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(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Dienstag, 08. Dezember 2009
In den Niederlanden ist der Name Havank bereits lange ein Begriff, denn
unter diesem Pseudonym veröffentlichte der Kriminalautor Hendrikus Frederikus
van der Kallen dort gut 30 Geschichten. Der Havank im Comic, dessen erster Band
jetzt in deutscher Sprache vorliegt, ist
wohl ein Amalgam aus dem bekannten Schriftsteller und dessen Figur, dem Polizeiinspektor
Charles C. M. Carlier auch genannt „Der Schatten“.
Die Serie stammt aus der Feder von Danier, hinter dem niemand geringerer als der niederländische Künstler Daan Jippes (vielen sicherlich durch seine Stories für Disney bekannt) steckt. Sein Havank ist ein routinierter Inspektor, mit wallendem weißen Haar, Sandalen und Baskenmütze. Als solcher begibt er sich nach Südfrankreich, genauer gesagt an die Côte d'Azur, um ein brisantes Dokument ausfindig zu machen. Dieses soll angeblich einen geplanten germanischen Staatsstreich gegenüber Österland beweisen können.
Wo und wann dieser Comic spielt, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen und spielt auch keine wirkliche Rolle für Havanks Fall. Offenbar lässt Danier seine Serie bewusst in einem fiktiven Kosmos laufen, weshalb bei ihm Deutschland eben Germanien und Österreich Österland heißt. Auch das Hakenkreuz ist in der voran gestellten, kurz abgehandelten Klärung des Hintergrundes deutlich abgewandelt, fast verniedlicht dargestellt. Vermutlich wollte der Künstler den zeitgeschichtlichen, politischen Rahmen, der ohnehin nur eine unbedeutende Rolle spielt, an die eigentliche Stilrichtung des Comics anpassen. Und der ist nunmal als klassischer Funny-Titel zu bezeichnen.
Havank erfüllt seine Rolle als eigenbrödlerischer, erfahrender Ermittler und erweist sich im Laufe der Erzählung als amüsanter Zeitgenosse und Meister der Verkleidung. Umgeben ist er von einer Riege zwielichtiger Personen, deren Motive es erstmal aufzudecken gilt.
Daan Jippes entwickelte mit dieser Serie einen Crime-Funny im frankobelgischen Stil. Die glatten, runden Zeichnungen sind mit freundlichen Farben ausgefüllt und erinnern in etwa an einen Jeff Jordan. Ähnlich wie bei diesem Klassiker lässt sich auch am ermittelnden Havank eine charismatische Persönlichkeit ausmachen, die dem Comic Lebendigkeit verleiht.
Alles in allem gefiel mir „Dokumentenjagd“ sehr gut und ich hoffe, dass auch außerhalb des ZACK-Magazins noch weitere Abenteuer von Havank in Albenform veröffentlicht werden.
Havank: Dokumentenjagd
Zack Edition im Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag, Oktober 2009
Text und Zeichnungen: Danier
56 Seiten, farbig; 12,- Euro
ISBN: 978-3-941815-04-9















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Nach dem recht gelungenen Einzelband Point Blank liegt mittlerweile auch der erste deutschsprachige Sammelband der
Wildstorm-Serie Sleeper vor, eine Reihe, die bestimmte Personen aus Point
Blank tangiert und auf Geschehnisse daraus aufbaut, respektive fortführt.
Trotzdem lässt sich Sleeper auch ohne Mühe losgelöst von seiner „Prolog-Story“ genießen.
Toonfish heißt das neue Label, mit dem der Splitter Verlag sein Programm um eine neue Geschmacksrichtung erweitert: Funny-Comics aus Frankreich, im quadratischen Hardcoverformat. Bei den drei Titeln, die zum Start vorliegen, handelt es sich, dem Namen "Toonfish" zum Trotz, nicht um Cartoons, also klassische Ein-Bild-Witze, sondern um kurze Gag-Strips, die auf ein bis drei Seiten erzählt werden. Aushängeschild des neuen Imprints ist der Schweizer Künstler Zep, der mit seinen Comics um den pubertären Titeuf in Frankreich absoluten Bestsellerstatus erreicht hat.
Manchen Lesern und Fans dürfte dieser Comic nicht gänzlich unbekannt sein, da er schon vorab in Fortsetzungen im Magazin Comix erschien. Nur hat man hier nun den kompletten Band in einer sehr viel schöneren Aufmachung vorliegen. Qualitativ ist an den Cross-Cult-Veröffentlichungen kaum etwas auszusetzen, was Papier, Bindung und Zusatzmaterial betrifft. Hier sind einige Anhänge zu den Storyhintergründen und eine kleine Galerie angefügt.
In der Werkausgabe von Jean Dufaux' Jessica Blandy bei Schreiber & Leser liegt mittlerweile der dritte Band vor. Diesmal sind sogar gleich vier Abenteuer enthalten, wobei nur zwei inhaltlich eng zusammen gehören. Alle Stories sind dabei deutsche Erstveröffentlichungen.
Der Autor dieses Comics, Pierre Dragon, heißt in Wirklichkeit ganz anders. Hauptberuflich arbeitet er nämlich beim Nachrichtendienst der französischen Polizei, den "Renseignements Généraux", kurz RG. Ein echter Geheimagent also. Dieser lernte 2006 (im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen) Joann Sfar kennen, den französischen Hansdampf in allen Comic-Gassen. Sfar war fasziniert von den Geschichten, die ihm Dragon aus seinem Arbeitsleben erzählte und brachte ihn mit dem Schweizer Zeichner Frederik Peeters (Blaue Pillen) zusammen. Wenig später erschien dann der erste Band von RG bei Bayou, der von Sfar betreuten Comic-Edition im Verlag Gallimard.
- 29.10.2009