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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 24. Juli 2008
In Ben Tanakas Leben läuft gerade nicht alles so, wie er es
sich vorstellt: Das Kino, das er leitet, wird kurzzeitig geschlossen, seine
Freundin Miko zieht alleine nach New York, um sich beruflich weiterzuentwickeln und
von der Beziehung eine Auszeit zu nehmen, und auch seine beste Freundin, die
lesbische Studentin Alice, zieht es in den Big Apple. Für Ben, der seinem
Umfeld ohnehin mit Engstirnigkeit und Sarkasmus entgegentritt, Grund genug,
sich immer mehr in Pessimismus und Hoffnungslosigkeit zu verlieren.
Halbe Wahrheiten ist die erste Graphic Novel von Adrian Tomine (Optic Nerve, Sommerblond; beide bei Reprodukt erschienen). Wie von seinen anderen Werken bekannt, konzentriert er sich auch hier vornehmlich auf ein kleines Ensemble „normaler“ Menschen um die 30 Jahre. Dreht sich die Geschichte hauptsächlich um die Figur des Ben Tanaka, so ist dessen scheiternde Beziehung, sein Leben zwischen Film, Sex und Liebe, doch nur eine Verdeutlichung der Orientierungslosigkeit einer Generation.
Ben, genau wie Miko
und Alice, sind asiatisch-stämmige Amerikaner, die über die Klarheit der
eigenen Identität ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Überdeutlich wird
Bens kulturelle Identitätskrise dargestellt, so sieht sich schließlich auch
Freundin Miko nach Bens sarkastischen Bemerkungen bezüglich des Asian-American
Filmfestivals zur Aussage verleitet, dass er sich wohl für seine Herkunft
schäme. Schließlich wird auch diese unzureichend definierte ethnische Frage zur
zusätzlichen Belastung in der Beziehung, die darin gipfelt, dass Miko nach New
York und Ben zurücklässt. Für ihn bietet sich jetzt die Gelegenheit, diese
Auszeit zu nutzen, um seiner heimlichen Neigung nach weißen Frauen
nachzukommen, was ihm aber auch nur solange im Kopf herumschwirrt, bis er von
Alice nach New York bestellt wird, um Miko nachzustellen.
Halbe Wahrheiten zeigt einen 30-jährigen Mann, dessen
Leben von Zweifeln geprägt ist, der Mauern um sein Innerstes aufbaut und der
auf der Suche nach sich selbst über soziale Stolpersteine fällt. Es ist ein
Charakter, der, geleitet von Adrian Tomine, in der Lage ist, dem Leser
Alltagssituationen möglichst gefühlsecht zu vermitteln. Mithilfe einer schlicht
gehaltenen Panelanordnung und klaren, präzisen Schwarz-Weiß-Zeichnungen gelingt es
Tomine, eine nachdenkliche Atmosphäre zu erzeugen, mit der sich jeder Leser
identifizieren kann.
Halbe Wahrheiten
Reprodukt, Juli 2008
Text und Zeichnungen: Adrian Tomine
104 Seiten; schwarzweiß; Klappenbroschur; 13,00 Euro
ISBN: 978-3-938511-39-8
Abbildungen: © Adrian Tomine, Reprodukt















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