich durcheinandergerät, als eine
junge, sehr attraktive Frau im Dorf einzieht.
- 11.03.2010
Ein Mann verlässt die Familienidylle, verstaut ein
Erinnerungsfoto sicher in seinem Koffer und verabschiedet sich rührend von Frau
und Kind, die er zurücklässt. Zuerst in einem Zug, dann mittels Schiff macht er
sich auf den Weg in ein neues Land; offenbar soll dieses neue Hoffnung und
Sicherheit für die zunächst in der Heimat verweilende Familie liefern, denn die
Heimat sieht sich der Bedrohung von bezackten Tentakeln ausgesetzt, die ihre
Schatten über die Städte werfen. Es fällt schwer, sich in der neuen Welt zu akklimatisieren,
schließlich ist sie von allerlei komischen Viechern bevölkert, die sich die
Menschen dort als Haustiere halten ...
Die sechs Schüsse von Philadelphia ist der fünfte Band der
Kollektion Levitation, die im Avant-Verlag erscheint. Und man muss sich positiv
wundern, dort einen deutschen Comicschaffenden vorzufinden, ist doch diese
wunderbare Reihe bislang den beiden internationale Ausnahmekünstlern Joann Sfar
(Pascin, Klezmer, Die kleine Welt des Golem) und Gipi (5 Songs) vorbehalten
gewesen. Nicht minder überrascht es, dass man mit Ulrich Scheel einen
hierzulande kaum bekannten Zeichner antrifft. Scheel hat zwar in Frankreich
bereits einige seiner Comics veröffentlicht, aber Die sechs Schüsse von
Philadelphia stellt sein Deutschlanddebut dar - umso bemerkenswerter, dass er
dabei gleich ein 240 Seiten dickes Buch vorlegt.
Der kleine Joachim führt mit seinen Eltern ein Leben voller Idylle.
Die kleine Familie lebt in einem kleinen Häuschen, umgeben von Natur. Die
Geschichte von Drei Schatten spielt in einer nicht näher definierten Welt,
die an Märchen und Volkssagen erinnert. Ihr Ausgangspunkt ist das
Eindringen von drei dunklen Gestalten in das Familienidyll. Joachim
entdeckt eines Tages drei Reiter schemenhaft am Horizont, die langsam
näher kommen und ihm Angst machen. Am ersten Tag verschwinden sie bald
wieder, kehren aber regelmäßig zurück. Schon bald wird klar: Die drei sind
gekommen, um Joachim zu holen.
- 13.09.2008