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von Benjamin Vogt Donnerstag, 28. Oktober 2010
Was sich in Band 1, „Ruhe vor dem Sturm“, bereits angekündigt hat, wird in den beiden abschließenden Bänden der Jeronimus-Trilogie blutige Gewissheit. Diese spinnen die Verwandlung des titelgebenden Jeronimus Cornelisz weiter, eines Apothekers, der im 17. Jahrhundert als Unterkaufmann auf dem Handelsschiff Batavia anheuert.
„Schiffbruch“, so heißt der zweite Teil dieses auf wahren Begebenheiten beruhenden Comics vom Kreativteam Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx. Cornelisz wird darin zum Mitinitiator einer geplanten Meuterei. Bezeichnenderweise beginnt sich auf hoher See bereits das Verhalten des Hauptprotagonisten zu wandeln, das Machtgefüge innerhalb eines begrenzten Raumes, innerhalb einer Gruppe von wenigen hundert Leuten, droht erstmals zu wanken.
Wesentlich bedrohlicher wird die Situation nach dem Schiffbruch: Band 3, „Auf der Insel“, schildert die Vorkommnisse um die insgesamt 200 Überlebenden der Batavia. Wasser und Nahrung sind knapp auf dem Eiland. Jeronimus Cornelisz wird zum skrupellosen Anführer, wird zum Massenmörder, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen.
Die Stimmung, die dem Leser während der gesamten Geschichte entgegenschlägt, ist von intensiver und brutaler Natur. Aus menschlicher Sicht ist das systematische Hinrichten, das hier fortwährend praktiziert wird, und das Ausschalten von Konkurrenten und unnützen Personen zur Machtdemonstration beim Lesen kaum auszuhalten. Aus narrativer Sicht ist es geradezu brillant geraten. Die übermäßige Gewalt kann man den Künstlern hier kaum vorwerfen, immerhin ist die Story historische Realität und genau so (bis auf wenige Kleinigkeiten, die bis heute wohl nicht völlig geklärt sind) dokumentiert, zum anderen liegt der Fokus der Bilder meist eben nicht auf den expliziten Gewaltszenen.
Die bedrohliche Grundstimmung kann das aber nicht wegwischen, und das ist auch gut so. Denn aus ihr speist sich dieser unglaubliche Thriller und unterstreicht eine gewisse psychologische Dimension, die zweifelsfrei existiert. Die Analyse von Jeronimus Cornelisz' Motiven, seiner Persönlichkeit und seines Verhaltens, steht im Zentrum dieses Dreiteilers In dieser Hinsicht gelingt es Dabitch auf beeindruckende Weise, einen Erklärungsversuch zu konstituieren, der nebenbei auch noch zu unterhalten weiß.
Jean-Denis Pendanx' malerische Kulisse ist zuerst einmal gewöhnungsbedürftig, passt aber sowohl in den historischen Rahmen als auch zur textlichen Ausführung, die auch mal Freiraum für die Betrachtung der Bilder lässt.
Jeronimus ist ein Werk, das mich in seiner Gesamtheit wirklich beeindruckt hat. Für mich liegt damit ein Comic vor, der mit zu den stärksten Veröffentlichungen der letzten Jahre zählt.
Jeronimus
Schreiber & Leser
Text: Christophe Dabitch
Zeichnungen: Jean-Denis Pendanx

Ein Comic, für den man eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen kann … und eigentlich auch muss
Band 2: Schiffbruch
März 2010
96 Seiten, farbig, Hardcover, 22,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-33-3
Band 3: Auf der Insel
September 2010
88 Seiten, farbig, Hardcover, 22,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-48-7















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Mit dem zweiten Band von Missi Dominici liegt die Fortführung des Genremix aus Historie und Fantasy vor. Ein kleiner Rückblick: Das sogenannte Kind des Tierkreiszeichens, welches besondere Kräfte hat, führt die Stämme der osteuropäischen Ureinwohner an, welche sich gegen die christlichen Invasoren und die Christianisierung wehren. Die Reiter der Apokalypse, ebenfalls mit besonderen Kräften ausgestattete geheimnisvolle Krieger, bringen Tod und Verderben in das Land und machen somit ihrem Namen alle Ehre, während zwei Ritter der Missi Dominici aus noch unerfindlichen Gründen sich ebenfalls auf die Suche nach dem Kind machten.
Die Story des aktuellen Bandes der Noir-Reihe von Schreiber & Leser ist ein veritabler Medienhopper: Ursprünglich Anfang der Siebziger von Schriftteller Donald Westlake als Roman zur Papier gebracht, wurde der Stoff bereits 1972 unter dem Titel Vier schräge Vögel mit Robert Redford in der Hauptrolle verfilmt. Jetzt hat sich der französische Künstler Lax (alias Christian Lacroix) der Ganovengeschichte angenommen und sie als Comic adaptiert.
Es gehört schon ein gewisser Mut dazu, eine neue Westernserie zu starten. Der Western gehört in der Unterhaltungskultur zu einem der beliebtesten und langlebigsten Genres. So war der allererste Spielfilm, wenn man eine zusammenhängende Story und eine Dramaturgie als Kriterium nimmt, ein Western: The Great Train Robbery von 1903. Angesichts des Alters und der unübersehbaren Vielzahl von Vertretern des Genres, stellt sich natürlich die Frage, was eine weitere Serie denn so Neues bieten kann. Denn die Stoffe sind mittlerweile sehr rar gesät und andere Western nehmen mittlerweile viele Anleihen bei anderen Genres. Der große Klassiker Comanche zum Beispiel ist manchmal eher ein Krimi im Westerngewand.