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von Jons Marek Schiemann Dienstag, 01. Januar 2013

Cover Goliath Der schottische Zeichner, Autor, Illustrator und Cartoonist Tom Gauld ist hierzulande nicht sonderlich bekannt. Ganz im Gegensatz zu seiner Heimat, wo er wöchentliche Comicstrips für den Guardian zeichnet, in diversen Anthologien publizierte und kleinere Buchveröffentlichungen aufweisen kann. Goliath ist sein erster längerer Comic, und die Idee dahinter ist sehr überzeugend.

Goliath ist ein kleiner Verwaltungsangestellter im Heer der Philister, welches Israel erobern will. Obwohl körperlich ein Riese, hat Goliath mit dem Kriegswesen nichts anderes im Sinn als Zahlen für die Verpflegung und andere Statistiken auszuarbeiten. Die Ruhe in der Etappe kommt ihm sehr gelegen. Leider wird der König der Philister etwas unruhig, da sich sein Heer und das der Israeliten nur noch belauern und somit keine Entscheidung herbeigeführt werden kann. Da kommt einem Hauptmann die Idee, eine symbolische Kriegsführung einzurichten: Er steckt den sanftmütigen Goliath in eine Rüstung, setzt Gerüchte in Umlauf und lässt Goliath jeden Morgen und Abend eine Herausforderung in Richtung des gegnerischen Heeres rufen.

Seite aus Goliath Wie gesagt: Die Goliath zugrundeliegende Idee ist sehr gut. Man nehme eine sprichwörtlich gewordene Situation und erzähle sie aus der Sicht des ewig Benachteiligten. Im Grunde war das schon längst überfällig. David gegen Goliath ist ein immer und ewig verständliches Symbol und längst schon im Sprachschatz selbstständig geworden. Während aber David ein biblischer Held ist, durchaus mit negativen Eigenschaften, ist über seinen Gegner Goliath so gut wie nichts bekannt. Da können sich also Autoren und Zeichner richtig austoben und diese (historische?) Leerstelle ausfüllen. Wenn man das dann noch wie hier mit einer satirischen Absicht verknüpft, wenn das Kriegswesen parodiert und psychologische Kriegsführung erläutert werden soll, kann doch im Grunde nichts schief gehen. Meint man jedenfalls.

Aber leider bleibt der Band weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zum einen ist Tom Gaulds kindlich-naiver Strich sehr gewöhnungsbedürftig und kann nicht sonderlich überzeugen. Das liegt weniger am Stil, sondern eher an der graphischen Einfallslosigkeit. Da passiert einfach nichts, obwohl die Gestik der Figuren gut deren innere Gefühlslage wiedergibt. Viel gravierender ist es für eine Satire, dass es nur äußerst selten wirklich komische Momente gibt. Es ist einfach nicht lustig. Zudem kommt einem die Hauptfigur Goliath auch nicht gerade nahe und so verpuffen alle dramatischen Elemente. Die Verdeutlichung der symbolischen Kriegsführung ist zwar gelungen, aber die Psychologie des Krieges wird nur selten angedeutet. Trotz einer sehr schönen Szene mit Images und Gerüchten, ist das letztendlich zu wenig. Alles ist nur ein Kiesel in der Wüste. Trotz vieler guter Ansätze scheitert Gould. Er will zuviel, schafft es nicht, sich zu beschränken und bleibt damit immer nur in Andeutungen und Ansätzen stecken.

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Wertung: 3 von 10 Punkten

Macht leider überhaupt nichts aus einer sehr guten Idee und großem Potential

 

Goliath
Reprodukt, September 2012
Text und Zeichnungen: Tom Gauld
Übersetzung: Nicolas Mahler
96 Seiten, zweifarbig, Softcover mit Klappenbroschur
Preis: 15,00 Euro
ISBN: 978-3-943-14326-3
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt



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