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(Vortrag/Diskussion)
von Daniel Wüllner Donnerstag, 11. Dezember 2008
Der Comic-Verlag Cross Cult schaltete sich diesen November in den internationalen Dialog zwischen Frankreich und USA ein und brachte mit der Gesamtausgabe von Ich bin Legion einen äußerst blutigen Weltkriegscomic auf den deutschen Markt. Gestützt wird Fabien Nurys Erzählung über politische Intrigen und übernatürliche Phänomene während des Zweiten Weltkrieges durch den hyperrealistischen Zeichenstil des zweifachen Eisner-Award-Gewinners („Bester Zeichner/Tuscher" 2004 und 2005) John Cassaday.
Dezember 1942: Nazideutschland sieht sich den Alliierten Truppen gegenüber und forscht deshalb nach übernatürlichen Geheimprojekten, die die Vorzeichen zugunsten von Hitlers Armee drehen sollen.
| Der Herr fragte den Mann:"Wie heißt du?" |
| Er antwortete: "Mein Name ist Legion. Denn wir sind viele." |
| Markus Evangelium 5,9. |
Ich Bin Legion entstand aus einer transatlantischen Allianz zwischen den zwei Comic-Großmächten Frankreich und USA, deren Beziehungen der freie Redakteur Stefan Pannor im Anhang des Comics interessant aufarbeitet. Der Zeichner John Cassaday, der in Amerika durch Titel wie Astonishing X-Men und Planetary bekannt wurde, fertigte die Zeichnungen für das Szenario des französischen Autors Fabien Nury an. So erschien 2005 der dreibändige Comic beim französischen Traditionsverlag Les Humanoides Associes, dem Verleger des berühmten SciFi-Magazins Metal Húrlant.
Obwohl Nury für sein Szenario eine recht konventionelle Erzählweise verwendet, gewinnt der Plot des mysteriösen Weltkriegskrimis durch raschen Wechsel der Schauplätze und immer neue Perspektiven seine Komplexität. So bleibt der Fokus selten mehr als fünf Seiten auf einer der vielen Parallelhandlungen. Die Stärke des Comics liegt eben in den Brüchen zwischen den einzelnen Erzählpassagen, die immer wieder das Interesse wecken und den Leser auffordern, die Lücken zwischen den einzelnen Handlungen zu ergänzen. Erst gegen Ende des Comics beginnen sich die losen Enden zusammenzufügen.
Während Nurys fantastische Geschichte den Leser dazu auffordert, sich auf ein Intrigenspiel zwischen den Supermächten einzulassen, gewährt Cassaday durch seine hyperrealistischen Darstellungen zunächst wenig Einblicke in die Psyche der Figuren; Gesichter wirken wie Fassaden, die erst nach eingehender Betrachtung allmählich Informationen preisgeben. Durch das Vorenthalten von Hinweisen fügt sich Cassadays Zeichenstil passgenau in das Verwirrspiel von Nury ein. Während langsam erste Verbindungsmöglichkeiten zwischen den Plotelementen im Comic aufgedeckt werden, beginnen auch Cassadays Figuren unweigerlich mehr über sich zu verraten. So lassen sich Falten, die zuvor als unwichtige Details der hyperrealistischen Darstellung abgetan wurden, auf Handlungselemente zurückführen. Der Leser muss sich nicht nur auf die Geschichte konzentrieren, sondern auch genau auf die exzellent dargestellte Mimik der multiplen Protagonisten achten. Während es vielen Figuren, wie z.B. Winston Churchill, bis zum Ende gelingt, ihre Fassade zu wahren, kann man förmlich sehen, wie andere sich ein letztes Mal gewalttätig aufbäumen, bevor sie endgültig zusammenbrechen.
Wenn man Ich bin Legion ein kleines Manko unterstellen möchte, dann ist dies sicherlich die Darstellung der Actionsequenzen, die durch überdimensionale Panels zwar bewusst in Szene gesetzt werden, doch durch ihre Präsenz ihre ganze Dynamik verlieren. Leider nehmen diese Szenen ab der zweiten Hälfte des Comics zu, da die Figuren nach der Preisgabe ihrer Informationen sich nur noch durch nackte Gewalt zu helfen wissen. Auch der Grad der Brutalität steigert sich, weshalb Cross Cult den Comic ganz zu Recht nur für ein Publikum über 16 Jahren empfiehlt.
Das faszinierende Comicalbum Ich bin Legion lädt den Leser auf eine ideenreiche Reise durch das Europa des Zweiten Weltkriegs ein und gewährt ihm dabei sowohl Einblick in das Machtgefüge der Geheimdienste als auch in übernatürliche Phänomene dieser Zeit. Die graphischen Eigenheiten von Zeichner John Cassaday fügen sich passgenau in das Skript von Fabien Nury ein. Gerade wegen der noch nicht vollends ausgeschöpften Darstellung der Actionszenen schreit der Comic förmlich nach einer Verfilmung, für die Cassaday bereits im Gespräch sein soll. Das neue Comicalbum aus dem Hause Cross Cult liegt zudem gut in der Hand, sieht nicht nur im Regal ansprechend aus und wird durch Stefan Pannors Aufsatz über die "Transatlantische Allianzen" zwischen Amerika und Frankreich angemessen abgerundet.
Ich bin Legion
Cross Cult, November 2008
Text: Fabien Nury
Zeichnungen: John Cassaday
Hardcover; vierfarbig; 176 Seiten; 26,00 Euro
ISBN: 978-3-936480-66-5
Leseprobe
Bildquelle und © Abbildungen: cross-cult.de















Neue Veranstaltung einsenden



Eric Powells Serie The Goon ist bekannt für ihre Noir-Atmosphäre, die mit Horror, Pulp und Humor angereichert wird. Das ist manchmal ziemlich abstrus, aber die Reihe hat den unbedingten Willen zum Trash und will auch gar nichts anderes als zu unterhalten und Spaß zu machen. Der Humor geht allerdings manchmal sehr in die Bereiche von Flatulenz-Gags wie bei den Filmen der Farrelly-Brüder. Der neue Band von The Goon ist anders. Er wurde von vornherein als Graphic Novel konzipiert, er steht außerhalb der Serie und folgt auch nicht deren Kontinuität. Vielmehr wird hier die Vergangenheit des Goon beleuchtet und manche Handlungslücke geschlossen. Schon im allerersten Band der Reihe wurden die traumatischen Ereignisse in
Au Backe, was für ein Ziegelstein! Selten habe ich so einen massiven Comicband vor mir gehabt. In gewohnt guter Cross-Cult-Manier mit Hardcover und edlem Papier, aber nicht in handlichem DIN A5, sondern in gefühltem DIN A2 (dabei hat er in Wirklichkeit etwa DIN A4-Format) liegt einem der Klops schwer in der Hand. Genauso mächtig, wie er von außen daherkommt, so stark und kraftvoll ist der grafische Inhalt. Erzählerisch wird sie nicht jedem zusagen, die Geschichte eines Krieges, eines stark an die Sowjetunion angelehnt sozialistischen Staates und seiner Soldaten. Zu abstrus scheint einem Historie verwoben zu sein mit Zauberei, futuristischen Kriegsluftschiffen und pathetisch verblendeter Aufgabe der Individualität. Müsste man diesen Band auf ein Wort reduzieren, trifft es trotzdem dieses am besten: opulent.
Manchen Lesern und Fans dürfte dieser Comic nicht gänzlich unbekannt sein, da er schon vorab in Fortsetzungen im Magazin Comix erschien. Nur hat man hier nun den kompletten Band in einer sehr viel schöneren Aufmachung vorliegen. Qualitativ ist an den Cross-Cult-Veröffentlichungen kaum etwas auszusetzen, was Papier, Bindung und Zusatzmaterial betrifft. Hier sind einige Anhänge zu den Storyhintergründen und eine kleine Galerie angefügt.
Seit Erscheinen des ersten
Storybogens, „Die Weltuntergangs-Suite“ dürfte feststehen: Wenn man nur einen
einzigen unverzichtbaren Superheldencomic benennen müsste, dann wäre es The
Umbrella Academy. Nicht umsonst wurde die noch junge Serie nicht nur in den
USA, sondern auch hierzulande mit Lob geradezu überhäuft.
- 07.10.2010