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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Daniel Wüllner Samstag, 09. Mai 2009
Als Leiter der Abteilung Illustration der Hochschule Luzern - Design & Kunst hat Thomé all seine Erfahrung als Dozent, aber auch als praktizierender Illustrator in Geduld und Gorillas gesteckt. Man findet historisches Fachwissen über die Arbeiten des Comic-Vorvaters Rodolphe Töpffer neben Anekdoten über den Karikaturisten Saul Steinberg ebenso wie eigene Arbeiten des Künstlers. Um dem Leser die Reise in die Welt der Illustration zu erleichtern, präsentiert Thomé die Arbeiten von Studenten, lässt Kollegen über ihre Projekte erzählen und rundet das gesamte Bild durch Interviews mit Illustratoren und Dozenten ab. Dabei beweist Thomé als Herausgeber dieselbe Geduld, die es benötigt, um einen Gorilla zu zeichnen.
Ständige Begleiter der Texte und Interviews sind Illustrationen, die das gesamte Spektrum der Darstellungsformen abdecken: Von den wilden Scribbles der Studenten und Dozenten, welche an Töpffers Idee des "mentalen Zickzacks" erinnern, bis hin zu den Arbeitsmappen, Skizzenbüchern, Abschlussarbeiten und Auftragsarbeiten der Dozenten und Studenten des Instituts fungieren diese Illustrationen aber nicht nur als freundliche Unterstützung des Textes; wie in einem Comic unterstützen sie das Geschriebene, brechen mit den Aussagen der Befragten oder greifen aktiv in das Layout des Textes ein.
Aber auch ohne den begleitenden Text beweisen die grafischen Beispiele, dass Illustrationen nicht nur dazu dienen, eine bestimmte Ware in den Warenkorb zu bekommen, sondern das Erlebnis der visuellen Wahrnehmung zu zelebrieren. Dabei lässt sich Geduld und Gorillas auch als wundervolles Bilderbuch voller Ideen und Anregungen lesen. Beinahe jede neue Seite überrascht durch eine große Farbvielfalt, minimalistische Strips, subjektive Comicreportagen oder anatomisch korrekte Darstellungen von Käfern und Landschaften zu wissenschaftlichen Zwecken.
Um dem Leser den Studiengang als solchen näherzubringen, hat Thomé befreundete nationale und internationale Kollegen wie Henning Wagenbreth (Universität der Künste Berlin) und Jonathan Gibbs (Edinburgh College of Art) befragt, wie sie den Studiengang Illustration definieren würden, wie man "Kunst" überhaupt studieren und benoten kann und was der Bachelor-Abschluss in diesem Bereich wirklich wert ist. Die Befragten waren sich darüber einig, dass man keine "kreativen Manager" heranzüchten will, sondern jungen Menschen Bilder als Sprache begreifbar machen möchte. Neben diesen rein theoretischen Diskursen beschäftigen sich die Beteiligten in Geduld und Gorillas mit Non-Fiction als Form der grafischen Reportage (Christoph Göldlin und Roland Hausherr), mit der Biografie eines Buches (Hans ten Doornkaat und Valérie Losa), dem Nutzen eines Workshops (Ben Katchor) und dem postuniversitären Kampf der Illustratoren auf dem Arbeitsmarkt.
Ob die jungen Illustratoren jetzt den beschwerlichen Weg eines Comiczeichners einschlagen werden - wie vor ihnen die Absolventin Kati Rickenbach (Filmriss) oder die Gastdozenten Thomas Ott (t.o.t.t.) und Christophe Badoux (Klee) - bleibt abzuwarten. Geduld und Gorillas erläutert und dokumentiert äußerst eindrucksvoll, warum Illustrationen nicht die Wurzel allen Übels sind, sondern eine Sprache der Bilder darstellen, die es für die Anwendung in grafisch erzählenden Texten wie beispielsweise Comics zu erlernen und zu meistern gilt.
Geduld und Gorillas: Wie Illustratoren gemacht werden
Niggli Verlag, Februar 2009
Hrsg.: Pierre Thomé
Texte/Zeichnungen: diverse
A4, Softcover, farbig, 344 Seiten; 36,- Euro
ISBN 9783-7212-0696-8
















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Für den Sonderband „Comics, Mangas, Graphic Novels“ der Reihe
Den Urcomic, die Geburtsstunde dieser Kunstform festzulegen, ist der heilige Gral der Comicforschung; jeder würde ihn gerne anfassen, doch ist die fortwährende Suche nach ihm das eigentliche Ziel. Auf diese Reise haben sich nun auch Jens Balzer und Lambert Wiesing in Outcault: Die Erfindung des Comic gemacht. Sie haben den Comicstrip The Yellow Kid eingehend studiert und erzählen von der „stehenden Figur“, vom Großstadt-Flaneur und vom besonderen Status der Sprechblase in diesem Comicstrip. Dabei bringt der dritte Band der yellow-Serie einen frischen gelben Wind in die deutsche Comicforschung.
- 23.05.2010
Seit mehr als einem Jahr nun färben sich die Träume von deutschen
Comicwissenschaftlern in sattem Gelb, denn im Januar 2008 gründete der
wissenschaftliche Mitarbeiter der Ruhr-Universität Bochum, Christian A.
Bachmann, seinen gleichnamigen Verlag. Bachmann setzt dabei mit seiner
gelben Reihe "yellow: Schriften zur Comicforschung" genau auf die
Nische, die bisher von der deutschen Verlagsgemeinde vernachlässigt
wurde, auf die Comic-Wissenschaft. Das Gelb, so Bachmann im Vorwort zum
ersten Band der Reihe, soll an den gelben Schlafrock von Mickey Dugan
erinnern, aus Outcaults cartoon strip The Yellow Kid, der für viele Wissenschaftler die Geburtsstunde des Comics markiert. Der zweite Band Ingenieur der Träume – Medienreflexive Komik bei Marc-Antoine Mathieu von Dr. Rolf Lohse ist nun in der zweiten Auflage erschienen.
- 21.10.2009
Ein
Buch über Comics zu verfassen, ist ein genauso großer Drahtseilakt wie
die Adaption einer literarischen Vorlage für die große Leinwand.
Ständig wird man zwischen künstlerischer Eigenständigkeit und Werktreue
balancieren müssen, um sich selbst, dem Publikum und dem Markt gerecht
zu werden. Obwohl die perfekte Besänftigung all dieser Gruppen einem
Wunschtraum gleichkommt, hat sich Comicredakteur Klaus Schikowski mit Die großen Künstler des Comics
(im Edel Verlag erschienen) einer solchen Aufgabe gestellt. Als
Gegenstand und auch als Unterstützung für das Projekt hat sich
Schikowski 34 große Comic-Künstler von Rudolph Dirks bis hin zu Marjane
Satrapi mit aufs Drahtseil geholt.
- 27.11.2009
Im ostwestfälischen Bielefeld gastiert noch bis zum 5.April 2009 die Ausstellung Jahrhundert der Comics - Die Zeitungs-Strip-Jahre. Dabei zeigt das Museum Huelsmann, unter Leitung von Kurator Dr. Alexander Braun, frühe amerikanische Zeitungs-Strips, die so bisher in Deutschland noch nicht zu sehen waren. Die Sammlung, die fast ausschließlich aus dem Privatbesitz des Kurators selbst stammt, führt den deutschen Leser in eine Welt der Zeitungscomics ein, die eigentlich als Wegwerfkultur gedacht war. Ein gern gesehener Begleiter jeder Museumsausstellung - hat man selbige nun besucht oder auch nicht - ist immer der entsprechende Katalog zur Ausstellung. Auf den bebilderten Seiten des stattlichen Folianten findet der Leser neben Reproduktionen der Exponate einen unerlässlichen Fundus an Informationen über die frühen Strips und deren geschichtlichen Kontext. Im Fall dieses begleitenden Katalogs geht jedoch das gedruckte Wort in all seiner Fülle über die Kraft der ausgestellten Bilder hinaus.