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von Thomas Kögel Samstag, 27. November 2010
Es beginnt wie in einer Naturdokumentation im Fernsehen: Eine menschenleere Welt, ein Bär fängt Lachse im Fluß, ehe er von einem noch größeren Bär angegriffen wird. Doch dann betritt ein kleiner Dinosaurier das Feld, der trotz seines grimmigen Blicks sehr niedlich aussieht. Er nimmt es mit dem riesigen Kodiakbären auf und liefert ihm einen ungleichen Kampf, denn der kleine ist total überlegen. Anschließend frisst er sich an den Fischen satt und schläft, respektlos wie er ist, direkt auf dem Bauch des eben besiegten Bären ein.
Mit dieser Episode beginnt der erste Band von Gon, einer Mangaserie von Masashi Tanaka, an der einiges anders ist als gewohnt: Auffälligstes Merkmal ist zunächst einmal, dass es sich hier um einen Comic ganz ohne Worte handelt. Gesprochen wird nicht, denn Menschen kommen in keiner Weise vor, und auch den Tieren werden keine Worte in den Mund gelegt. Auch auf Soundwords verzichtet Tanaka vollständig. Seine ganze Konzentration gilt den Bildern, und die gestaltet er mit unzähligen feinen Linien sehr naturalistisch und wirklichkeitsnah, fast fotorealistisch. So entsteht eine Atmosphäre, die, wie eingangs schon geschrieben, beinahe dokumentarisch wirkt – allerdings wird dies durch die Figur des Gon auf hoch amüsante Weise gebrochen. Der Baby-T-Rex, anders als die anderen Tiere eher "comichaft" gezeichnet, bricht in die idyllische unberührte Natur ein und stellt mit seinen extrem übertriebenen Kräften alles auf den Kopf: Gon nutzt einen Löwen als Reittier, stellt mit einem enormen Staudamm ganze Biberpopulationen in den Schatten und lässt sich wie ein Kuckuck in einem Adlerhorst von Adlermama und Adlerpapa durchfüttern.
Vier Episoden enthält dieser Band – alle in sich abgeschlossen und an ganz unterschiedlichen Schauplätzen spielend. Für Gon spielt es offenbar keine Rolle, ob er sich in den Wäldern Alaskas oder in der afrikanischen Steppe befindet, so wie er auch sonst über den Regeln der Physik steht. Durch ihre Wortlosigkeit sind die kurzen Geschichten recht schnell gelesen und eignen sich prima als kurzweilige Unterhaltung für Zwischendurch – zumal die Stories auch nicht viel Tiefgang besitzen. Tanaka macht sich einfach seinen Spaß damit, die Gesetze der Natur, das ewige Spiel von Fressen und Gefressen-Werden durcheinanderzuwirbeln, indem er mit dem niedlichen Dino ein Element des Chaos einfügt. Und weil er so viel Liebe und Sorgfalt in seine filigranen Zeichnungen steckt und seinen eigentümlichen Titelhelden Gon so liebenswert gestaltet, geht dieser Spaß auf den Leser über.
Ob man davon unbedingt alle sieben Bände lesen muss, sei mal dahingestellt, aber es ist erfreulich, dass Carlsen diesen fast schon klassischen Manga aus den Neunzigern endlich komplett vorlegen will, nachdem ein erster Anlauf bei der Edition Kunst der Comics (noch einige Jahre vor Beginn des Manga-Booms) vorzeitig abgebrochen wurde. Gon passt in keine Schublade, lässt sich weder einem bestimmten Genre noch einer bestimmten Zielgruppe zuordnen, eignet sich für Leser jeden Alters und sollte auch Leuten gefallen, die sonst keine Manga lesen.
Die mit 5,95 Euro pro Band erfreulich preisgünstigen Taschenbücher enthalten als Bonus noch einen kleinen Textteil zu jeder Episode, in der die jeweils beteiligten Tierarten vorgestellt werden und die Handlung noch einmal in Schriftform zusammengefasst wird – und zwar aus der Ich-Perspektive von einem der von Gon zum Narren gehaltenen Tiere. Ein Zusatz, der eher überflüssig und auch nicht besonders originell oder komisch ist.
Amüsanter, perfekt gezeichneter Naturmanga mit sympathischer Hauptfigur
Wertung: ![]()
Gon 1
Carlsen Manga, Oktober 2010
Text und Zeichnungen: Masashi Tanaka
144 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 5,95 Euro
ISBN: 978-3-551-75603-9
Abbildungen © Masashi Tanaka, der dt. Ausgabe: Carlsen Verlag















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David Schraven und Vincent Burmeister nahmen ein reales Geschehen als Aufhänger für ihren Comic. Am 27. März 1980 kenterte die norwegische Bohrinsel Alexander Kielland und riss 123 der 212 Besatzungsmitglieder in den Tod. Als Unfallursache galten damals Ermüdungserscheinungen der Stützstreben, die brachen und damit eine fatale Kettenreaktion auslösten. Die beiden deutschen Comicschöpfer nehmen aber eine menschliche Ursache an und spinnen ein Garn von Einsamkeit und Verzweiflung.
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nach Frankreich übersiedeln. Don Diego, der nachts als maskierter Rächer
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