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von Jons Marek Schiemann Donnerstag, 15. Dezember 2011

Cover Jessica Blandy 3 In der Werkausgabe von Jean Dufaux' Jessica Blandy bei Schreiber & Leser liegt mittlerweile der dritte Band vor. Diesmal sind sogar gleich vier Abenteuer enthalten, wobei nur zwei inhaltlich eng zusammen gehören. Alle Stories sind dabei deutsche Erstveröffentlichungen.

„Jalaga!“ richtet seinen Schwerpunkt auf die Psyche von Jessica Blandy, die sich noch nicht von ihren grauenvollen Erlebnissen in Mexiko erholt hat. Zur Erinnerung: Im zweiten Band wurde sie unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und sollte als Prostituierte missbraucht werden. Kein Wunder, dass sie nun keine Berührung von einem Mann ertragen kann. Leider macht sie dieses Trauma zu einer Hauptverdächtigen in einer Mordserie an Männern. Die Story erinnert dabei deutlich an Hitchcock und viele Elemente zitieren auch den Altmeister. Vor allem Psycho spielt eine wesentliche Rolle (vor allem visuell in den letzten Panels), aber auch Die Vögel werden graphisch zitiert, wobei inhaltlich eher auf Vertigo angespielt wird. Zwar geht es hier nicht um einen Mann, der eine Frau nach seinen Vorstellungen formt, aber dennoch handelt es sich um eine ähnliche Projektion. Insofern ist die Eingliederung in die übergreifende Handlung sehr gut gelungen, da die psychischen Folgen vorangegangener Abenteuer nicht vergessen werden. Zeichner Renaud versteht es, mit sehr geschickt angesetzten Bildausschnitten und Montagen Zweifel beim Leser zu wecken, ob unsere Heldin nicht in Wirklichkeit die Schurkin ist. Diese hat übrigens, ganz konträr zu den Genrekonventionen, keine Ahnung, was um sie herum geschieht. Jessicas Gegenspielerin ist eine Art dunkles Spiegelbild und führt das aus, wonach Blandy sich insgeheim sehnt. Dadurch wird dieses Abenteuer zu einem psychologisch dichten Thriller.

Seite aus Jessica Blandy 3 Das zweite Abenteuer „Ohne Reue, ohne Scham“ ist typisch für die Serie und ihre Herangehensweise, kann also in dieser Hinsicht nicht viel Neues bieten. Jessica erklärt sich bereit, die Autobiographie eines Mafiabosses zu schreiben, wird aber in den blutigen Machtkampf um dessen Nachfolge hineingezogen. Die glatten, schönen, detailreichen Zeichnungen von Renaud kontrastieren erheblich mit der düsteren, brutalen Story. Wie in der ganzen Serie ist der edle Schein nur oberflächlich. Darunter ist alles komplett verdorben, verfault und degeneriert. Die Mafiafamilie gilt als Äquivalent zum Adel mit seinen Erbfolgekriegen und fungiert entsprechend als bestimmendes gesellschaftliches Element. Die Story ist spannend, leidet aber an einem allzu ausufernden Off-Kommentar.

Die letzten beiden Geschichten „Satan, mein Verlangen“ und „Satan, mein Verderben“ gehören inhaltlich zusammen und konfrontieren Jessica Blandy mit Voodoo und Korruption. Jessica wird nach New Orleans gebeten, um dort mit einem alten Widersacher von ihr zu sprechen, der Hinweise auf ein satanistisches Geschwisterpaar geben kann, welches angeblich Menschen zum Selbstmord zwingen kann. Fasziniert nimmt Jessica an und sieht sich immer tiefer in den Sümpfen verstrickt, um auch bald selbst in Lebensgefahr zu geraten. Dufaux versteht es, dem Thema Voodoo durchaus neue Aspekte abzuringen und nicht einfach nur Bekanntes wiederzukäuen. Die eingestreuten Radioansagen geben dabei im wahrsten Sinne den Ton vor: Man bekommt als Tipp den Soundtrack gleich mitgeliefert, um sich noch mehr in der Stimmung zu verfangen. Auch hier werden Referenzen deutlich, wie zum Beispiel zum Film Angel Heart. Das ganze Abenteuer atmet Schwüle und Erotik, aber auch Fäulnis und Gewalt. Der Leser sieht sich unweigerlich in die Handlung gezogen und kann sich den stimmungsvollen Zeichnungen und der spannenden Story nicht entziehen. Die Heldin Blandy begegnet nicht nur den Geistern ihrer Vergangenheit, sondern nimmt den Kampf als Form der Buße auf. Zum Glück erklärt Dufaux nicht viel, sondern deutet nur an, was für den Leser auf eine angenehme Art und Weise sehr irritierend ist. Zunächst fließt die Story so dahin, aber man soll sich nicht täuschen lassen: Unter dem ruhigen Wasser lauern die Alligatoren.

 

Wertung: 10 von 10 Punkten

Beeindruckt mit krassem Realismus und Gesellschaftskritik, auch wenn sich die Themen innerhalb der Reihe wiederholen.

 

Jessica Blandy 3
Schreiber & Leser, 2011
Text: Jean Dufaux
Zeichnungen: Renaud
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 29,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-70-8
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser



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