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von Thomas Kögel Donnerstag, 24. Dezember 2009
Das beginnt schon beim Format: 464 Seiten hat Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens – so dick war wohl noch kein autobiographischer Comic aus deutschsprachiger Eigenproduktion. Aber Ulli Lust hat auch weitaus mehr zu erzählen als durchschnittliche Jugenderinnerungen, die beim Leser ein nostalgisches "Bei mir war's ganz ähnlich"-Gefühl auslösen. Die Erfahrungen, die sie auf ihrer Italienreise machte, haben andere Jugendliche eher nicht gemacht. Der Nervenkitzel beim illegalen Grenzübertritt im Wald gehört da noch zu den harmloseren Dingen – Ulli und Edi geraten an zwielichtige Typen, kommen in Kontakt mit harten Drogen und der Mafia und landen kurzzeitig im Gefängnis. Vor allem aber bekommen sie es immer wieder mit Männern zu tun, die die beiden jungen Österreicherinnen als sexuelles Freiwild betrachten und entsprechend behandeln.
"Es ist gleichgültig, wie ich aussehe und was ich sage. Ich bin nur ein Loch auf zwei Beinen, mit zwei wackelnden Brüsten vorne dran." Das beklemmende Gefühl, wie ein Tier im Zoo angestarrt zu werden und ständig Angst vor sexuellen Übergriffen bis hin zur Vergewaltigung haben zu müssen, bringt Ulli Lust sehr überzeugend zu Papier. Während ihre Zeichnungen zunächst überwiegend realistisch-dokumentarisch gehalten sind, werden Angst, Wut und Verzweiflung später auch surreal-sinnbildlich dargestellt. "Ich muss mich zurückziehen. Ich muss verschwinden", heißt es in einer Szene, worauf die Comicfigur Ulli vorübergehend unsichtbar wird. An anderer Stelle zeichnet sich die Künstlerin als wutentbranntes, in Flammen stehendes Mädchen oder einen schmierigen, zudringlichen Italiener als unförmige, glitschige Masse.
Am Tiefpunkt angekommen, nach einer Nacht im Gefängnis, gelingt es Ulli schließlich, das Italien-Kapitel zu beenden und nach Hause zurückzukehren. Eine glorreiche Heimkehr wird es freilich nicht.
"Überlebt und gezeichnet von Ulli Lust" heißt es in der ersten Version von Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens, die ab 2005 in Einzelepisoden online auf electrocomics.com veröffentlicht wurde (für die Printausgabe wurde der Comic noch einmal neu bearbeitet). In dieser Formulierung klingt bereits an, dass die Zeichnerin ihre Erlebnisse von damals mit einer gewissen, nicht nur zeitlichen, Distanz betrachtet. Die Ich-Erzählerin in ihrem Buch, die das Geschehen gelegentlich kommentiert, ist die Ulli Lust von heute, die sich manchmal selbst wundert, wie naiv und blauäugig sie als Teenager war. Dies ist kein nostalgisch verklärter Blick zurück in die Jugendzeit, vielmehr ein schonungslos ehrliches Erinnern an eine Zeit, auf die die Autorin nicht stolz ist. So entschuldigt sie sich auf der letzten Seite des Buchs bei ihren Eltern und dankt ihrem Sohn dafür "dass er so vernünftig ist".
Heute ist der letzte Tag vom Rest Deines Lebens
Avant-Verlag, Oktober 2009
Text und Zeichnungen: Ulli Lust
464 Seiten, Softcover, schwarzweiß + olivgrün, 29,95 Euro.
ISBN: 978-3-939080-36-7

Abbildungen: © Ulli Lust / Avant-Verlag
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Im Jahr 1966 kündigt der junge
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große Traum, wie Hamaguchi bald feststellen muss. Als Teil eines Teams darf er
lediglich tuschen, Hintergründe zeichnen oder Speedlines hinzufügen. Hinzu
kommt der Zeitdruck, wenn Deadlines eingehalten werden müssen.
- 13.07.2010
Zuletzt machte der französische Künstler Joann Sfar ja weniger als Comicschaffender denn durch den von ihm als Drehbuchschreiber und Regisseur inszenierten Film Gainsbourg (über den Chanson-Sänger Serge Gainsbourg) von sich reden. Und da der begleitende, von Sfar gezeichnete Comicband, im Gegensatz zum Streifen selbst, bis dato nicht als deutsche Fassung vorliegt, muss man sich einstweilen eben einem der anderen Sfar-Projekte widmen.
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- 09.09.2010
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