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(Vortrag/Diskussion)
von Daniel Wüllner Donnerstag, 22. Oktober 2009
Doch bevor wir uns, wie einst Bill Murray, den Monstern stellen, soll eine Kurzchronik der bisherigen Jazam!-Ausgaben einen besseren Überblick verschaffen und zeigen, wohin die Reise geht:
Jazam! #1 "Märchen" mit 27 Künstlern auf 108 Seiten (Comicgate-Rezension)
Jazam! #2 "Götter" mit 40 Künstlern auf 164 Seiten (Comicgate-Rezension)
Jazam! #3 "Zeit" mit 52 Künstlern auf 220 Seiten (Comicgate-Rezension)
Jazam! #4 "Monster" mit 68 Künstlern auf 354 Seiten
Jazam! 4 punktet durch seine unglaubliche Vielfalt, mit der die Frankensteins und Zombies zum Leben erweckt werden. Während die einen ihr großartiges Talent für humoreskes Erzählen („Attack of the Urzeitkrebs“ von Lapinot) einsetzen, beschäftigen sich andere lieber mit der detaillierten graphischen Umsetzung des Übernatürlichen („Open Air“ von Moritz von Wolzogen). Die Waffen der Künstler-Recken, mit denen sie gegen die Monster antreten, sind zahlreich: Von dünnen über dicke Stiften, von Schabkartons und Computermäusen, von Wasserfarben bis hin zu Kohlestiften finden alle Zeichentechniken Verwendung.
Neben der schier endlosen Fülle an interessanten graphischen Ideen gibt es aber auch einen Haufen an Geschichten, die man ohne große Verluste hätte streichen können. Wie viele Splatter-Orgien im Stile eines Richard Corben benötigt man, um auf seine Kosten zu kommen? Die Antwort lautet: Höchstens eine. Selbst die Figuren bei Commander Cork bangen: „Hoffentlich ist die Haltbarkeit noch nicht abgelaufen.“ Wenn man es auf sechs Seiten voller Sprechblasen nicht schafft,
Mit der vierten Ausgabe hat sich Jazam! – vor allem durch die Initiative der verantwortlichen Herren und der Dame – mittlerweile zu einem regelrechten Sprungbrett für junge deutsche Comic-Künstler gemacht. Einige der Zeichner haben durch Jazam! Kontakt mit Comicverlagen geknüpft und auch schon ihre eigenen Comics herausgebracht. Der abschließende Comic-Jam zeigt auch noch einmal sehr anschaulich, wie sich die jungen Zeichner ihr ganz eigenes Netzwerk aufgebaut haben, das sowohl flexibel genug ist, neue Künstler mit ins Boot zu nehmen, als auch prominent genug, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch die Monster-Ausgabe zeigt auch, dass man in Zukunft aufpassen muss, wie viele Beiträge eine einzelne Anthologie verträgt, ohne unübersichtlich zu werden.
Jazam 4 - Monster
Eigenverlag, Juni 2009
Herausgeber: Adrian vom Baur, David Koslowski, Veronika Mischitz, Nico Simon, Florian Steinl
354 Seiten, s/w; 15,- Euro
Leseprobe des vierten Bandes (PDF)

Homepage: www.jazam.de (inklusive Shop)
häufig aktualisiertes Blog: jazam.de/blog
Thread zu Jazam! 4 im Comicforum
Feedback-Thread zu Jazam! 4 im Comicforum
Jazam!-Logo © jazam.de
Abbildungen © die jeweiligen Künstler
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Annies Leben sieht ganz schön beschissen aus. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater irgendwo auf Reisen und ihre große Schwester ein fieses Biest der Extraklasse. Gelebt wird in einem Trailer, was die Sache nicht eben besser macht. Auf so engem Raum ist Rückzug beinahe unmöglich. Hausherr Großpapa versucht mit Ruhe und Geduld die zerrissenen Geschwister daran zu hindern, sich gegenseitig zu zerfleischen. So sollte die Welt eines kleinen Mädchens nicht aussehen.
Nachdem Band 1 und 2 der Indie-Krimiserie um einen mit ganz speziellen Geschmacksfähigkeiten "gesegneten" Sonderermittler der US-Lebensmittelaufsicht FDA so rundum überzeugen konnten, machten sich vor Band 3 leichte Zweifel beim Rezensenten bemerkbar. Würde Autor John Layman das hohe Erzählniveau halten können, das er für die ersten Folgen etabliert hatte? Würde die Geschichte nach dem (gefühlten) vorläufigen Höhepunkt auf der Südseeinsel Yamapalü in Band 2 merklich an Fahrt verlieren? Könnte bereits der Zeitpunkt erreicht sein, an dem das Konzept langweilig wird?
Dass man in alten Märchen und Sagen, zum Beispiel in den von den
Gebrüdern Grimm überlieferten, jede Menge sexuelle Untertöne entdecken
kann, ist keine ganz neue Erkenntnis. Ob diese nun bewusst oder
unbewusst dort hineingelangten, man kann sie zweifellos finden. Wer
heute die Grimm'schen Texte liest, braucht nicht besonders viel
Fantasie, um sie als Sex-and-Crime-Geschichten zu interpretieren.
Diesen Ansatz verfolgt Mart Klein in seiner Comic-Version von Rotkäppchen konsequent. Das Ergebnis ist eine mehr oder weniger pornographische Exploitation-Story.
- 02.07.2009
"Daniel und Oleg sind eine WG", sagt der Klappentext. Und zwar eine im
Hamburger Schanzenviertel, wo sich eine Melange aus Alt-68ern, Punks
und hippen Werbefuzzis zum sogenannten Szeneviertel vereint. Daniel
will um jeden Preis ganz vorne dabei sein, wenn es um die richtigen
Styles geht, egal ob es um Musik, Mode, Frisuren oder die
Inneneinrichtung geht. Oleg dagegen ist eher der gemütliche Typ, dessen
Leben sich zwischen Bong und Spielkonsole abspielt.
Mit Gregory hat Marc Hempel sicherlich eine der skurrilsten Comicfiguren geschaffen. An diesem Insassen einer Irrenanstalt, der sich am glücklichsten in seiner sicheren Zelle fühlt, scheiden sich die geschmacklichen Geister. Für Andreas Mergenthaler, Mit-Herausgeber des Verlags Cross Cult, war es eine Herzensangelegenheit, die Gesamtausgabe in zwei Bänden um Gregory, die oberschlaue Ratte Herman Vermin und die käsesüchtige Maus Wendell auf Deutsch herauszugeben.